
Liebe Freunde Osteuropas! Ab heute stelle ich euch noch die #Osteuropa-Romane vom September 2026 vor. Es gibt einen Haufen tschechische Literatur diesmal. Nicht verwunderlich. Tschechien ist Gastland bei der Frankfurter Buchmesse dieses Jahr.

Sasha Dovzhyk, ukrainische Kuratorin, Kunsthistorikerin und Autorin, schildert in „Apocalypse Baroque“ in 17 Geschichten das Leben von Ukrainern während des russischen Angriffskriegs. Sie porträtiert unter anderem Menschen, die Tarnnetze herstellen, Bibliothekare, die zu Kämpfern werden, und Bewohner ländlicher Orte, deren Heimat zerstört oder bedroht wird. Dabei verbindet Dovzhyk persönliche Erfahrungen und Gespräche mit ukrainischer Folklore und traditionellen Erzählformen, um zu zeigen, wie der Krieg das alltägliche Leben, die Kultur und die Identität der Menschen verändert.

In „Die Bleibende“ erzählt die bulgarische Schriftstellerin René Karabash von Bekija, einer jungen Frau aus einem abgelegenen Bergdorf in Albanien, in dem die Regeln des Kanun das gesellschaftliche Leben bestimmen. Um einer arrangierten Ehe zu entgehen, erklärt sie sich zur Schwurjungfrau und lebt fortan als Mann. Ihre Entscheidung setzt jedoch eine Kette von Ereignissen in Gang, die in eine Blutrache mündet und ihre Familie auseinanderreißt. Zugleich verliert Bekija den Menschen, den sie am meisten liebt. Der Roman ist als atemloser Bericht Bekijas an eine Journalistin gestaltet und verbindet Prosa mit Briefen und Gedichten.

Bohumil Hrabal, tschechischer Schriftsteller, erzählt in „Allzu laute Einsamkeit“ von Haňťa, der seit 35 Jahren in einem Prager Keller Altpapier presst. Zwischen weggeworfenen Büchern und anderen Schriftstücken liest er während seiner Arbeit und nimmt die darin enthaltenen Gedanken und Geschichten in sich auf. Als moderne Maschinen und ein zunehmendes Effizienzdenken seine bisherige Tätigkeit verändern, gerät auch seine eigenwillige Lebensweise unter Druck. Hrabal verbindet die Geschichte mit Betrachtungen über Literatur, Lesen, Vergänglichkeit und die Bewahrung von Erinnerung. Die Ausgabe erscheint anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Bibliothek Suhrkamp und enthält ein von Olaf Nicolai neu gestaltetes Cover.

In „Das Haus meiner Eltern in Eden„ setzt sich der 1981 in Russland geborene Kölner Dichter Georg Smirnov mit Herkunft, Heimat und Erinnerung auseinander. Seine Gedichte bewegen sich zwischen persönlichen und historischen Erfahrungen und fragen nach den Spuren von Krieg und Frieden, Schuld und Sühne in der Gegenwart. Dabei führen sie durch innere Landschaften und vergangene Geschichten, die mit der eigenen Herkunft verbunden sind. Smirnov lebt und arbeitet in Köln, wo er hauptberuflich als Dokumentar mit dem Schwerpunkt NS-Geschichte tätig ist.

In „Баттер Me Up! Lull mich ein!“ erzählt in Kyjiw geborene und seit 2022 in Zürich lebende Liliia Zhernov von einer namenlosen Frau, die auf eine nicht gelebte, intensive Liebe zu einer anderen Frau zurückblickt. Die Erzählerin hat Mutterschaft, Krieg und Emigration erlebt und setzt sich in Erinnerungen, Briefen und Fragmenten mit dieser vergangenen Beziehung auseinander. Dabei bewegen sich die Texte zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Körper und Erinnerung sowie verschiedenen europäischen Städten, während die innere Welt der Erzählerin im Mittelpunkt steht.

In „Zwischenlandung“ erzählt der tschechische Schriftsteller Matěj Hořava in einer Reihe von Prosastücken vom Leben eines tschechischen Lehrers im freiwilligen Exil in Tiflis. Der Erzähler lebt in einem zerfallenden Plattenbauviertel und begegnet Menschen, deren Geschichten ihn an die eigene Herkunft, Kindheit und Vergangenheit in Mähren und Böhmen erinnern. Immer wieder führen ihn seine Gedanken an das Schwarze Meer, in den Kaukasus und in andere Länder. Im Mittelpunkt stehen dabei Fremdsein, Erinnerung, Aufbruch und die Suche nach einem Ort zwischen Heimat und Ferne.

In „Odradek und die Prager Schwalbe“ versammelt die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková Reden und Essays, die aus den vergangenen Jahren stammen und anlässlich von Preisverleihungen und Einladungen entstanden sind. Darin setzt sie sich mit politischen und gesellschaftlichen Machtstrukturen auseinander und schreibt über Menschenrechte sowie die Freiheit des Denkens, Sprechens und Schreibens.

In „Der Idealist“ rekonstruieren der tschechische Autor Stanislav Setinský und der Schriftsteller Marek Toman das Leben von Jaroslav Klecan, einem tschechischen Freiwilligen der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Nach der Niederlage der Republik geriet Klecan in französische Internierung und wurde später als Zivilarbeiter nach Deutschland gebracht, von wo er ins besetzte Prag floh und sich dem antifaschistischen Widerstand anschloss. 1943 wurde er im Gefängnis Berlin-Plötzensee ermordet. Der Roman beschäftigt sich auch mit Klecans Beziehung zur Spanierin Francisca Tarazona und mit dem Bild, das Julius Fučík von Klecan in seiner berühmten Haftschrift „Reportage unter dem Strang geschrieben“ zeichnete. Neu entdeckte Briefe zwischen Klecan und Tarazona ermöglichen eine Rekonstruktion ihrer gemeinsamen Geschichte.

„Kobold“ der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková erzählt zwei miteinander verwobene Geschichten, in denen familiäre Prägungen, gesellschaftliche Zwänge und ideologische Einflüsse das Leben der Figuren bestimmen. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die mit Liebe und Gewalt, Nähe und Abhängigkeit sowie der Ausgrenzung von Schwächeren konfrontiert sind. Ihre persönlichen Schicksale stehen dabei in Verbindung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und politischen Entwicklungen ihrer Zeit. Die titelgebenden Kobolde erscheinen als dunkle, schwer greifbare Macht im Hintergrund der beiden Erzählstränge.

In „Der unsichtbare Mann“ erzählt die tschechische Schriftstellerin Bianca Bellová von einer Frau, die sich aus einer unglücklichen Ehe löst und in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Dort versucht sie herauszufinden, wer sie selbst ist und was in der Geschichte ihrer Familie geschehen ist. Sie geht insbesondere dem Schicksal ihres Vaters, des titelgebenden „unsichtbaren Mannes“, und dem langen Schweigen ihrer Mutter nach. Vor dem Hintergrund eines namenlosen Krieges verbindet der Roman Vergangenheit und Gegenwart und stellt die Erfahrungen mehrerer Generationen gegenüber.

In „Ad acta“ ermittelt der Prager Hauptkommissar Vilém Lebeda nach zwei Brandstiftungen und einem Selbstmord in einem ansonsten ruhigen Stadtteil. Dabei stößt er auf den misanthropischen Rentner Viktor Dyk und dessen Sohn, der von traumatischen Gewalterfahrungen aus seiner Kindheit verfolgt wird. Die Ermittlungen führen schließlich zu einem vierzig Jahre zurückliegenden Mord, an dem der alte Dyk beteiligt gewesen sein könnte. Vor diesem Hintergrund verbindet der tschechische Schriftsteller Patrik Ouředník die Krimihandlung mit der Geschichte der Tschechoslowakei, dem Kommunismus und den gesellschaftlichen Veränderungen nach dessen Ende.

In „Der Mann mit dem Karren“ versammelt der polnisch-jüdische Schriftsteller Stanisław Wygodzki Erzählungen über das Überleben und die Folgen des Holocaust. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen polnischer Juden während der deutschen Besatzung und in der Zeit danach, wobei die Geschichten auch das Leben nach dem Überleben und die Schwierigkeiten einer Rückkehr in ein normales Leben thematisieren. Wygodzki erzählt in schlichter, zurückhaltender Sprache von Verlust, Verfolgung, Erinnerung und den langfristigen Folgen der Vernichtungspolitik. Der 1968 nach Israel emigrierte Autor gehört zu den weniger bekannten Vertretern der polnischen Holocaustliteratur. Der Band enthält den bereits 1965 in der DDR erschienenen Erzählungsband „Der kleine Satan“ sowie drei weitere Erzählungen, die erstmals auf Deutsch vorliegen.

In „Jugo“ erzählt der deutsche Schriftsteller Ilija Matusko von der schwierigen Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. Der Vater kam als junger Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland, gründete dort eine Familie und arbeitete in der Gastronomie, bevor er Jahrzehnte später nach Kroatien zurückkehrte. Sein Sohn lebt als Schriftsteller in Berlin und besucht ihn einmal im Jahr an der Adriaküste, wobei die beiden regelmäßig aneinandergeraten. Während gemeinsamer Ausflüge und Reisen nach Kroatien und Bosnien kommen sie ihrer Familiengeschichte und einander allmählich näher.

In „Alles über die Liebe“ versammelt die russische Schriftstellerin Nadežda Lochvickaja, bekannt unter dem Pseudonym Teffi, Erzählungen über Liebe und Beziehungen im Milieu der russischen Emigration im Paris der 1930er-Jahre. Ihre Figuren erleben Verliebtheit, Eifersucht, Täuschung, Sehnsucht und Enttäuschung, wobei persönliche Beziehungen immer wieder von Erfahrungen des Verlusts und der Entwurzelung geprägt sind. Die Geschichten zeigen unterschiedliche Formen von Nähe und Freiheit und verbinden menschliche Schwächen mit den besonderen Lebensumständen der russischen Emigration.

In „Durch fremde Türen“ erzählt der deutsche Autor Robert Bigler von drei Menschen, die zufällig in einem Lastwagen zusammenkommen: Artem, einem 63-jährigen Fernfahrer aus der Ukraine, Niko, einem 21-jährigen Autisten aus Wien, und Amir, einem 14-jährigen Flüchtling aus Afghanistan. Während einer gemeinsamen Reise durch Europa treffen unterschiedliche Lebensgeschichten und Sichtweisen aufeinander. Zwischen Fremdheit und Vertrautheit, Angst und Hoffnung entsteht eine vorübergehende Gemeinschaft, in der die drei lernen müssen, mit ihren Unterschieden und der jeweiligen Geschichte des anderen umzugehen.

In „Die Mariborhypnose“ erzählt die tschechische Autorin Dora Kaprálová von dem Hypnotiseur Leo Svengali und seiner Assistentin Elis, die in einer mittelgroßen europäischen Stadt des 20. Jahrhunderts eng miteinander verbunden sind. Als der jugoslawische Diktator Tito die beiden auseinanderbringen will, geraten ihre Beziehung und ihre Lebenswege unter den Einfluss politischer Macht. Der Roman verbindet die Geschichte der beiden mit Motiven von Hypnose und Magie und kreist um Liebe, Treue und Machtmissbrauch.

In „Die Hölle gibt es nicht“ erzählt der tschechische Schriftsteller Jáchym Topol von dem Journalisten und Theaterautor Tomáš, der sich in Prag durch eine private Lebenskrise kämpft, während die Gesellschaft nach der Corona-Pandemie wieder zur Normalität zurückkehrt. Die politischen Ereignisse holen ihn jedoch immer wieder ein: Der russische Großangriff auf die Ukraine erinnert in Tschechien an die sowjetische Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und verstärkt zugleich die Verbreitung von Verschwörungserzählungen. Zwischen Familienproblemen, Beziehungen und den politischen Umbrüchen versucht Tomáš, seinen Alltag und seine Rolle als Vater und Partner zu bewältigen.

In „Göre“ erzählt die tschechische Schriftstellerin Dorota Ambrožová von der Gymnasiastin Hanka, die sich obsessiv in ihren deutlich älteren Nachbarn Doc verliebt. Er ist 18 Jahre älter und zudem in einer Beziehung. Auch in anderen Bereichen ihres Lebens fühlt Hanka sich unzufrieden: Sie ist von der Schule und ihrer besten Freundin genervt, streitet mit ihrer Mutter und hat kaum Kontakt zu ihrem Vater. Halt findet sie in ihrer Liebe zur Malerei und in der Bekanntschaft mit einem jungen Studenten, dem sogenannten Literaten, der sich für sie interessiert. Als Doc von einem Schicksalsschlag getroffen wird, verändert sich Hankas Situation und ihre bisherige Vorstellung von Liebe und Zukunft.

In „An der Moldauquelle“ verbindet die tschechische Schriftstellerin Petra Klabouchová einen aktuellen Mordfall mit der verdrängten Geschichte eines Ortes nahe Vimperk an der deutsch-tschechischen Grenze. Dort wird die Leiche eines Mädchens gefunden, das einen gestreiften Schlafanzug trägt und mit einem Davidstern gekennzeichnet ist. Die Ermittlungen führen zu ungeklärten Schicksalen aus der Vergangenheit und zu einem ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlager. Auf zwei Zeitebenen erzählt der Roman von den Folgen dieser Geschichte für die Gegenwart und verknüpft persönliche Schicksale mit den historischen Ereignissen des Grenzraums. Dabei geht es um Schuld, Verdrängung und die Frage, wie Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt.

In „Bis zum Grund“ erzählt die tschechische Schriftstellerin Anna Bolavá von einer südböhmischen Kleinstadt, deren scheinbare Ordnung durch den Fund einer toten Lehrerin erschüttert wird. Während Gerüchte kursieren und ein Journalist die Stimmung weiter anheizt, treten alte Konflikte und Spannungen innerhalb der Gemeinschaft hervor. Zugleich kehrt Hanka mit ihrer Mutter in das verfallene Haus einer verstorbenen Verwandten zurück, das mit ihrer eigenen Vergangenheit verbunden ist. Zwischen den Ereignissen in der Stadt und Hankas Erinnerungen entfaltet sich eine Geschichte über Schuld, Verlust und verdrängte Erfahrungen. Die Handlung verbindet einen Kriminalfall mit der Geschichte einer Familie und der besonderen Landschaft Südböhmens.

In „Der Drache auf dem Feldweg“ erzählt der tschechische Schriftsteller Jiří Hájíček von der Musiklehrerin Kristýna, die nach Jahren in Prag in ihr südböhmisches Heimatdorf zurückkehrt. Dort versucht die 35-Jährige, wieder Kontakt zu ihrer Familie aufzunehmen, und nähert sich ihrem langjährigen Bekannten Tomáš an, der den alten Hof seiner Familie bewirtschaftet. Zwischen den beiden treten jedoch zunehmend Spannungen auf, die auch die Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben widerspiegeln. Als junge Männer im Auftrag von Investoren auftauchen und den Dorfbewohnern Geld für Anteile an ihren Höfen anbieten, gerät Tomáš’ Existenz und die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe in Gefahr. Der Roman verbindet die private Geschichte seiner Figuren mit der Frage nach Besitz, Verantwortung und dem Wandel des ländlichen Raums.

In „Flora“ erzählt der tschechische Schriftsteller Jonáš Zbořil von dem jungen Paar Adam und Sára, das bei einem nächtlichen Spaziergang am Stadtrand ein unbekanntes, stilles Wesen entdeckt. Sie nehmen es bei sich auf und bringen es in die Datsche von Adams verstorbener Großmutter, die in einem von der Stadtverwaltung abgesperrten Areal liegt. Während Sára eine enge Beziehung zu dem schnell wachsenden Wesen entwickelt und es beschützen möchte, wird Adam zunehmend misstrauisch und fühlt sich von ihm abgestoßen. Seltsame Ereignisse lassen ihn schließlich einen beunruhigenden Verdacht entwickeln. Vor dem Hintergrund einer nur leicht veränderten Gegenwart verbindet der Roman Fragen nach Natur und künstlicher Intelligenz mit der Auseinandersetzung eines Paares mit Elternschaft, Fremdheit und Empathie.

In „Amor und Psyche“ erzählt die tschechische Schriftstellerin Milada Součková von der jungen Augustina, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem großbürgerlichen Prager Haus aufwächst. Aus ihrer Perspektive entsteht ein Bild des familiären und gesellschaftlichen Lebens, das von Beobachtungen, Erinnerungen und unausgesprochenen Gefühlen geprägt ist. Briefe, Fotografien und persönliche Erinnerungsstücke fügen sich zu einem vielschichtigen Bild von Augustinas Umfeld und ihren eigenen Empfindungen zusammen. Der Roman verbindet die Geschichte der jungen Frau mit der Atmosphäre Prags vor dem Ersten Weltkrieg und gilt als Werk der tschechischen literarischen Moderne. Die deutsche Ausgabe ist eine Erstübersetzung.

In „Der Krieg mit den Molchen“ erzählt der tschechische Schriftsteller Karel Čapek von einer intelligenten Spezies von Riesenmolchen, die Kapitän Jan van Toch vor Sumatra entdeckt und zunächst für die Perlenfischerei einsetzt. Nach seinem Tod werden die Molche weltweit als billige Arbeitskräfte vermarktet. Sie entwickeln sich weiter, lernen zu sprechen und aufrecht zu gehen und werden schließlich für militärische Zwecke ausgebildet und bewaffnet. Als sie sich gegen die Menschen auflehnen, beginnt ein Krieg, der die menschliche Zivilisation bedroht. Der 1936 erstmals erschienene Roman verbindet die Handlung mit einer satirischen Auseinandersetzung mit wirtschaftlicher Ausbeutung, blindem Fortschrittsglauben und dem aufziehenden Faschismus. Die erste deutsche Übersetzung erschien bereits 1937; die vorliegende Ausgabe ist eine Neuübersetzung von Doris Kouba.

Der einzige Roman aus der Slowakei im September. In „Tag Nacht Wasser“ erzählt die slowakische Schriftstellerin Mária Modrovich von Silvia, einer Mutter zweier Kinder, die ihre Familie verlässt und unter einem Vorwand nach Costa Rica reist. Die Reise führt sie weg von ihrem bisherigen Alltag und konfrontiert sie mit einem Leben, das nach außen funktioniert, innerlich jedoch von Brüchen geprägt ist. Zwischen Ehe, Mutterschaft und der Frage nach der eigenen Identität verändert sich Silvias Wahrnehmung ihrer bisherigen Lebensentscheidungen. Das Wasser begleitet sie dabei als wiederkehrendes Motiv und verbindet die Erfahrungen von Auflösung und Entgrenzung. Der Roman war für die Longlist des slowakischen Literaturpreises Anasoft Litera nominiert und liegt in deutscher Übersetzung von Marie-Theres Cermann vor.

In „Jenseits von Prag“ versammelt Judith Hermann Texte von zwölf Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Deutschland und der Schweiz, die 2025 jeweils einen Monat in einer der zwölf tschechischen Regionalhauptstädte verbrachten. Von Karlsbad über Liberec und Budweis bis Ostrava erkundeten sie Städte und Landschaften abseits der touristischen Zentren und verarbeiteten ihre Eindrücke in unterschiedlichen literarischen Formen. Entstanden sind unter anderem Vampirgeschichten, Coming-of-Age-Erzählungen und autofiktionale Reiseberichte, die jeweils einen konkreten Bezug zu ihrem Aufenthaltsort haben. Mit Beiträgen von Mirko Bonné, Marion Brasch, Judith Hermann, Peggy Mädler, Clemens Meyer, Anselm Neft, Ronya Othmann, Inka Parei, Gregor Sander, Anette Selg, Anke Stelling und Peter Stamm eröffnet der Band einen literarischen Blick auf die tschechischen Regionen jenseits von Prag.

In „Bilder aus Holland“ schildert der tschechische Schriftsteller Karel Čapek seine Eindrücke von einer Reise in die Niederlande, die er 1931 anlässlich des PEN-Kongresses in Den Haag unternahm. Als Vorsitzender des tschechoslowakischen PEN-Clubs reiste er mit der Delegation seines Landes und beschrieb anschließend in Feuilletons für die Brünner Zeitung „Lidové noviny“ Landschaft, Städte und Alltag des Landes. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Windmühlen, Kanäle, Häfen, Architektur und die niederländische Malerei von Vermeer bis Rembrandt. Čapek ergänzte die Texte mit eigenen Zeichnungen und verband seine Reisebeobachtungen am Ende mit Gedanken zur europäischen Einigung. Die 2026 bei Lenos erschienene Ausgabe mit Übersetzungen von Herbert Roch und Christoph Blum wird als erste vollständige deutsche Ausgabe bezeichnet.

In „Schwarze Samstage“ erzählt der deutsche Schriftsteller Maxim Biller aus der Perspektive des Ich-Erzählers Ari von dessen jüdischer Familiengeschichte und Erfahrungen mit Antisemitismus. Ari wächst nach der Flucht seiner Familie aus der kommunistischen Tschechoslowakei zunächst in Hamburg und später in München auf. Im Mittelpunkt steht seine Auseinandersetzung mit der jüdischen Identität, der Geschichte seiner Familie und dem Verhältnis zu Israel. Ausgehend vom Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 denkt Ari über die Geschichte des Judenhasses und dessen Fortbestehen bis in die Gegenwart nach.

In „Juras letzter Winter“ erzählt der deutsche Schauspieler und Schriftsteller Edgar Selge von Jura Rjabinkin, einem 16-jährigen Jungen, der während der deutschen Blockade Leningrads im Winter 1941/42 verhungert und ein Tagebuch hinterlässt. Der Erzähler liest Juras Aufzeichnungen und beginnt, mit dem längst verstorbenen Jungen in einen gedanklichen Dialog zu treten. Dabei begegnen sich zwei Lebensgeschichten und kreisen um Jugend, Krieg, Gewalt, Literatur, Fremdheit und Nähe. Der Roman verbindet Juras Schicksal mit Selges eigener Kindheit und Auseinandersetzung mit der deutschen Kriegsgeschichte.

Der Roman „Der Lärm der Zeit“ ist 2017 erstmals auf Deutsch erschienen. Jetzt ist auch die günstigere Taschenbuchausgabe zu haben. In dem Buch erzählt der britische Schriftsteller Julian Barnes vom russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch und dessen Leben unter der Herrschaft Josef Stalins. Im Mai 1937 wartet Schostakowitsch in Leningrad Nacht für Nacht auf seine Verhaftung durch den sowjetischen Geheimdienst, nachdem Stalin seine Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ öffentlich missbilligt hat. Der Komponist entgeht schließlich der Verfolgung und versucht, seine künstlerische Arbeit unter den Bedingungen der stalinistischen Diktatur fortzusetzen. Der Roman schildert Schostakowitschs Verhältnis zur sowjetischen Macht und beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Künstler unter politischem Druck zwischen Anpassung, persönlicher Sicherheit und künstlerischer Freiheit bestehen kann.

In „Wie es hätte sein können“ erzählt die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Andrea Behnke von der Journalistin Mona, die die Flucht ihrer Großmutter aus Schlesien rekonstruieren möchte. Da sie ihre Großmutter nicht mehr befragen kann, begibt sie sich auf Spurensuche, recherchiert historische Fluchtgeschichten und untersucht Fotografien, auf denen ihre Großmutter möglicherweise zu sehen sein könnte. Aus den gefundenen Fragmenten entsteht allmählich eine Vorstellung davon, wie deren Geschichte verlaufen sein könnte. Doch eine unerwartete Entdeckung stellt Monas bisherige Rekonstruktion infrage. Der Roman verbindet die Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung aus Schlesien mit einer persönlichen Suche nach Herkunft, Erinnerung und Wahrheit.

In „Katzenberge“ erzählt die deutsche Schriftstellerin Sabrina Janesch von der jungen Journalistin Nele Leibert, die nach Niederschlesien reist, um von ihrem Großvater Abschied zu nehmen. Dort wird sie mit der Geschichte ihrer Familie und den Erinnerungen mehrerer Generationen konfrontiert. Ein dunkler Verdacht führt sie auf die Spuren ihrer Vorfahren bis nach Galizien, wo die Geschichte von Flucht und Vertreibung ihren Ausgang nahm. Zwischen Gegenwart und Vergangenheit entfaltet sich eine Familiengeschichte, in der Kriegserfahrungen, Schuld, Verlust und die Frage nach Heimat miteinander verbunden sind. Dabei verbindet der Roman die persönliche Spurensuche der Protagonistin mit der Geschichte der deutschen und osteuropäischen Grenz- und Vertreibungsräume. Der Roman erschien erstmals 2010 im Aufbau Verlag; die neue Ausgabe erscheint 2026 als günstigeres Taschenbuch bei Rowohlt Taschenbuch.

In „Das Steilufer“ erzählt der russische Schriftsteller Iwan Gontscharow von Boris Raiski, der nach einem gescheiterten Versuch als Künstler in Petersburg auf sein Landgut zurückkehrt. Dort begegnet er seiner resoluten Tante Tatjana Markowna, die den Besitz selbstbewusst führt, und seiner Cousine Vera, die ebenso eigenständig ihren eigenen Lebensweg verfolgt. Mit dem Auftreten des Nihilisten Mark Wolochow geraten die unterschiedlichen Vorstellungen von Liebe, Freiheit und gesellschaftlicher Ordnung zunehmend in Konflikt. Am Fuß des Steilufers kommt es schließlich zu einem dramatischen Ereignis, das die Lebensentwürfe der Beteiligten erschüttert. Der 1869 erschienene Roman zeichnet zugleich ein Bild der russischen Gesellschaft in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1924 von August Scholz; die nun vorliegende Ausgabe ist eine Neuübersetzung von Vera Bischitzky.

In „Das Phantom des Alexander Wolf“ erzählt der russische Schriftsteller Gaito Gasdanow von einem ehemaligen Weißgardisten, der sich an ein Erlebnis aus dem Russischen Bürgerkrieg erinnert: Er hat einen Reiter niedergeschossen und glaubt, ihn getötet zu haben. Jahre später lebt er im Pariser Exil und entdeckt den Vorfall in einem Buch wieder, dessen Autor Alexander Wolf heißt. Auf der Suche nach Wolf begegnet er der geheimnisvollen Jelena und verliebt sich in sie. Als sie ihm von ihrer früheren Beziehung zu einem Mann erzählt, der überzeugt war, dem Tod bereits einmal entkommen zu sein, verbinden sich die verschiedenen Lebensgeschichten zunehmend miteinander. Der Roman erschien im Original 1948 und erstmals 2012 auf Deutsch in der Übersetzung von Rosemarie Tietze.

Hinterlasse einen Kommentar