
Liebe Freunde Osteuropas! Wir sind mitten im Leseherbst. Zeit, euch die Neuerscheinungen vom Oktober vorzustellen. Ukraine ist leider wenig dabei, dafür ziemlich viel zu Russland.

In seinem Buch „Im Schatten der Drohnen: Als deutscher Sanitäter an der ukrainischen Front“ schildert Alexander Gertz seinen Weg vom humanitären Helfer zum Soldaten in der ukrainischen Armee. Kurz nach Beginn des russischen Großangriffs reist der Sohn ukrainisch-russischer Spätaussiedler in das Heimatland seiner Mutter, um Hilfsarbeit zu leisten. Im Herbst 2023 tritt er schließlich als Sanitäter in die ukrainische Armee ein und wird im Donbas eingesetzt. Dort berichtet er vom Alltag an der Front, von der medizinischen Versorgung verwundeter Soldaten, dem Leben unter ständigem Beschuss und der zunehmenden Bedrohung durch russische Drohnen. Er beschreibt die schwierige Orientierung in einem Kampfgebiet, in dem klassische Frontlinien zunehmend verschwimmen und selbst einzelne Häuser zum umkämpften Gebiet werden. Dabei hält er seine persönlichen Erlebnisse und Begegnungen fest und gibt Einblicke in die Bedingungen, unter denen ukrainische Soldaten ihren Kriegsalltag bewältigen.

Birgit Virnich, langjährige ARD-Journalistin und erfahrene Auslandskorrespondentin, porträtiert in „Leben trotz allem: Über Mut, Menschlichkeit und die Kraft der Frauen in der Ukraine“ ukrainische Frauen, deren Alltag durch den russischen Angriffskrieg grundlegend verändert wurde. Im Mittelpunkt steht die Tierärztin Valentyna Zhelezko, die nach der Besatzung von Butscha der weiblichen Luftverteidigung beitritt. Daneben erzählt Virnich von Frauen, die Kriegsverbrechen dokumentieren, zerstörte Unternehmen wiederaufbauen oder in Frontstädten ein Stück Normalität bewahren. Das Buch handelt von Verlust, Widerstand und Menschlichkeit und fragt, wie nachhaltig der gesellschaftliche Wandel ist, den der Krieg für die Rolle der Frauen in der Ukraine ausgelöst hat.

In „Identity as Weapon: Crimean Tatars and Their Quest for Indigenous Self-determination“ untersucht die Wissenschaftlerin Mariia Shynkarenko den Widerstand der Krimtataren gegen die russische Herrschaft und ihre Bemühungen um politische Selbstbestimmung. Sie zeichnet die Geschichte von Vertreibung, Landenteignung und Assimilationspolitik seit der russischen Annexion der Krim 1783 nach und zeigt, wie krimtatarische Aktivisten unterschiedliche Identitäten – etwa als indigene Bevölkerung, Europäer, Ukrainer oder Muslime – strategisch nutzten, um ihre politischen Rechte einzufordern. Dabei verbindet Shynkarenko die Geschichte krimtatarischen Aktivismus mit Ansätzen der internationalen Indigenenforschung und hinterfragt, wie indigene Identität und Selbstbestimmung verstanden werden.

In „Inside Russia: Wie ich zum Staatsfeind wurde“ schildert der russische Oppositionspolitiker Andrei Pivovarov gemeinsam mit Maria Lipkovitch seine politische Arbeit und die Erfahrungen während seiner dreijährigen Inhaftierung in Russland. Im Mai 2021 wird Pivovarov kurz vor einem Flug von Sankt Petersburg nach Warschau festgenommen. Vorgeworfen werden ihm unter anderem Beiträge in sozialen Netzwerken und seine Tätigkeit für eine inzwischen aufgelöste Oppositionsorganisation. Nach einem umstrittenen Prozess wird er in die Strafkolonie Nr. 7 in Karelien gebracht. Dort berichtet er von Einzelhaft, permanenter Überwachung, strengen Regeln und alltäglichen Schikanen, aber auch von Momenten menschlicher Solidarität. Zugleich zeichnet er seinen Weg vom politischen Aktivisten in Sankt Petersburg über die Zusammenarbeit mit Oppositionspolitikern wie Boris Nemzow und Michail Chodorkowski bis zu seiner Verhaftung nach. Das Buch endet mit dem Gefangenenaustausch im August 2024, durch den Pivovarov freikommt und nach Deutschland gelangt.

In „From Sovereigns to Servants: How the War Against Ukraine Reshaped Russia’s Elite“ untersucht die russische Politologin Alexandra Prokopenko, wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine die politische und wirtschaftliche Elite Russlands verändert hat. Auf Grundlage zahlreicher Gespräche mit hochrangigen Beamten und Unternehmern zeichnet sie nach, weshalb ein Großteil der Führungsschicht trotz westlicher Sanktionen, Mobilmachung und internationaler Isolation keinen nennenswerten Widerstand gegen Putins Krieg leistete. Sie beschreibt, wie liberale Technokraten die russische Wirtschaft auf die Kriegsbedingungen umstellten, Unternehmen den neuen staatlichen Vorgaben folgten und nur wenige Vertreter der Elite zurücktraten oder öffentlich Kritik übten. Anhand zentraler Ereignisse wie der Annexion ukrainischer Gebiete und des gescheiterten Aufstands von Jewgeni Prigoschin 2023 analysiert Prokopenko die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der russischen Führung und deren Loyalitätsverhältnisse. Dabei zeigt sie, wie die einst einflussreiche Elite zunehmend ihre eigenständigen Handlungsmöglichkeiten verlor und zum Instrument des politischen Systems wurde.

In „Culture War: An Essay on the Origins of the Russo-Ukrainian Conflict“ untersucht Iaroslav Petik die historischen und kulturellen Ursachen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine. Er stellt den russisch-ukrainischen Krieg seit 2022 in einen größeren historischen Zusammenhang und beschäftigt sich mit Ereignissen, die für die ukrainische nationale Identität und das Verhältnis zu Russland prägend sind. Dazu gehören das Abkommen von Perejaslaw, der Holodomor, der Große Terror von 1937/38, der Zweite Weltkrieg und die Zusammenarbeit einzelner ukrainischer Gruppen mit Nazi-Deutschland. Petik zeigt, wie diese Ereignisse in Russland und der Ukraine unterschiedlich interpretiert werden und wie historische Deutungen bis heute die nationale Identitätsbildung, die politische Auseinandersetzung und das Verhältnis beider Staaten beeinflussen. Das Buch knüpft an seine frühere Untersuchung der ukrainischen Revolution von 1917 bis 1921 und der Revolution der Würde von 2013/14 an.

In „Weltunordnung: Die globalen Krisen und die Illusionen des Westens“ analysiert der Politikwissenschaftler Carlo Masala die Veränderungen der internationalen Ordnung seit dem Ende des Kalten Krieges. Er hinterfragt zentrale Annahmen der westlichen Außenpolitik, darunter die Vorstellung, wirtschaftliche Globalisierung führe zwangsläufig zu mehr Demokratie, internationale Beziehungen würden zunehmend durch Recht und Regeln bestimmt und militärische Interventionen könnten demokratische Strukturen und Stabilität exportieren. Anhand der Entwicklungen in Afghanistan, des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der zweiten Amtszeit Donald Trumps beschreibt Masala den Übergang zu einer multipolaren Welt, die von Machtkonkurrenz, Blockbildung und wachsender Unsicherheit geprägt ist. Die erweiterte Neuauflage beschäftigt sich insbesondere mit den Konsequenzen dieser Entwicklung für Deutschland und Europa und der Frage, wie der Westen seine außen- und sicherheitspolitischen Interessen unter veränderten geopolitischen Bedingungen vertreten kann.

In „Frozen Conflicts: Brennpunkte der Gegenwart zwischen Krieg und Frieden“ untersucht die Historikerin Ulrike von Hirschhausen ungelöste territoriale und politische Konflikte in verschiedenen Regionen der Welt. Dazu gehören die Ukraine, der Kaukasus, Palästina, Kaschmir und Taiwan. Sie zeigt, wie viele dieser Konflikte aus dem Zerfall großer Imperien hervorgegangen sind und weshalb deren historisches Erbe die politischen Verhältnisse bis heute prägt. Dabei beschäftigt sie sich mit den Ursachen, die dazu führen, dass Konflikte über Staatsgrenzen und territoriale Zugehörigkeit dauerhaft ungelöst bleiben und zwischen offener Gewalt und einem fragilen Frieden schwanken. Neben den geopolitischen Interessen äußerer Mächte und ehemaliger Schutzpatrone beleuchtet sie auch die Lebensbedingungen und persönlichen Schicksale der Menschen in den betroffenen Gebieten. Zugleich fragt sie, unter welchen Voraussetzungen eingefrorene Konflikte wieder in Bewegung geraten und politische Lösungen möglich werden können.

In „Kriegsgrund NATO?: Putins Weg in den Neo-Imperialismus“ untersucht der Journalist und Historiker Ignaz Lozo die Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland, der Ukraine und der NATO vom Ende des Kalten Krieges bis zum russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle die NATO-Osterweiterung bei Putins Entscheidung zum Krieg tatsächlich spielte. Lozo rekonstruiert die Verhandlungen des Jahres 1990 über die deutsche Wiedervereinigung und die damaligen Sicherheitsgarantien anhand von Archivdokumenten, Verträgen und russischen Originalquellen. Dafür wertet er auch Gespräche mit zahlreichen politischen Entscheidungsträgern und Zeitzeugen aus, darunter Michail Gorbatschow, James Baker und Hans-Dietrich Genscher. Darüber hinaus zeichnet er die zeitweise Zusammenarbeit zwischen Russland und der NATO nach und untersucht, wie sich unter Wladimir Putin zunehmend neo-imperiale Vorstellungen entwickelten. Dabei geht er der Frage nach, welche Motive letztlich hinter dem russischen Angriff auf die Ukraine standen.

In „Wer begehrt das Donaudelta? Eine Reise im Schatten des Krieges durch Transnistrien, Ukraine, Moldau und Rumänien“ verbindet die rumänische Journalistin Sabina Fati persönliche Reiseerlebnisse mit historischen und geopolitischen Analysen. Sie besucht die Donaumündung und die angrenzenden Regionen in vier Ländern und schildert die Lebensrealität der Menschen, die dort zwischen unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Interessen leben. Dabei beleuchtet sie insbesondere Russlands strategische Interessen am Donaudelta und dessen Bedeutung im Krieg gegen die Ukraine. Historische Exkurse und Begegnungen mit den Bewohnern machen das Buch zugleich zu einem Porträt einer wenig beachteten Grenzregion Osteuropas.

In „Der Schatz: Eine böhmische Familiengeschichte“ begibt sich der Historiker Philipp Ther auf die Spuren seiner eigenen Familie, deren Heimat im nordböhmischen Hohenelbe (heute Vrchlabí) am Ende des Zweiten Weltkriegs verloren ging. Ausgangspunkt ist eine Schatzkiste, die sein Großvater 1945 vor der Flucht vergrub und die bis heute verschollen ist. Bei späteren Besuchen in Tschechien stößt Ther stattdessen auf zahlreiche Familienfotos und Dokumente, anhand derer er die Verstrickung seiner Angehörigen in die Sudetendeutsche Partei und den Nationalsozialismus sowie die Schicksale jüdischer Bewohner rekonstruiert. So entsteht eine Familiengeschichte, die zugleich von Flucht, Vertreibung, Erinnerung und den politischen Umbrüchen in Mitteleuropa erzählt.

Ein Jahr später ist jetzt die Taschenbuchausgabe von „Motherland: A Feminist History of Modern Russia, From Revolution to Autocracy“ erschienen. Die Journalistin Julia Ioffe erzählt die Geschichte Russlands anhand der Lebenswege seiner Frauen. Von der Russischen Revolution über den Zweiten Weltkrieg und die Sowjetzeit bis zum heutigen Russland untersucht sie den Wandel der Frauenrechte und gesellschaftlicher Rollenbilder. Dabei porträtiert sie Revolutionärinnen, sowjetische Soldatinnen, Wissenschaftlerinnen und moderne Aktivistinnen. Auch ihre eigene Familiengeschichte fließt ein. Ioffe geht der Frage nach, wie aus dem einst propagierten sowjetischen Emanzipationsprojekt eine Gesellschaft wurde, in der traditionelle Geschlechterrollen und konservative Werte wieder an Bedeutung gewannen.

In „A Broken Russia Inside Me“ erzählt der russischstämmige Schriftsteller und Künstler A. Molotkov seine Lebensgeschichte zwischen der späten Sowjetunion, dem Zusammenbruch des Kommunismus und seinem späteren Leben in den USA. Ausgehend von seiner Kindheit und Jugend in der Sowjetunion beschreibt er den gesellschaftlichen Wandel während der Perestroika und den Übergang in die postsowjetische Zeit. Im Mittelpunkt stehen seine Familiengeschichte, persönliche Erfahrungen mit dem politischen Umbruch und schließlich seine Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Dabei beschäftigt er sich mit den Erfahrungen von Heimatverlust, Neuanfang und Identität sowie mit den Veränderungen, die das Leben zwischen zwei unterschiedlichen Gesellschaften mit sich bringt.

In „Memeing War: The Digital Folklore Memetic Mirror of Contemporary Ukrainian Culture and Society“ untersuchen Michel Bouchard und Daria Antsybor den russischen Großangriff auf die Ukraine seit Februar 2022 anhand Zehntausender ukrainischer Internet-Memes. Diese verstehen sie als eine Form digitalen Volksguts, in dem sich gesellschaftliche Erfahrungen, nationale Identität und der Umgang mit dem Krieg widerspiegeln. Das Buch beleuchtet insbesondere die Rolle von schwarzem Humor und Galgenhumor bei der Bewältigung von Angst, Zerstörung und Verlust. Zugleich zeichnet es die Entwicklung der ukrainischen Meme-Kultur von der Orangen Revolution und dem Euromaidan bis zum russischen Großangriff nach.

In „Reiseführer durch die Propaganda“ beschäftigt sich die russische Autorin Irina Rastorgueva mit den Mechanismen moderner Propaganda und Desinformation. Ausgehend von russischen Narrativen und chinesischen Einflussstrategien schlägt sie einen Bogen bis zu populistischen Bewegungen und dem Rechtsruck in Europa. Dabei untersucht sie, wie manipulative Sprache und politische Erzählungen öffentliche Debatten prägen und demokratische Werte untergraben können. Das handgezeichnete Buch zeigt, wie Propaganda im Alltag funktioniert und wie man ihre Strategien erkennen und ihnen begegnen kann.

In „Der lange Weg in den Krieg: Ursachen und Folgen des Ukraine-Konflikts“ zeichnet Denis Jdanoff die historischen und politischen Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine nach. Er beschreibt den russischen Anspruch auf Einfluss und Kontrolle über die Ukraine, der seiner Darstellung zufolge bis in die Zeit vor der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 zurückreicht und sich anschließend fortsetzte. Dabei betrachtet er den Konflikt aus historischer, politischer, wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Perspektive. Abschließend geht es um die internationalen Folgen des russischen Angriffskriegs und die Bedeutung der Ukraine für die künftige europäische Sicherheit.

In „Wider das Heulen mit den Wölfen: Russische Stimmen der Vernunft in schwierigen Zeiten“ stellt Josef Croonenbroeck kritische russische Schriftsteller und Publizisten vor, die sich gegen die politische Propaganda und das autoritäre System unter Wladimir Putin wenden. Das Buch versammelt ihre Texte, in denen sie sich mit der Sehnsucht nach einem demokratischen, rechtsstaatlichen und freien Russland auseinandersetzen. Zugleich versteht sich die Sammlung als Plädoyer für unabhängiges Denken und eine starke Zivilgesellschaft. Über Russland hinaus zieht der Autor Parallelen zu politischen Entwicklungen in den USA und zum Erstarken rechtsradikaler Kräfte in Europa.

In „Der Angriff der Autokraten: Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner“ beschäftigt sich Hubertus Heil, ehemaliger Bundesminister für Arbeit und Soziales und SPD-Politiker, mit den Bedrohungen demokratischer Gesellschaften durch autoritäre Staaten und extremistische Bewegungen. Im Mittelpunkt stehen russische Einflussoperationen, Chinas wirtschaftliche und geopolitische Machtpolitik sowie die Verbindungen zwischen der Neuen Rechten in Europa und dem Trumpismus in den USA. Heil untersucht, wie Desinformation, digitale Plattformen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und hybride Kriegsführung demokratische Institutionen unter Druck setzen. Zugleich beschreibt er Möglichkeiten, wie demokratische Staaten ihre Widerstandsfähigkeit stärken können.

In „Russland als Militärmacht: Von Peter dem Großen bis Putin“ zeichnet der Militärhistoriker Alexander Querengässer die Entwicklung des russischen Militärs vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach. Er untersucht, welche Bedeutung Streitkräfte, militärische Strukturen und territoriale Ambitionen für die russische Politik hatten und wie sie das außenpolitische Handeln des Landes beeinflussten. Dabei betrachtet er den Einsatz militärischer Gewalt im Inneren wie nach außen sowie das Selbstverständnis des Militärs im Zarenreich, in der Sowjetunion und im heutigen Russland.

In „The New Total War: From Child Abduction to Cyber Attacks and Drones to Disinformation“ untersucht der britische Autor und Politiker Bob Seely die verschiedenen Formen der russischen Kriegsführung gegen die Ukraine. Dabei geht es nicht nur um militärische Angriffe, sondern auch um Drohnen, Cyberattacken, Desinformation, psychologische Kriegsführung und die Verschleppung ukrainischer Kinder. Seely stützt sich auf mehr als zehn Jahre Recherche und zahlreiche Reisen in die Ukraine, bei denen er mit Betroffenen und Beteiligten gesprochen hat. Er vertritt die These, dass Russland seinen Konflikt mit der Ukraine bereits lange vor der Invasion von 2022 führte und seine Methoden zunehmend auch gegen westliche Staaten einsetzt.

In seinem Buch „NATO statt Neutralität: Abschied von einer Illusion“ setzt sich der österreichische Journalist und Medienmanager Rainer Nowak kritisch mit der österreichischen Neutralität auseinander. Er vertritt die These, dass diese Neutralität längst zu einer politischen Selbsttäuschung geworden sei. Österreich habe sich jahrzehntelang in vermeintlicher Sicherheit gewähnt, obwohl es militärisch und sicherheitspolitisch vom Schutz der NATO-Staaten Deutschland und Italien profitiert habe. Angesichts der russischen Aggression und einer zunehmend von autoritären Mächten geprägten Weltordnung fordert Nowak einen grundlegenden Kurswechsel: Österreich müsse seine Neutralität aufgeben, der NATO beitreten und damit mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit und die europäische Gemeinschaft übernehmen.

In „Rockin’ the Kremlin: My Incredible True Story of Gangsters, Oligarchs, and Pop Stars in Putin’s Russia“ erzählt David Junk, ehemaliger erster Geschäftsführer von Universal Music Russia, gemeinsam mit Fred Bronson seine außergewöhnliche Geschichte vom Aufbau der westlichen Musikindustrie im postsowjetischen Russland. Nach dem Ende der Sowjetunion brachte Junk internationale Superstars wie Metallica, Sting, Mariah Carey und Eminem nach Russland und förderte erfolgreiche einheimische Künstler wie t.A.T.u. Dabei geriet er in eine Welt aus politischem Chaos, organisierter Kriminalität, mächtigen Oligarchen und Gewalt. Seine autobiografischen Erinnerungen zeichnen zugleich den Wandel Russlands von der anfänglichen Öffnung nach 1991 bis zum zunehmenden Autoritarismus unter Wladimir Putin und den russischen Angriffen auf die Ukraine nach. Das Buch ist erstmals 2024 erschienen und jetzt als Taschenbuch zu haben.

In „Aufrecht: Überleben im Zeitalter der Extreme“ begibt sich die albanische Politikwissenschaftlerin und Autorin Lea Ypi auf die Spur der Lebensgeschichte ihrer Großmutter Leman, genannt Nini. Auslöser ist ein altes Familienfoto aus dem Jahr 1941, das Fragen über die Vergangenheit ihrer Großmutter aufwirft. Mithilfe von Archivdokumenten, Akten und Familienerzählungen rekonstruiert Ypi deren Lebensweg: von ihrer Kindheit in einer aristokratischen Familie im griechischen Thessaloniki über die Umbrüche auf dem Balkan bis zu ihrem Leben in Albanien unter faschistischer Besatzung und kommunistischer Herrschaft. Dabei erzählt sie auch von der Beziehung zu ihrem späteren Mann Asllan, der vom kommunistischen Regime für mehrere Jahre inhaftiert wird. Das Buch verbindet die persönliche Familiengeschichte mit den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts auf dem Balkan und beschäftigt sich mit Erinnerung, Herkunft, Liebe und den Entscheidungen des Einzelnen in Zeiten politischer Extreme.

In „Into the Breach: A Soldier’s Journey“ schildert der kanadische General Wayne Eyre seine vier Jahrzehnte umfassende Laufbahn in den kanadischen Streitkräften. Er berichtet von seinen Einsätzen und Führungsaufgaben, darunter Friedensmissionen in Zypern, Kroatien und Bosnien, die Evakuierung Kanadas aus Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban sowie die militärische Unterstützung der Ukraine nach dem russischen Angriff. Auch die zunehmenden Spannungen mit China im Pazifik, mutmaßliche Spionageballons über Nordamerika und die Herausforderungen der kanadischen Arktis spielen eine Rolle. Darüber hinaus beschreibt Eyre die Unterstützung der Bevölkerung bei Naturkatastrophen und während der Corona-Pandemie sowie seine Erfahrungen als Generalstabschef der kanadischen Streitkräfte von 2021 bis 2024. Abschließend beschäftigt er sich mit Kanadas sicherheitspolitischer Lage, den Herausforderungen für die Landesverteidigung und der Rolle der Streitkräfte in einer zunehmend konfliktreichen Welt.

In „Kreisläufe: Wie ein Krieg mein Leben veränderte“ erzählt der frühere bosnisch-herzegowinische Fußballprofi Sergej Barbarez gemeinsam mit Sebastian Wolff seine Lebensgeschichte, die eng mit den Umbrüchen und Kriegen im ehemaligen Jugoslawien verbunden ist. Im Dezember 1991 reist Barbarez im Glauben an einen kurzen Urlaub nach Hannover – doch aus der Reise wird eine Flucht aus dem belagerten und vom Zerfall Jugoslawiens geprägten Sarajevo. Sein Weg führt ihn über Ost-Berlin bis in die Bundesliga, wo er unter anderem für Borussia Dortmund und den Hamburger SV spielt. Neben seiner Karriere berichtet er von Flucht und Neuanfang, seiner bosnischen Identität und den politischen Spannungen auf dem Balkan. Den Abschluss bildet seine Rückkehr in eine prägende Rolle für sein Heimatland als Nationaltrainer von Bosnien und Herzegowina.

In „Battle: The Moments that Transformed Warfare from Ancient Greece to Ukraine“ zeichnet der britische Historiker Iain MacGregor die Entwicklung der Kriegsführung anhand entscheidender Schlachten der Weltgeschichte nach. Von der Schlacht bei Marathon über Agincourt und die napoleonischen Kriege bis hin zu Stalingrad und dem Drohnenkrieg in der Ukraine zeigt er, wie neue Waffen, militärische Taktiken, strategische Entscheidungen und die Moral der Soldaten den Verlauf von Konflikten beeinflussten. Dabei richtet MacGregor den Blick nicht nur auf berühmte Feldherren wie Alexander den Großen, Julius Cäsar oder Napoleon, sondern auch auf die technischen und menschlichen Faktoren, die über Sieg und Niederlage entschieden. So entsteht ein Überblick darüber, wie militärische Auseinandersetzungen die Welt und die Kriegsführung bis in die Gegenwart verändert haben.

In „Defiant: Profiles of Resistance“ porträtiert der preisgekrönte Menschenrechtsaktivist und Autor Brian Dooley elf Menschen und Initiativen aus verschiedenen europäischen Ländern, die sich trotz persönlicher Risiken gegen Unrecht und Unterdrückung einsetzen. Zu ihnen gehören eine ehemalige ukrainische Geigerin, die an der Front als Rettungsfahrerin arbeitet, eine polnische Familie, die Flüchtlinge versteckt, sowie Aktivisten, die sich gegen Homophobie, Umweltzerstörung und russische Desinformation engagieren. Dooley erzählt von Menschen, die ursprünglich keine Aktivisten waren, sondern aus ihrem Alltag heraus beschlossen, nicht länger wegzusehen. Das Buch zeigt, wie viel gewöhnliche Menschen durch Mut, Beharrlichkeit und Solidarität bewirken können.

In „Russland: Revolution und Bürgerkrieg 1917–1921“ schildert der britische Historiker Antony Beevor den Zusammenbruch des Zarenreichs, die Oktoberrevolution und den anschließenden Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen. Dabei richtet er den Blick auch auf die Ukraine, die zum Schauplatz brutaler Kämpfe um Macht und Einfluss wurde. Gestützt auf zahlreiche Archivfunde und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt Beevor von einer Epoche extremer Gewalt und politischer Umbrüche, deren Folgen weit über Russland hinausreichten. Das Hardcover erschien bereits 2023, nun folgt die Taschenbuchausgabe.

In „Die Rebellin am Hof der Romanows: Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld zwischen Liebe, Gewalt und Intrigen“ erzählt die britische Historikerin Helen Rappaport die außergewöhnliche Lebensgeschichte einer weitgehend vergessenen europäischen Prinzessin. Juliane von Sachsen-Coburg-Saalfeld heiratete den russischen Großfürsten Konstantin Romanow und kam dadurch an den Zarenhof nach Sankt Petersburg, wo sie unter dem Namen Anna Fjodorowna bekannt wurde. Eigentlich war sie für eine bedeutende dynastische Rolle vorgesehen, doch statt sich den Erwartungen des russischen Hofes zu unterwerfen, widersetzte sie sich den politischen und persönlichen Zwängen ihrer Ehe. Rappaport zeichnet das Porträt einer Frau zwischen europäischen Herrscherhäusern, Machtintrigen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung.

In „Vienna, Bratislava, and the Question of Austrian-Slovak Relations“ zeichnet die Historikerin Zuzana van Duin Poláčková die Entwicklung der österreichisch-slowakischen Beziehungen im 20. Jahrhundert nach. Das Buch beleuchtet wichtige Wendepunkte wie das Ende des Ersten Weltkriegs, den Zweiten Weltkrieg, den Prager Frühling 1968 und die politischen Umbrüche von 1989. Dabei geht es auch um die Kontakte zwischen tschechoslowakischen Dissidenten und österreichischen Politikern sowie um die Entstehung eigenständiger bilateraler Beziehungen nach der Gründung der Slowakei 1993. Im Mittelpunkt stehen die historischen Verbindungen und politischen Entwicklungen zwischen den beiden Donaumetropolen Wien und Bratislava.

In „Sudden Departures: Russian Exiles Between Putin and the West“ untersucht die Politikwissenschaftlerin Margarita Zavadskaya die größte Auswanderungswelle aus Russland seit dem Ende der Sowjetunion. Anhand von Hunderten Interviews zeichnet sie die Wege von Menschen nach, die vor allem nach der Annexion der Krim 2014 und dem russischen Großangriff auf die Ukraine 2022 ihre Heimat verlassen haben. Viele von ihnen versuchen auch im Exil, sich gegen das Putin-Regime zu engagieren, unterstützen die Ukraine oder organisieren gegenseitige Hilfe. Das Buch beleuchtet ihre Suche nach Sicherheit und Zugehörigkeit, aber auch die Schwierigkeiten, im Westen eine neue Heimat zu finden und sich mit der eigenen russischen Identität auseinanderzusetzen.

In „Bedřich Smetana und seine Zeit“ widmet sich der Musikjournalist und Musikschriftsteller Hans-Klaus Jungheinrich dem Leben und Werk des bedeutenden tschechischen Komponisten. Er beschreibt Smetanas Herkunft und seinen Werdegang vor dem Hintergrund des aufkommenden tschechischen Nationalbewusstseins sowie des kulturellen und musikalischen Lebens im Prag des 19. Jahrhunderts. Dabei beleuchtet er die Bedeutung seiner Opern, Lieder und Kammermusik und zeigt, wie eng Smetanas musikalisches Schaffen mit der Entwicklung einer eigenständigen tschechischen Musikkultur verbunden war. Ergänzt wird der Band durch Beiträge mehrerer Musikexperten.

In „Lost in Transition: Stories of Post-cold War Poland“ hinterfragt die Soziologin Anna Giza die gängigen Erfolgserzählungen über den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel in Polen nach dem Ende des Sozialismus. Sie untersucht, welche bislang wenig beachteten Folgen die Transformation für Menschen, Organisationen und die Arbeitswelt hatte und warum der Übergang zur Marktwirtschaft und liberalen Demokratie widersprüchlich bewertet wird. Anhand polnischer Beispiele beleuchtet Giza die sozialen und ethischen Grundlagen von Wirtschaft und Gesellschaft und stellt die Frage, was der Umbruch seit 1989 tatsächlich verändert hat – in Osteuropa ebenso wie im Westen.

In „Dissents, Contradictions, and Ambiguities of the Soviet Unofficial Literature: The Impossible Community“ untersucht Konstantin Chadov die informelle Literaturszene Leningrads in den 1970er- und 1980er-Jahren. Auf Grundlage philosophischer und psychoanalytischer Ansätze analysiert er die inneren Widersprüche einer Gemeinschaft, die sich einerseits über persönliche Freundschaften und künstlerische Eigenständigkeit definierte, andererseits aber zunehmend als Gegenöffentlichkeit zum sowjetischen Kulturbetrieb verstand. Chadov zeigt, wie die daraus entstehenden Spannungen die Zusammenarbeit und literarische Produktion erschwerten und warum die oppositionelle Szene keineswegs so geschlossen und einheitlich war, wie es häufig dargestellt wird.

In „The Geopoetics of Catastrophe: Russian Modernism on Italian Terrain“ untersucht die Literaturwissenschaftlerin Jenifer Presto, wie Naturkatastrophen und Umweltzerstörung das Italienbild russischer Schriftsteller der Moderne geprägt haben. Anhand der Werke von Autoren wie Alexander Blok, Maxim Gorki, Wladimir Nabokow und Joseph Brodsky beleuchtet sie die literarische Auseinandersetzung mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Erdrutschen und den Folgen des Massentourismus. Dabei zeigt Presto, dass Italien für die russischen Autoren nicht nur ein Sehnsuchtsort für Kunst und Kultur war, sondern auch eine Landschaft, in der sich ökologische Gefahren und gesellschaftliche Krisen spiegelten.

In „Political Visions of Ukraine: Models of a Common Future“ untersucht der Politikwissenschaftler Bogdan Kolesnyk die unterschiedlichen politischen Vorstellungen, die seit den Euromaidan-Protesten von 2013/14 um die Zukunft der Ukraine konkurrieren. Er zeichnet nach, wie verschiedene gesellschaftliche und intellektuelle Strömungen um das Selbstverständnis des Landes ringen und warum weder eine ausschließlich liberale noch eine allein auf nationaler Identität beruhende Vision ausreicht. Kolesnyk plädiert für eine pluralistische politische Ordnung, die auf Gerechtigkeit, Vernunft und republikanischen Institutionen gründet, und fragt, welche gemeinsame Zukunft die ukrainische Gesellschaft angesichts ihrer inneren Vielfalt anstreben kann.

In „Revolutionary Connections: Russia and Ireland, 1905–1923“ untersucht die Historikerin Anna Lively die bislang wenig erforschten politischen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Russland und Irland in einer Zeit revolutionärer Umbrüche. Auf Grundlage umfangreicher Archivquellen, Zeitungsberichte, Tagebücher und Briefe zeichnet sie nach, wie russische Debatten über Landbesitz, Selbstbestimmung und Imperialismus die irische Politik beeinflussten – und umgekehrt, wie irische Beobachter die russischen Revolutionen interpretierten. Das Buch beleuchtet unter anderem irische Erfahrungen an der Ostfront des Ersten Weltkriegs sowie die Rolle von Diaspora-Netzwerken und internationalen Nachrichtenverbindungen. Dabei entsteht eine transnationale Perspektive auf die Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts.
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