
Liebe Freunde Osteuropas! Der September ist vorbei. Zeit für meine monatliche Bücherschau. Wie immer im beginnenden Herbst werden es mehr Bücher und die richtigen Highlights kommen jetzt Schlag auf Schlag.

Mareike Müller, Journalistin und langjährige Osteuropa-Korrespondentin, beschäftigt sich in „Die Zukunft erfinden – mitten im Krieg“ mit der Frage, wie die Ukraine seit Beginn des russischen Großangriffs 2022 auf Innovation und Anpassungsfähigkeit setzt, um ihre staatliche und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern. Im Mittelpunkt stehen neue Entwicklungen unter anderem in der Drohnen- und Militärtechnologie, der Medizin, der Energiewirtschaft und der öffentlichen Verwaltung. Müller beschreibt, wie aus der Not heraus entstandene ukrainische Lösungen entwickelt und erprobt werden und teilweise auch international Anwendung finden. Zugleich untersucht sie, welche Bedeutung diese Innovationskraft für die weitere Entwicklung der Ukraine und für Europa haben könnte und welche Möglichkeiten sich aus einer langfristigen Zusammenarbeit und der Übernahme ukrainischer Ansätze ergeben.

Blair A. Ruble, US-amerikanischer Politikwissenschaftler und emeritierter Wissenschaftler am Woodrow Wilson Center, beschäftigt sich in „The Arts of War: Ukrainian Artists Confront Russia: Year Four“ mit der Rolle der Kunst im vierten Jahr des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Anhand von Geschichten und Beispielen ukrainischer Künstler beschreibt er, wie Kunst dazu genutzt wird, die Bedeutung von ukrainischer Geschichte, Kultur und nationaler Identität zu reflektieren und sichtbar zu machen. Zugleich zeigt Ruble, wie Künstler mit ihren Arbeiten auf die russische Invasion reagieren und damit zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Krieg sowie zur Stärkung des ukrainischen Widerstands beitragen. Das Buch setzt die drei zuvor erschienenen Bände der Reihe fort, die die künstlerische Verarbeitung des Krieges in den Jahren zuvor dokumentiert haben.

Gwendolyn Sasse, Politikwissenschaftlerin und Direktorin des Centre for East European and International Studies (ZOiS), untersucht in „Russland – Eine deutsche Erfindung“ die Entstehung und Wirkung deutscher Vorstellungen von Russland. Auf Grundlage aktueller Umfragen, Interviews und Diskussionsrunden analysiert sie, warum Russland in Teilen der deutschen Bevölkerung bis heute positiv wahrgenommen wird und weshalb russische Propaganda und Desinformation in Deutschland auf Resonanz stoßen können. Dabei betrachtet Sasse Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Russlandbildern in Ost- und Westdeutschland und zeichnet nach, wie historische Erfahrungen, politische Debatten und gesellschaftliche Vorstellungen die Wahrnehmung Russlands geprägt haben. Im Mittelpunkt steht die These, dass das deutsche Bild von „Russland“ häufig weniger die tatsächlichen Verhältnisse im Land widerspiegelt als deutsche Hoffnungen, Ängste und Erwartungen – und damit viel über die deutsche Gesellschaft selbst aussagt.

Martin Schulze Wessel, Historiker und Osteuropa-Experte, untersucht in „Warum Russland nicht aufhören wird: Sieben Thesen“ die historischen Ursachen und Kontinuitäten russischer Außen- und Expansionspolitik. Anhand von sieben historischen Thesen geht er der Frage nach, warum Russland den Krieg gegen die Ukraine trotz hoher militärischer und wirtschaftlicher Kosten fortführt und welche Faktoren über einen möglichen Waffenstillstand hinauswirken könnten. Im Mittelpunkt steht dabei die historische Entwicklung des russischen Imperialismus und die These einer imperialen Pfadabhängigkeit, durch die territoriale Expansion und die Vorstellung eines russischen Einflussbereichs langfristig geprägt worden seien. Schulze Wessel bezieht diese historische Perspektive auch auf die europäische Sicherheitspolitik und die Frage, welche Folgen ein Ende der Kampfhandlungen für Europas Umgang mit Russland und seine eigenen Sicherheitsanstrengungen haben könnte.

Wieland Giebel, Journalist, Verleger und Autor, rekonstruiert in „Die Schlacht um Kyiv: Wie es eigentlich war – Konsequenzen für Europa“ die Kämpfe um die ukrainische Hauptstadt zu Beginn des russischen Großangriffs im Februar 2022. Grundlage sind 50 Interviews mit ukrainischen Soldaten, Zivilisten, Geheimdienstmitarbeitern und weiteren Zeitzeugen, die Giebel während zwölf Reisen in die Ukraine geführt hat. Das Buch schildert die Ereignisse am Flughafen Hostomel, die Kämpfe um die Zufahrten nach Kyiv, die Sprengung des Damms von Kosarowytschi sowie die Gefechte und die Lage der Zivilbevölkerung in Irpin. Ergänzend untersucht Giebel, welche militärischen und sicherheitspolitischen Lehren sich aus dem Abwehrkampf für Europa und insbesondere für die deutsche Verteidigungsplanung ableiten lassen. Ein Anhang enthält zudem ein Interview mit dem ehemaligen ukrainischen Verteidigungsminister Oleksij Resnikow.

Evan Gershkovich, US-amerikanischer Journalist und Reporter des Wall Street Journal, erzählt in „Dieses verfluchte wunderschöne Land“ von seinen 491 Tagen in russischer Haft. Er schildert seine Festnahme 2023 wegen angeblicher Spionage, die Verhöre, Haftbedingungen und den Prozess, der mit einer 16-jährigen Haftstrafe endete. Zugleich berichtet er über seinen Alltag im Gefängnis, seine journalistischen Anfänge in Russland, seine familiären Wurzeln in der Sowjetunion und seine Kontakte zu russischen Kollegen. Das Buch gibt dabei Einblicke in das russische Justiz- und Gefängnissystem sowie in Gershkovichs persönliche Beziehung zu Russland.

Andreas Kossert, Historiker und Autor, erzählt in „Elsas Welt“ die Geschichte seiner Großmutter Elsa und ihrer Familie im polnischen Łódź. Ausgehend von den deutschen Vorfahren, die im 18. Jahrhundert in die Region kamen, zeichnet er die Entwicklung Łódźs zur bedeutenden Textilmetropole nach und schildert Elsas Leben während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende folgen Vertreibung, Lagerhaft und der Verlust ihrer Heimat. Das persönliche Familienporträt verbindet Kossert mit einem historischen Panorama Mitteleuropas und zeigt die Auswirkungen von Nationalismus, Krieg und Vertreibung auf das Leben seiner Großmutter.

Wiebke Hönicke, Offizierin der Bundeswehr, beschäftigt sich in „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“ mit der deutschen Verteidigungsfähigkeit und den sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine untersucht sie, welche militärischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen notwendig sind, um Frieden und Freiheit zu schützen. Dabei thematisiert sie die Bundeswehr, die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit sowie Fragen des Wehrdienstes und einer geschlechtergerechten Dienstpflicht. Ein direkter Osteuropabezug steht nicht im Mittelpunkt, das Buch behandelt jedoch die sicherheitspolitischen Folgen des russischen Krieges für Deutschland und Europa.

Robert Kindler, deutscher Historiker und Professor für Geschichte Osteuropas, beschreibt in „Geschichte Kasachstans: Vom Land der Nomaden zum Staat in der Steppe“ die Entwicklung Kasachstans mit Schwerpunkt auf den vergangenen 300 Jahren. Er zeichnet den Weg von der russischen Expansion in die kasachische Steppe über die Entstehung der kolonialen Herrschaft und die sowjetische Zeit bis zur Unabhängigkeit nach. Dabei beschäftigt er sich mit Widerstand, Unterwerfung und Anpassung der kasachischen Bevölkerung gegenüber den jeweiligen Herrschaftssystemen und untersucht insbesondere das Verhältnis zum russischen Imperialismus. Zugleich thematisiert er die politischen und sozialen Entwicklungen des heutigen Kasachstans.

Alexandru Bulucz, in Rumänien aufgewachsener Lyriker, Übersetzer und Literaturkritiker, versammelt in „Heimliche Verbindung zu unlauteren Zwecken“ drei Reden über Literatur, Erinnerung und die eigene Herkunft. Ausgehend von seiner Kindheit im Rumänien der 1990er-Jahre und dem Gehöft seiner Urgroßmutter Majka verbindet er persönliche Erinnerungen mit Überlegungen zum literarischen Schreiben und zur Literaturkritik. Zudem beschäftigt er sich mit dem schlesisch-jüdischen Lexikografen Heimann Hariton Tiktin, dessen Lebensgeschichte zwischen Rumänien, Schlesien und Deutschland Bezüge zu Bulucz’ eigener Biografie und Familiengeschichte herstellt.

Roland Schwarz und Iva Procházková, beide Schriftsteller, nehmen in „Prag mit anderen Worten: Unterwegs zwischen Gassen und Geschichten“ mit auf eine literarische Reise durch Prag. Sie verbinden die Stadtgeschichte der vergangenen 150 Jahre mit den Spuren von Schriftstellern und Denkern, die in Prag lebten und wirkten. Dabei führen sie durch verschiedene Straßen und Viertel und betrachten die Stadt anhand von Erinnerungen, literarischen Texten und historischen Veränderungen von der Monarchie über die totalitären Regime bis zur Demokratie. Fotografien von Christian Seeling ergänzen die literarische Spurensuche.

Ziemowit Szczerek, polnischer Schriftsteller und Journalist, beschreibt in „Lemberg: Eine Vorstellung“ die westukrainische Stadt Lwiw aus unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Perspektiven. Er betrachtet die Stadt als Ort ukrainischer, polnischer, österreichischer, jüdischer und postsowjetischer Prägungen und beschäftigt sich mit den daraus entstandenen Mythen und Widersprüchen. Dafür spricht er unter anderem mit Politikern, Künstlern, Nationalisten, älteren Bewohnern, jungen Szenegängern und Kriegsflüchtlingen und bewegt sich durch verschiedene Viertel, Friedhöfe und Randgebiete der Stadt. Bezüge zu Autoren wie Joseph Roth, Stanisław Lem und Juri Andruchowytsch ergänzen seine Beobachtungen. So verbindet Szczerek Reportage und Essay zu einem vielstimmigen Porträt des sich wandelnden Lwiw.

Wolfram Schneider-Lastin, Literaturwissenschaftler, und Hugo Ramnek, Schriftsteller, versammeln in „Am Bahnsteig“ literarische Geschichten über Ankunft, Abschied, Begegnungen und Neuanfänge an Bahnhöfen. Die Beiträge spielen an sehr unterschiedlichen Orten weltweit und reichen von persönlichen Erlebnissen bis zu Geschichten über Flucht, Migration und Aufbruch. Auch Osteuropa und der weitere östliche Teil Europas sind vertreten, unter anderem mit Kapiteln über Brest, Kasan und Moskau sowie Sarajevo. Hinzu kommen einzelne Bezüge zu Wien und weiteren mitteleuropäischen Orten. Der Osteuropabezug ist damit **mehrfach vorhanden, nimmt aber nur einen Teil des insgesamt international angelegten Buches ein**; im Mittelpunkt stehen nicht Osteuropa oder seine Geschichte, sondern der Bahnhof als Schauplatz menschlicher Geschichten.

Luke Harding, britischer Journalist und langjähriger Auslandskorrespondent des Guardian, beschreibt in „Betrayal: Trump, Putin and the New Age of Conquest“ den Wandel der internationalen Ordnung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht die Erosion des Grundsatzes, dass Grenzen nicht gewaltsam verändert werden sollen. Harding betrachtet dabei insbesondere Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Politik Wladimir Putins, aber auch Donald Trumps außenpolitische Vorstellungen und dessen Äußerungen zu einer möglichen Übernahme Grönlands. Darüber hinaus behandelt er Chinas Anspruch auf Taiwan, die Lage auf der koreanischen Halbinsel sowie Verbindungen zwischen russischen Akteuren und dem britischen Politiker Nigel Farage beziehungsweise dessen Reform Party. Für das Buch recherchiert Harding unter anderem in der Ukraine und Grönland und führt Gespräche mit Wolodymyr Selenskyj.

Václav Havel, tschechischer Dramatiker, Schriftsteller und Dissident und später Präsident der Tschechoslowakei beziehungsweise Tschechiens, schildert in „Ich habe es irgendwo versteckt“: Notizen zum „Charta-Jahr“ 1977 die ersten Monate der Charta 77. Er beschreibt die Verfolgung der Unterzeichner durch die Staatssicherheit, Verhöre, Verhaftungen und seine Erfahrungen als politischer Gefangener. Dabei setzt er sich auch selbstkritisch mit seinem eigenen Verhalten und den psychologischen Mechanismen im Umgang mit einem autoritären Staat auseinander. Zugleich zeichnet Havel ein Bild der tschechoslowakischen Gesellschaft der 1970er-Jahre und der Konflikte innerhalb der oppositionellen Bewegung. Das 1977 verfasste, später verschollene und erst im Nachlass seines Freundes Zdeněk Urbánek wiederentdeckte Manuskript wurde 2021 erstmals auf Tschechisch veröffentlicht und liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor.

Józef Czapski, polnischer Maler, Schriftsteller und Offizier, schildert in „Bilder und Gespenster: Essays aus dem letzten europäischen Jahrhundert“ seine Erfahrungen und Beobachtungen aus dem 20. Jahrhundert. Als Angehöriger des polnischen Adels erlebte er die Russische Revolution, diente im Zweiten Weltkrieg in der polnischen Armee, überlebte sowjetische Gefangenschaft und gehörte nach dem Krieg zu den Mitbegründern der polnischen Exilzeitschrift Kultura in Paris. Die erstmals auf Deutsch versammelten Essays und Erinnerungen handeln von Krieg, Exil, Kunst, Reisen und Begegnungen und verbinden persönliche Erlebnisse mit Beobachtungen zur europäischen Geschichte und Kultur des 20. Jahrhunderts.

Inna Hartwich, in der Sowjetunion geborene Journalistin und ehemalige Moskau-Korrespondentin, erzählt in „Friedas Enkel: Meine Familie und das Erbe der Gewalt in Russland“ die Geschichte ihrer deutsch-russischen Familie anhand ihrer Großmutter Frieda. Diese erlebte im Zweiten Weltkrieg sowohl die nationalsozialistische als auch die sowjetische Diktatur und entwickelte als Reaktion auf Hunger, Deportation und Gewalt eine Haltung des Schweigens und Erduldens. Hartwich untersucht, wie solche Erfahrungen über Generationen weitergegeben werden und welche Spuren sie in der russischen Gesellschaft hinterlassen haben. Dafür reist sie durch Russland und spricht mit Menschen mit unterschiedlichen Haltungen zu Vergangenheit und Gegenwart. Das Hardcover erschien bereits im Oktober 2023; nun wird das Buch erstmals als Taschenbuch veröffentlicht.

Lenka Reinerová, tschechisch-deutsche Schriftstellerin und Journalistin, erinnert sich in „Die Premiere: Erinnerungen an einen denkwürdigen Theaterabend“ an ihre Jugend im Prag der 1930er-Jahre und an die politischen und kulturellen Umbrüche ihres Lebens. Als junge Frau arbeitet sie zunächst als Schreibkraft, engagiert sich in einer Theatergruppe und erhält von Erich Kästner die Erlaubnis, dessen „Pünktchen und Anton“ aufzuführen. Sie erzählt zudem von ihrer Beziehung zum Schauspieler Wolfgang Langhoff, ihrer Haft im französischen Exil und den politischen Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs. Die Erinnerungen führen schließlich zu einem Theaterabend mit Jean-Paul Sartre, während dessen Verlauf die Nachricht von der Ermordung John F. Kennedys die Anwesenden erreicht.

Wolfram Klein, Historiker und Autor, beschäftigt sich in „1917 – Die Russische Revolution: Eine Einführung“ mit den Ursachen, dem Verlauf und den Folgen der Russischen Revolution. Er beschreibt die Machtübernahme der Bolschewiki vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, des anschließenden Bürgerkriegs, ausländischer Interventionen, Hungersnöte und der sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Rätedemokratie und der Frage, wie sich aus der Revolution schließlich eine bürokratische Diktatur unter Stalin entwickeln konnte. Zugleich setzt sich Klein mit der Frage auseinander, welche Lehren sich daraus für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft ziehen lassen.

Der britische Journalist und ehemalige BBC-Moskau- und Washington-Korrespondent Martin Sixsmith und Daniel Sixsmith untersuchen in „Despots“ die politischen Entwicklungen unter Donald Trump und Wladimir Putin. Im Mittelpunkt stehen die Parallelen zwischen dem Abbau demokratischer und rechtsstaatlicher Institutionen in Russland seit Putins Amtsantritt und den Veränderungen in den USA unter Trump. Das Buch behandelt unter anderem den Umgang mit Verfassung und Justiz, Medien und Meinungsfreiheit, Protesten, Universitäten und dem politischen Einfluss wohlhabender Unterstützer sowie die Veränderungen der amerikanischen Außenpolitik. Dabei stellt Sixsmith die Entwicklung in den USA den Erfahrungen Russlands in den ersten Jahren unter Putin gegenüber.

Der US-amerikanische Investigativjournalist David Corn untersucht in „How Russia Won“ die russischen Einflussoperationen gegen die USA und deren Verbindung zur politischen Karriere Donald Trumps. Er beschreibt Aktivitäten russischer Geheimdienste und des Kremls seit 2016, darunter die Verbreitung von Desinformation und der Versuch, politische Konflikte in den USA zu verschärfen. Das Buch behandelt außerdem Kontakte zwischen Personen aus Trumps Umfeld und russischen Akteuren, die Untersuchungen des US-Kongresses zur Russland-Affäre sowie den Umgang Trumps und seiner politischen Unterstützer mit den Vorwürfen einer russischen Einflussnahme. Corn zeichnet dabei die Entwicklung der russisch-amerikanischen Auseinandersetzung von den Präsidentschaftswahlen 2016 bis zu den Kampagnen 2020 und 2024 nach.

Die deutsche Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Renate Lachmann untersucht in „Denkmalstürze und Bilderstürme“ die Geschichte von Ikonoklasmen und Erinnerungskonflikten, von den religiösen Bilderverboten der Antike über den byzantinischen Bilderstreit, die Reformation und die Französische Revolution bis in die Gegenwart. Für Osteuropa besonders relevant sind die Kapitel zur Oktoberrevolution und zur Zerstörung zaristischer und orthodoxer Monumente in Russland sowie zu den Denkmalstürzen nach dem Ende der Sowjetunion. Den Schwerpunkt des Schlusskapitels bilden die Entwicklungen in der Ukraine seit dem russischen Großangriff 2022, wo die Entfernung von Denkmälern und anderen Zeugnissen zaristischer und sowjetischer Herrschaft als Ausdruck der eigenen nationalen Identität beschrieben wird.

„Entrapment: Ukraine’s House of Writers, the 1920s–1930s“ von Olga Bertelsen, Historikerin und Wissenschaftlerin, beschäftigt sich mit dem sogenannten Haus der Schriftsteller (Budynok Slovo) im ukrainischen Charkiw. Das in den 1920er-Jahren als Wohnhaus für ukrainische Schriftsteller und Intellektuelle errichtete Gebäude entwickelte sich in den 1930er-Jahren zu einem Ort staatlicher Überwachung und Repression. Bertelsen untersucht die Verfolgung der Bewohner durch die sowjetischen Sicherheitsorgane, darunter Verhaftungen und Verhöre, sowie deren Verhalten unter dem Druck des Terrors. Etwa 90 Prozent der Bewohner des Hauses wurden in den 1930er-Jahren Opfer von Repressionen. Im Mittelpunkt stehen die Mechanismen des Terrors und seine Auswirkungen auf die ukrainische Intellektuellenszene.

„Die Preußische Ostbahn: Grenzüberschreitung, Migration und Nationalismen in Europa 1830–1939“ vom Historiker Jan Musekamp beschäftigt sich mit der Geschichte der Preußischen Ostbahn und ihrer Bedeutung für die Verbindungen zwischen Berlin, Königsberg und dem östlichen Europa. Das Buch verfolgt, wie die Eisenbahn Reisen, Migration und den Austausch von Menschen, Waren und Ideen ermöglichte. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Migranten aus Osteuropa auf dem Weg zu den Häfen, grenzüberschreitende Netzwerke, Schmuggel und die polnische Nationalbewegung. Zugleich untersucht Musekamp die Rolle der Eisenbahn bei der militärischen Kontrolle, der preußischen Germanisierungspolitik und der Entstehung neuer Grenz- und Nationalstaaten zwischen 1830 und 1939.

„Der letzte Akt. Rasputin und das Ende des Russischen Reiches“ von Antony Beevor, britischer Historiker und Schriftsteller, beschäftigt sich mit Grigori Rasputin und den letzten Jahren des Russischen Zarenreichs. Auf Grundlage von Quellen aus verschiedenen Archiven untersucht Beevor Rasputins Einfluss auf Zar Nikolaus II. und Zarin Alexandra sowie die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die zum Ende der Romanow-Dynastie und zur Russischen Revolution führten. Dabei geht es auch um Gerüchte, Desinformation und Verschwörungsmythen, die am Zarenhof und in der russischen Gesellschaft kursierten und zur Destabilisierung des politischen Systems beitrugen.

„Red Mecca: The Life and Afterlives of the Arab-Soviet Romance“ von Margaret Litvin, Literaturwissenschaftlerin und Professorin für Arabische und Vergleichende Literaturwissenschaft, untersucht die Beziehungen zwischen der arabischen Welt und der Sowjetunion während und nach dem Kalten Krieg. Im Mittelpunkt stehen arabische Studierende, die in der Sowjetunion, insbesondere in Russland und der Ukraine, studierten, sowie die Erfahrungen und Vorstellungen, die daraus entstanden. Litvin wertet unter anderem Romane, Briefe, Interviews und sowjetische Dokumente aus und untersucht, wie arabische Intellektuelle ihre Zeit in der Sowjetunion literarisch verarbeiteten. Dabei verfolgt sie auch, wie diese Erfahrungen nach 1991 von arabischen Schriftstellern aufgegriffen wurden, etwa in Auseinandersetzungen mit Minderheitenerfahrungen, Geschlechterrollen, Diktatur, Dschihad und Krieg.

„The Blood-Dimmed Tide: Central Europe’s Long Great War, 1905–1921“ von Historiker Jesse Kauffman untersucht den Ersten Weltkrieg und die anschließenden Konflikte in Mittel- und Osteuropa. Kauffman betrachtet den Zeitraum von der Russischen Revolution 1905 bis zum Frieden von Riga 1921 als zusammenhängende Konfliktphase. Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe an der Ostfront, der Zerfall des Deutschen, Österreichisch-Ungarischen und Russischen Reiches sowie die darauf folgenden Bürger-, Revolutions- und zwischenstaatlichen Kriege. Das Buch untersucht außerdem, wie aus den zerfallenden Imperien neue Nationalstaaten entstanden und welche Rolle die Kriegsparteien bei der Förderung nationalistischer Bewegungen spielten. Dabei verfolgt Kauffman die Auswirkungen dieser Entwicklungen bis zum heutigen Krieg in der Ukraine.

„The Future of the Nuclear Order: Arms Control, Nonproliferation, and the Russian Invasion of Ukraine“ von Joseph F. Pilat und Nathan E. Busch, Politikwissenschaftler und Experten für nukleare Sicherheit, beschäftigt sich mit der internationalen Rüstungskontrolle und der Nichtverbreitung von Atomwaffen. Die Autoren zeichnen zunächst die Entwicklung internationaler Abkommen zur Begrenzung von Atomwaffen nach und untersuchen anschließend die Auswirkungen des russischen Überfalls auf die Ukraine auf diese internationale Ordnung. Dabei geht es um die Folgen für bestehende US-russische Rüstungskontrollverträge, die Verbreitung von Atomwaffen und die langfristigen Herausforderungen für das internationale System. Zudem betrachten sie alternative, informelle Ansätze zur Begrenzung nuklearer Risiken.

„Legacies of War“ von Kathrin Bachleitner, Politikwissenschaftlerin und Forscherin im Bereich internationale Beziehungen, untersucht, wie Kriege Gesellschaften langfristig prägen. Im Mittelpunkt stehen drei von Krieg und Konflikten betroffene Bevölkerungen: Ukrainer, Syrer und Palästinenser. Anhand von Umfragedaten untersucht Bachleitner, wie Menschen über Kriegserlebnisse und die beteiligten Akteure erzählen, wie stark ihre nationale Verbundenheit ausgeprägt ist und welche Vorstellungen sie von einer friedlichen Zukunft entwickeln. Dabei betrachtet sie, wie die Verarbeitung von Kriegserfahrungen, kollektive Gefühle und Zukunftsvorstellungen langfristige gesellschaftliche und politische Vorstellungen beeinflussen.

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