Liebe Freunde Osteuropas! Der April ist vorbei. Zeit wieder zusammenzufassen, was im vergangenen Monat so Neues aus und über Osteuropa erschienen ist.

Das Schicksal der Deutschen Savita Wagner ist vielen von uns bekannt. Als Combat Medic ist sie zu Beginn der russischen Großinvasion in die Ukraine, um zu helfen. Und bezahlte ihren Mut mit dem Leben. Ihre Mutter Ursula Wagner und Karl Stenerud haben nun „Eine Deutsche im Ukraine-Krieg: Das Fronttagebuch der Savita Diana Wagner“ herausgegeben. In dem Buch sind die Aufzeichnungen von Savita versammelt. Über fast zwei Jahre hinweg dokumentiert sie ihren Einsatz an der Front, unter anderem in Butscha und Charkiw, und schildert Erfahrungen wie Beschuss, Verwundetenversorgung und den Alltag im Krieg. Savita Diana Wagner wird am 31. Januar 2024 bei einem Rettungseinsatz tödlich verletzt; ihre letzten Einträge machen das Buch zu einem posthumen Dokument.

In „Wie stark ist Russland wirklich?: Die Wahrheit über Putins Militärmacht“ analysiert Matthias Uhl die tatsächliche Stärke der russischen Streitkräfte seit dem Angriff auf die Ukraine. Auf Grundlage von Forschung und russischen Quellen beleuchtet er sowohl militärische Fähigkeiten als auch strukturelle Schwächen und ordnet diese historisch ein. Dabei gibt er auch einen Überblick über die Militärwirtschaft der Sowjetunion und zeigt Kontinuitäten und Brüche zur heutigen russischen Rüstungsindustrie auf. Uhl macht deutlich, dass das Bild einer übermächtigen Militärmaschine oft überzeichnet ist und durch Propaganda sowie Fehlwahrnehmungen geprägt wird. Das Buch plädiert für eine nüchterne, realistische Einschätzung der russischen Militärmacht.

Nach rund zwei Jahren ist jetzt die günstigere Taschenbuch-Ausgabe von „The Language of War“ von Oleksandr Mykhed erschienen. Das Buch versammelt persönliche Tagebuchaufzeichnungen des Autors aus den ersten Tagen des russischen Angriffs auf die Ukraine sowie Berichte von Familie, Freunden und Augenzeugen. Ausgehend vom Alltag eines Schriftstellers, der abrupt durch den Krieg zerstört wird, schildert das Buch die unmittelbaren Erfahrungen von Gewalt, Flucht und existenzieller Bedrohung. Dabei verbindet Mykhed individuelle Erlebnisse mit weiteren Stimmen zu einem vielschichtigen Bild des Krieges und reflektiert zugleich, wie sich Sprache verändert, wenn sie versucht, eine solche Realität zu erfassen.

In „Half Life Chernobyl“ dokumentiert Volker Kreidler in fotografischen Arbeiten die langfristigen Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Ausgangspunkt ist ein Auftrag aus dem Jahr 1995, der durch spätere Reisen und neue Aufnahmen bis in die Gegenwart fortgeführt wird. Das Buch verbindet unterschiedliche Zeiträume und zeigt den Wandel der Ukraine von der postsowjetischen Phase bis zum heutigen Verteidigungskrieg gegen Russland. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen der Katastrophe auf Menschen, Orte und Natur sowie die Resilienz der Bevölkerung unter den Bedingungen des aktuellen Krieges.

In „Krieg zu Hause: Über Stadtkampf und Alltag im Ausnahmezustand“ verbindet Julian Werner persönliche Erfahrungen als Fallschirmjägeroffizier mit wissenschaftlichen Analysen moderner Kriegsführung. Ausgehend vom russischen Angriff auf die Ukraine beleuchtet er, wie sich Krieg zunehmend in städtische Räume verlagert und den Alltag von Zivilisten prägt. Das Buch erklärt zentrale Mechanismen des Stadtkampfs und zeigt, welche Auswirkungen dieser auf Soldaten und Bevölkerung hat. Dabei verbindet Werner sachliche Einordnung mit der Darstellung der emotionalen und gesellschaftlichen Folgen von Krieg im unmittelbaren Lebensumfeld.

„Sidetracked: Exile in Hollywood“ ist die erste englische Übersetzung von Alexander Voloshins parodistisches Epos über das Leben russischer Emigranten nach der Revolution von 1917. Im Zentrum steht die Flucht von Millionen Menschen aus dem zerfallenden Russischen Reich und ihr schwieriger Neuanfang im Exil. Voloshin, selbst ehemaliger Offizier der Weißen Armee, verbindet in seinem Werk persönliche Erfahrungen mit einer literarischen Darstellung der Emigration über Europa und New York bis nach Los Angeles. Besonders die Episoden aus Hollywood, wo er selbst als Statist arbeitete, zeichnen ein lebendiges Bild des Exillebens im „Goldenen Zeitalter“ der Filmstadt aus einer ungewöhnlichen Perspektive.

In „Annihilation by Intent: Russia’s Occupation Policy in Ukraine Since 2022“ analysiert Andreas Heinemann-Grüder die russische Besatzungspolitik in den seit 2022 okkupierten Gebieten der Ukraine. Im Zentrum steht die Frage, wie das Besatzungsregime organisiert ist und welche Alltagsrealitäten sich daraus für die betroffene Bevölkerung ergeben. Das Buch beschreibt Formen von Kontrolle, Repression und Umgestaltung gesellschaftlicher Strukturen ebenso wie Praktiken von Gewalt, Enteignung und erzwungener Anpassung. Dabei wird untersucht, wie sich das Leben unter Besatzung verändert und welche Strategien des Überlebens sich entwickeln, während gleichzeitig die soziale und kulturelle Ordnung der ukrainischen Gesellschaft systematisch unter Druck gerät.

In „Remembering the War, Forgetting the Terror“ untersucht Ekaterina V. Haskins die russische Erinnerungskultur im Spannungsfeld zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der stalinistischen Repression. Im Mittelpunkt steht die These, dass staatliche Propaganda den Mythos des „Großen Vaterländischen Krieges“ nutzt, während die Erinnerung an sowjetischen Terror zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird. Das Buch zeigt, wie familiäre Erinnerungspraktiken, öffentliche Rituale und kulturelle Medien zur Stabilisierung dieses selektiven Geschichtsbildes beitragen. Zugleich wird analysiert, warum viele Menschen in Russland die Kriegsbeteiligung ihrer Familien betonen, während Erfahrungen politischer Verfolgung häufig ausgeblendet bleiben.

In „Stalin’s Apostles: The Cambridge Five and the Making of the Soviet Empire“ rekonstruiert Antonia Senior die Geschichte der sogenannten Cambridge Five, einer Gruppe britischer Spione, die im 20. Jahrhundert für die Sowjetunion tätig waren. Auf Grundlage neu freigegebener Akten zeichnet sie nach, wie Donald Maclean, Guy Burgess, Kim Philby, John Cairncross und Anthony Blunt während ihrer Zeit in Cambridge radikalisiert wurden und später westliche Geheimdienstinformationen an Stalin weitergaben. Das Buch beschreibt die weitreichenden Folgen ihrer Spionagetätigkeit für die internationale Politik im Kalten Krieg und beleuchtet zugleich Versäumnisse und Vertuschungen innerhalb der britischen Eliten. Darüber hinaus stellt Senior einen Bezug zur Gegenwart her, indem sie die langfristigen politischen und ideologischen Kontinuitäten bis in die heutige russische Machtpolitik diskutiert.

Mit „Europas kranker Riese: Russlands Weg in die Diktatur“ zeichnet Franz Smets ein eindringliches Bild der Umbruchsjahre zwischen 1988 und 1995. Als Journalist erlebt er den Zerfall der Sowjetunion unmittelbar vor Ort – zwischen politischen Machtkämpfen, wirtschaftlichem Zusammenbruch und dem Alltag der Menschen in Moskau und anderen Teilen des Landes. Das Buch verbindet persönliche Erlebnisse mit journalistischer Beobachtung und schildert eine Zeit zwischen Aufbruch und Desillusionierung. Smets beschreibt nicht nur den Untergang der Sowjetunion, sondern auch Entwicklungen, die den Weg für das heutige autoritäre Russland bereiteten. Seine Erfahrungen als dpa-Korrespondent verleihen dem Bericht Authentizität und Nähe. Erschienen ist das Buch im Rediroma-Verlag, einem Dienstleistungs- beziehungsweise Zuschussverlag.

Gleich zwei Bücher zur Sprengung der Nord-Stream-Pipeline sind im April erschienen. Einmal „Die Sprengung“ von Oliver Schröm und Ulrich Thiele. Darin untersuchen sie den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines und die politischen Verwerfungen, die er ausgelöst hat. Auf Grundlage zahlreicher Gespräche mit Ermittlern, Geheimdienstmitarbeitern und politischen Entscheidungsträgern rekonstruieren die Autoren die Ereignisse rund um die Segeljacht „Andromeda“, die mutmaßlichen Täter sowie die internationalen Ermittlungen. Dabei rückt das Buch insbesondere die deutsche Ukraine-Politik unter Olaf Scholz in den Mittelpunkt und fragt nach den politischen Interessen, Verzögerungen und Konflikten innerhalb der Bundesregierung.

Und der Journalist Bojan Pancevski hat sein Buch „Die Nord-Stream-Sprengung“ vorgelegt.  Darin rekonstruiert er die Hintergründe der Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines und ordnet sie in den geopolitischen Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ein. Basierend auf jahrelangen Recherchen und Gesprächen mit Geheimdienstvertretern, Ermittlern, Politikern und Beteiligten zeichnet das Buch die Planung, Durchführung und Aufklärung der Sabotage nach. Pancevski beschreibt dabei nicht nur die technische und operative Seite der Anschläge, sondern auch deren politische Folgen für Europa, insbesondere für Deutschlands Energiepolitik und sicherheitspolitische Position.

„Kaltes Krematorium“ von József Debreczeni ist jetzt als Taschenbuch zu haben. Das Buch ist ein autobiografischer Bericht über seine Zeit in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern während des Holocaust. Der ungarische Journalist beschreibt seine Erlebnisse unmittelbar nach dem Krieg in einer nüchternen, präzisen Sprache, die die Gewalt und Entmenschlichung der Lagerwelt sichtbar macht. Im Zentrum steht seine Erfahrung in der Krankenbaracke des Lagers Dörnhau, dem sogenannten „Kalten Krematorium“. Das Werk gilt als bedeutendes Zeugnis der Holocaustliteratur und wurde nach Jahrzehnten wiederentdeckt und neu übersetzt.

„Der Teufelspakt“ von Sebastian Haffner ist ein historischer Essay über die deutsch-russischen Beziehungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Bau der Berliner Mauer. Haffner beschreibt dabei ein wechselhaftes Verhältnis zwischen Kooperation und Konfrontation, das seiner Darstellung nach oft von kurzfristigen Interessen und politischen Opportunitäten geprägt war. Der Text reicht von der deutschen Unterstützung der bolschewistischen Revolution bis in die Zeit des Kalten Krieges. Karl Schlögel ordnet im Nachwort die historischen Thesen neu ein und betont ihre anhaltende Aktualität im Licht heutiger geopolitischer Spannungen.

„Freiheit unter Feuer“ von Konstantin Flemig ist ein reportageartiges Buch über das Leben junger Menschen in Kriegs- und Krisengebieten. Der Kriegsreporter beschreibt seine Erfahrungen aus Regionen wie der Ukraine und Afghanistan und verbindet Beobachtungen von der Front mit persönlichen Begegnungen. Im Fokus stehen Alltagsrealitäten im Ausnahmezustand – zwischen Gewalt, Unsicherheit und dem Versuch, Zukunftsperspektiven zu bewahren. Flemig schildert die Eindrücke nah an den Menschen und zeigt, wie Krieg Lebenswege prägt und zugleich universelle Hoffnungen und Probleme sichtbar werden.

„The Criminal State“ von Lawrence Douglas ist eine historische und rechtswissenschaftliche Analyse darüber, wie die internationale Gemeinschaft versucht hat, staatliche Gewaltverbrechen juristisch zu ahnden. Ausgangspunkt sind frühe Kolonialverbrechen bis hin zu aktuellen Konflikten wie dem Krieg gegen die Ukraine. Im Zentrum steht die Entwicklung des Völkerrechts, insbesondere die Bedeutung der Nürnberger Prozesse für die Idee individueller und staatlicher Verantwortung. Douglas zeigt, wie sich der Fokus des internationalen Strafrechts von Aggressionsverbrechen hin zu Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verschoben hat – und welche offenen Fragen dabei bis heute bestehen.

Mit „Der kommende Sturm“ untersucht der Historiker Odd Arne Westad die zunehmenden Spannungen in der internationalen Politik und fragt, ob die Welt auf einen neuen globalen Krieg zusteuert. Ausgehend von historischen Parallelen zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg analysiert Westad die gegenwärtige multipolare Weltordnung, den Wettbewerb der Großmächte sowie den Einfluss von Nationalismus, Handelskonflikten und geopolitischen Rivalitäten. Dabei argumentiert er, dass traditionelle Konzepte der Diplomatie und internationalen Zusammenarbeit an ihre Grenzen stoßen. Das Buch verbindet historische Analyse mit geopolitischer Gegenwartsdiagnose und plädiert für neue Ansätze in Abschreckung, Diplomatie und internationaler Verständigung, um eine Eskalation globaler Konflikte zu verhindern.

„Die Honige des Balkans“ von Johannes Gruber ist ein Reise- und Sachbuch über Imkerei und Honigkultur in Südosteuropa. Der Autor besucht Imkerinnen und Imker in verschiedenen Balkanländern – von Albanien bis Serbien – und verbindet dabei persönliche Porträts mit Einblicken in regionale Honigsorten, Bienenarten und traditionelle wie moderne Imkereipraxis. Ergänzt wird das Buch durch Hintergrundwissen zur Honigflora der Region sowie ein kleines Lexikon zentraler Begriffe und Sorten. Im Mittelpunkt steht weniger die technische Imkerei als vielmehr die kulturelle Vielfalt rund um Bienen und Honig auf dem Balkan.

„Über der Tatra blitzt es“ von Martina Winkler analysiert die politische Entwicklung der Slowakei seit dem erneuten Regierungsantritt von Robert Fico. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich demokratische Strukturen unter Druck verändern und welche Tendenzen zur Autokratisierung sichtbar werden. Das Buch verbindet aktuelle politische Beobachtungen mit historischen Kontexten seit der Zeit vor 1989 und der postsowjetischen Transformation. Es ordnet die slowakische Innenpolitik zudem in die größeren Rahmen von EU, NATO und den Beziehungen zu Russland ein und beschreibt Konflikte sowie Akteure der gegenwärtigen politischen Entwicklung.

„Die Geschichte in mir“ von Rüdiger von Fritsch ist eine familiäre Zeit- und Erinnerungsgeschichte, die das 20. Jahrhundert durch die Biografie seiner Familie nachzeichnet. Der Autor, ehemaliger Diplomat mit Stationen u. a. in Warschau und Moskau, verbindet persönliche Familienerzählung mit historischen Ereignissen von der Zeit des Zarenreichs über den Nationalsozialismus bis in die deutsche Nachkriegs- und Gegenwartsgeschichte. Im Zentrum stehen Fragen nach Schuld, Verstrickung, Verlust und politischer Prägung innerhalb einer deutschen Familie. Das Buch verknüpft private Erinnerung mit großen historischen Umbrüchen Europas.

„Security Through Cooperation“ von Rose Gottemoeller ist eine Analyse der US-russischen Beziehungen nach dem Ende des Kalten Krieges mit besonderem Fokus auf Sicherheitsfragen im Bereich Nuklearwaffen und Weltraumtechnologie. Die Autorin, selbst frühere hochrangige US-Diplomatin, zeichnet nach, wie beide Staaten in den 1990er- und 2000er-Jahren trotz politischer Spannungen in bestimmten Bereichen eng zusammenarbeiteten. Im Zentrum steht ihre Gegenposition zur russischen Deutung, die USA hätten Russland strategisch schwächen wollen. Stattdessen betont sie Phasen pragmatischer Kooperation unter Bush senior, Clinton und Bush junior sowie unter Putin und Jelzin. Das Buch diskutiert zugleich, unter welchen Bedingungen eine künftige sicherheitspolitische Zusammenarbeit nach dem Krieg gegen die Ukraine wieder möglich sein könnte.

„Tradecraft, Tactics, and Dirty Tricks“ von Sean Michael Wiswesser ist eine populärwissenschaftlich-informative Darstellung der russischen Nachrichtendienste und ihrer Arbeitsweisen im globalen Kontext. Der Autor, selbst ehemaliger CIA-Operationsoffizier, beschreibt Aufbau und Methoden von SVR, GRU und FSB und erläutert zentrale Elemente russischer Geheimdienstpraxis wie Desinformation, Infiltration und sogenannte „aktive Maßnahmen“. Im Fokus stehen historische Beispiele ebenso wie aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine. Das Buch versteht sich zugleich als Analyse und Handbuch zum Verständnis moderner Spionage und sicherheitsrelevanter Strategien im Konflikt zwischen Russland und dem Westen.

„Der schmale Grat“ von Rolf Nikel ist ein diplomatiepolitisches Sachbuch über internationale Politik in einer Phase globaler Umbrüche. Der ehemalige deutsche Diplomat reflektiert darin über seine Erfahrungen in der Russland- und Sicherheitspolitik und ordnet aktuelle Konflikte – insbesondere den Krieg gegen die Ukraine, die Rivalität mit China und Veränderungen in der US-Politik – in größere geopolitische Zusammenhänge ein. Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle klassische Diplomatie in einer zunehmend instabilen internationalen Ordnung noch spielen kann und wie Europa darauf reagieren sollte.

„Making Migrants“ von Malika Bahovadinova ist eine ethnografische Studie über Migrationsverwaltung in Tadschikistan und die bürokratischen Prozesse, die Arbeitsmigration nach Russland strukturieren. Im Zentrum steht die These, dass staatliche Institutionen nicht nur Migration regulieren, sondern durch ihre Praxis selbst die Kategorie „Migrant“ als soziale und rechtliche Konstruktion erzeugen. Die Autorin analysiert dabei die alltägliche Arbeit von Verwaltungsbehörden und zeigt, wie diese in einem von Ungleichheit geprägten postsowjetischen Raum agieren. Ein besonderer Fokus liegt auf den asymmetrischen Beziehungen zwischen Tadschikistan, Russland und internationalen Akteuren sowie auf den postkolonialen Kontinuitäten sowjetischer Herrschafts- und Verwaltungsmuster.

„The Khan and the Unicorn“ von Matthew W. Mosca untersucht, wie das Mongolische Reich in der frühen modernen Geschichtsschreibung zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert neu interpretiert wurde. Im Fokus steht nicht die Eroberungsgeschichte selbst, sondern die Rekonstruktion dieser Vergangenheit durch Gelehrte in China, Europa und anderen Regionen anhand neu zugänglicher Quellen. Besonders die Qing-Dynastie spielte dabei eine zentrale Rolle als Vermittlerin zwischen verschiedenen Sprachen und Wissensräumen. Das Buch zeigt so, wie sich ein globales Geschichtsbild des Mongolenreichs herausbildete.

„Friedlos“ von Eckart Conze ist eine große historische Gesamtdarstellung der deutschen Geschichte von 1648 bis heute mit besonderem Blick auf Krieg, Frieden und Machtpolitik. Für einen osteuropäischen Kontext relevant ist vor allem die konsequent mitgedachte Lage Deutschlands als Staat im Zentrum Europas – also genau zwischen West- und Osteuropa, wo sich viele Konfliktlinien der Neuzeit verdichten. Conze fragt danach, wie deutsche Außen- und Sicherheitspolitik historisch immer wieder mit Entwicklungen in Ostmitteleuropa, Russland und den jeweiligen Machtverschiebungen in Europa verflochten war. Dabei verbindet er langfristige historische Perspektiven mit aktuellen Debatten über Deutschlands Rolle nach dem Kalten Krieg und im Kontext der „Zeitenwende“.

„Der »mächtigste Nachbar im Osten«“ ist ein Sammelband der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung über Helmut Kohls Verhältnis zur Sowjetunion und zum postsowjetischen Russland zwischen den 1980er- und 1990er-Jahren. Die Beiträge stützen sich auf neu zugängliches Archivmaterial und beleuchten Kohls Rolle in der Endphase des Kalten Krieges sowie bei der politischen Neuordnung Europas nach 1991. Im Fokus stehen seine Kontakte zu Gorbatschow und Jelzin, die deutsch-russischen Beziehungen sowie Kohls Wahrnehmung der Sowjetunion und Russlands als zentralem Akteur der europäischen Sicherheitspolitik.

2025 als Hardcover und jetzt als Taschenbuch ist „Poet in the New World“ erschienen. Das Buch versammelt Gedichte von Czesław Miłosz aus den Jahren 1946 bis 1953, einer Phase zwischen Europa und den USA. Der polnische Nobelpreisträger verarbeitet darin Erfahrungen von Krieg, Exil und ideologischen Umbrüchen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Texte entstanden während seiner Tätigkeit als Diplomat in Washington sowie in seinen Übergangsjahren zwischen Polen, Europa und den Vereinigten Staaten. Im Zentrum stehen Fragen nach Erinnerung, Gewalt und der Rolle der Sprache in einer von Krieg geprägten Nachkriegswelt, insbesondere mit Blick auf Polen und die osteuropäische Erfahrung des 20. Jahrhunderts.

„On the Run in Occupied Poland“ ist eine autobiografisch geprägte Sammlung von Erinnerungen an eine Kindheit im besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs. Die Autorin Grazyna Gross beschreibt aus der Perspektive eines Kindes die Flucht aus dem sowjetisch und später deutsch besetzten Osteuropa sowie das Leben als Flüchtling in einer von Krieg und Besatzung geprägten Welt. Im Zentrum stehen die Erfahrungen einer polnisch-katholischen Familie zwischen sowjetischer Besatzung, deutscher Okkupation und den langfristigen Folgen der Teilung Polens im 20. Jahrhundert. Das Buch verbindet persönliche Erinnerungen mit historischen Einordnungen und dokumentiert die Auswirkungen des Krieges auf nicht-jüdische polnische Zivilisten im besetzten Ostmitteleuropa.

„Soviet Scientific Institutes“ ist ein fotografisch geprägter Band über wissenschaftliche Großforschungsanlagen im postsowjetischen Raum. Der Fotograf Eric Lusito dokumentiert ehemalige sowjetische Forschungsinstitute, die teils hochmoderne, teils verfallene Infrastrukturen zeigen – Relikte eines Systems, das Wissenschaft stark mit militärischer und technologischer Großforschung verband. Im Fokus stehen Einrichtungen in verschiedenen ehemaligen Sowjetrepubliken, darunter auch in der Ukraine und im Kaukasusraum. Das Buch zeigt den Wandel dieser Institute nach dem Zerfall der Sowjetunion, von utopisch aufgeladenen „Big Science“-Projekten hin zu oft prekären, aber teilweise weiterbestehenden Forschungsstrukturen.

In einer zweiten aktualisierten Auflage ist jetzt „Alles muss man selber machen“ von Christoph Wimmer erschienen. Das Buch ist eine vergleichende Geschichte von Rätebewegungen von der Pariser Kommune bis zu heutigen Selbstverwaltungsprojekten wie Rojava. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Rätebewegung im revolutionären Russland von 1917, die als zentraler osteuropäischer Bezugspunkt der Analyse dient. Das Buch zeigt, wie in unterschiedlichen historischen und geografischen Kontexten – darunter auch Osteuropa – Menschen Formen kollektiver Selbstorganisation in Revolutionen und sozialen Umbrüchen entwickelten. Im Mittelpunkt stehen Aufbau, Funktionsweise und Scheitern solcher Räte in Bereichen wie Arbeit, Versorgung und politischer Entscheidungsfindung.

„Notebooks for the Grandchildren“ von Mikhail Baitalsky ist eine autobiografisch-historische Darstellung der frühen Sowjetunion aus der Perspektive eines Überlebenden der stalinistischen Repressionen. Der Autor, selbst Unterstützer der marxistischen Opposition gegen Stalin, beschreibt die Hoffnungen der Revolution von 1917 und deren gewaltsame Umformung unter Stalin. Im Zentrum stehen seine Erfahrungen als politisch Verfolgter sowie das Schicksal vieler junger Menschen aus der Ukraine und anderen Teilen der Sowjetunion, die im Zuge der stalinistischen Säuberungen der 1930er Jahre verfolgt oder ermordet wurden. Das Buch verbindet persönliche Erinnerung mit einer kritischen Rekonstruktion der sowjetischen Machtkonsolidierung und ihrer Folgen für die revolutionäre Bewegung in Osteuropa.

„Within, Without: On Two Cities“ versammelt zwei essayistische Texte der Dichter Ilya Kaminsky und Piotr Florczyk über ihre Herkunftsstädte Odessa und Krakau. Beide Autoren stammen aus Osteuropa und leben heute in den USA; ihre Texte kreisen um Fragen von Erinnerung, Sprache, Migration und Zugehörigkeit. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft in Städten, die sich durch historische Umbrüche und politische Gewalt verändert haben. Besonders über Odessa – eine Stadt im ukrainischen Raum – erhält das Buch einen klaren Bezug zur osteuropäischen Erfahrungswelt von Krieg, Exil und kultureller Transformation.

„Geschlecht und Arbeit in Polen“ untersucht die Veränderungen von Arbeit und Geschlechterverhältnissen in Polen während der Transformationszeit zwischen 1980 und 2004. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen des Übergangs vom Staatssozialismus zur Marktwirtschaft auf Erwerbsarbeit und Care-Arbeit sowie deren gesellschaftliche Folgen. Das Buch verbindet wirtschafts- und geschlechterhistorische Perspektiven, um Kontinuitäten und Brüche in der polnischen Gesellschaft des postsozialistischen Umbruchs zu analysieren.

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