Liebe Freunde Osteuropas! Ab heute kommen dann noch die neuen Romane aus und über #Osteuropa! Zum Frühlingsanfang gibt es richtig viel neuen Lesestoff. Unter anderem aus der Ukraine, Polen, Tschechien, der Slowakei, über das ehem. Jugoslawien und Russland.

Das Buch „Sunlight Trapped in Stone“ der ukrainischen Autorin Natalya Sukhonos ist ein Lyrikband, der sich mit Erinnerung, Migration und den Erfahrungen von Krieg und Exil auseinandersetzt. In poetischen Bildern verbindet Sukhonos unterschiedliche Orte und Zeiten – von der vom Krieg gezeichneten Ukraine über Mexiko bis nach Kanada während des Zweiten Weltkriegs. Dabei lässt sie vielfältige Stimmen zu Wort kommen: Geflüchtete, Familien, Liebende und Kinder. Die Gedichte kreisen um Fragen von Herkunft, Identität und Weitergabe von Erinnerungen und zeigen, wie persönliche und kollektive Erfahrungen in der Sprache der Poesie bewahrt und neu erfahrbar gemacht werden.

„My Women“ von Yuliia Iliukha versammelt kurze, eindringliche Prosatexte über das Leben von Frauen im Krieg in der Ukraine. In einem reduzierten, von Wiederholungen geprägten Stil schildern namenlose Figuren ihre Erfahrungen zwischen Gewalt, Verlust und Alltag. Die einzelnen Texte sind emotional zugespitzt und zeichnen ein vielschichtiges Bild weiblicher Perspektiven im Krieg. Das Buch wurde in der Ukraine als BBC Book of the Year 2024 ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des EBRD Literature Prize 2025.

„Furious Harvests“ von Alex Averbuch versammelt Gedichte, die sich mit der Geschichte und Gegenwart der Ostukraine auseinandersetzen. Ausgehend von familiären Erinnerungen, Briefen und persönlichen Gegenständen entfaltet der Band ein vielschichtiges Bild von Herkunft und Vergangenheit. Dabei werden Themen wie interethnische Gewalt, Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg und der Holocaust aufgegriffen. Die Texte verbinden unterschiedliche sprachliche Register, Perspektiven und Formen und sind in einer zweisprachigen Ausgabe angelegt. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Identität, Erinnerung und der Suche nach einem Verhältnis zwischen Selbst und Anderem vor dem Hintergrund des Krieges.

Im August 2025 ist der Erzählband „Die Ukraine“ von Artem Tschapaj erschienen. Seitdem müssen wir erstmal auf weitere deutsche Übersetzungen seiner Werke warten. Sein Buch „Вивітрювання“ (zu Deutsch: Witterung) von 2021 ist jetzt zumindest schon mal auf Englisch erschienen. „The Weathering“ erzählt von einem jungen Paar, das nach einem Aufenthalt in den Karpaten in eine veränderte, postapokalyptische Welt zurückkehrt. Die vertraute Ordnung ist verschwunden, und die Überlebenden müssen sich unter neuen, extremen Bedingungen neu orientieren und Gemeinschaften bilden. Der Roman verbindet persönliche Erfahrungen mit dystopischen Motiven und untersucht, wie Menschen in einer zusammengebrochenen Gesellschaft versuchen, Menschlichkeit, Beziehungen und neue soziale Strukturen zu bewahren und zu entwickeln.

Nach nicht mal einem Jahr ist jetzt „Aftertaste“ von Daria Lavelle als Paperback erschienen. Der Roman erzählt die Geschichte von Kostya, einem Tellerwäscher in New York City, der entdeckt, dass er Verstorbene für ein letztes Mahl ins Leben zurückholen kann. Aus dieser Fähigkeit entsteht ein Restaurant, das Trauernden einen besonderen Abschied ermöglicht, während zugleich die Grenze zwischen Leben und Tod zunehmend instabil wird. Im Zentrum steht neben Kostyas eigener Vergangenheit auch seine Beziehung zu Maura, die seine Gabe durchschaut und ihn mit den Folgen konfrontiert. Die Autorin ist in Kyjiw geboren, aber schon als Kind mit den Eltern in die USA ausgewandert.

„Staub fällt von den Schuhen“ von Christa Hagmeyer erzählt die Lebensgeschichte von Lena, die nach der Wende erfährt, dass ihre Familiengeschichte bis in die Ukraine zurückreicht. Die Nachricht über eine vergessene Urgroßmutter und die Vergangenheit ihres Vaters Wasyl, der Opfer der NS-Zeit wurde, öffnet verdrängte Erinnerungen. Der Roman verbindet persönliche Biografie mit den gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und thematisiert Verdrängung, Identität und die Suche nach Zugehörigkeit im Spannungsfeld von deutscher Nachkriegsgeschichte und osteuropäischen Familienbezügen.

„Das glückliche Schicksal“ von Matthias Nawrat spielt Anfang der 1980er-Jahre und folgt der polnischen Psychologin Wanda Karłowska, die nach Venedig reist, um den im Exil lebenden Wissenschaftler Henryk Mrugalski zu befragen. Zwischen beiden entwickelt sich ein vielschichtiges Gespräch, das zwischen Interview und Verhör oszilliert und von gegenseitigem Misstrauen ebenso geprägt ist wie von einer schwer greifbaren Verbindung. Der Roman entfaltet sich als intellektuelles und psychologisches Kräftemessen vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und thematisiert Lebenserfahrungen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Dabei verbindet er persönliche Begegnungen mit historischen und existenziellen Fragen nach Identität, Wahrheit und den Bedingungen menschlichen Handelns.

„Matei entdeckt die Freiheit“ von Catalin Dorian Florescu erzählt die Lebensgeschichte von Matei vor dem Hintergrund politischer Umbrüche in Rumänien. Die Handlung beginnt in Bukarest und verfolgt seine Kindheit und Jugend, die von der politischen Diktatur geprägt sind. Wegen seiner Gedichte wird Matei in ein Arbeitslager im Donaudelta gebracht, wo er unter extremen Bedingungen überlebt und zugleich die Ambivalenz von Gewalt, Solidarität und Hoffnung erfährt. Nach seiner Begnadigung versucht er, ein neues Leben aufzubauen, bleibt jedoch innerlich von der Vergangenheit geprägt. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes begegnet er in den 1990er-Jahren einem früheren Peiniger wieder, was ihn zwingt, sich erneut mit Fragen von Gerechtigkeit, Rache und Freiheit auseinanderzusetzen. Der Roman verbindet persönliche Erfahrung mit der Geschichte Osteuropas und reflektiert die Bedingungen von Freiheit und moralischer Verantwortung.

„Katharsis“ von Maciej Siembieda verknüpft mehrere Lebensgeschichten über verschiedene Jahrzehnte hinweg. Ausgangspunkt ist der griechische Partisan Kostas, der 1949 mit seiner Familie nach Polen gelangt und trotz neuer Identität von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Parallel dazu werden ein Schmuggler im Gdingen der 1930er-Jahre sowie dessen Sohn Janis und eine weitere Figur aus der Nachkriegszeit erzählt. Die Erzählstränge laufen schließlich in einer Uranmine in Niederschlesien zusammen, die im Kontext sowjetischer Atomwaffenproduktion steht. Der Roman verbindet persönliche Schicksale mit historischen Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa.

„Unter der Sonne“ von Julia Fiedorczuk spielt in der Region Podlasien im Nordosten Polens. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Mischa, aus einer russisch-orthodoxen Familie, und Miłka, einer katholischen Bauerntochter; beide heiraten gegen den Widerstand ihrer Familien. Der Roman verbindet ihre persönliche Geschichte mit Erinnerungen an Krieg, Partisanenkämpfe, politische Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen in der Region. Figuren aus Vergangenheit und Gegenwart prägen das Erzählgeflecht und spiegeln die konfliktreiche Geschichte des Gebiets zwischen Belarus und Litauen.

Nach fast zwei Jahren ist jetzt „Unter Dojczen“ von Mia Raben als Taschenbuch erschienen. Es erzählt von der Beziehung zwischen der polnischen Pflegekraft Jola und der Hamburger Matriarchin Ursula von Klewen. Jola kommt erschöpft nach Deutschland und arbeitet in der häuslichen Pflege, während sich zwischen den beiden Frauen trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede langsam eine persönliche Nähe entwickelt. Der Roman beschreibt ihren gemeinsamen Alltag, kleine Konflikte und Momente von Vertrauen, in denen Jola schließlich auch über ihre eigene Vergangenheit spricht. Im Zentrum steht eine ungewöhnliche Freundschaft, die von Fürsorge, Abhängigkeit und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

„Nelka“ von Svenja Leiber erzählt die Geschichte der sechzehnjährigen Nelka, die 1941 aus Lemberg nach Norddeutschland verschleppt und dort zur Zwangsarbeit auf einem Gutshof gezwungen wird. Ihr Wissen über den Apfelanbau hilft ihr, sich zeitweise zu behaupten, während sie und andere Frauen unter schwierigen Bedingungen leben und arbeiten müssen. Der Roman verbindet diese Kriegs- und Nachkriegserfahrungen mit der späteren Rückkehr der Protagonistin an den Ort ihres Leidens und thematisiert Zwangsarbeit, Gewalt und die langfristigen Spuren des 20. Jahrhunderts in Biografien und Landschaften.

„Auf der Straße heißen wir anders“ von Laura Cwiertnia erzählt von Karla, die in einer Bremer Hochhaussiedlung aufwächst und sich mit der verschwiegenen Herkunft ihrer Familie auseinandersetzt. Nach dem Tod der Großmutter stößt sie auf Hinweise zu einer Familienverbindung nach Armenien und reist schließlich gemeinsam mit ihrem Vater in ein Land, das für beide fremd ist, um der eigenen Geschichte nachzugehen. Der Roman (2022) thematisiert Migration, Identität und das Weiterwirken von Herkunft über Generationen hinweg und ist inzwischen in der Reclam-Universal-Bibliothek erschienen.

Bereits 1997 erschienen und jetzt neu aufgelegt wurde das Buch „Die Briefe, die nicht ankamen“ des uruguayischen Autors Mauricio Rosencof. Er verbindet persönliche Familiengeschichte mit der Erinnerung an die Verfolgung europäischer Juden im Zweiten Weltkrieg. Rosencof, selbst ehemaliger politischer Gefangener der Militärdiktatur in Uruguay, schreibt aus der Perspektive eines Sohnes an seinen verstorbenen Vater und rekonstruiert dabei die Geschichte seiner aus Polen stammenden Familie. Im Zentrum stehen die Erfahrungen der zurückgebliebenen Verwandten in Polen, die Ghettoisierung in Orten wie Bełżyce, die Deportationen und die Vernichtung während der NS-Zeit. Der Roman verknüpft diese europäische Vergangenheit mit der eigenen Biografie des Autors und thematisiert Erinnerung, Verlust und die Notwendigkeit, den Opfern von Verfolgung und Gewalt eine Stimme zu geben.

„Astronaut!“ von Oana Aristide spielt im Rumänien des Jahres 1989 und verbindet Elemente eines Coming-of-Age-Romans mit Thriller- und Fabelmotiven. Im Mittelpunkt stehen der Polizist Constantin, der eine Serie brutaler Morde untersucht, und die Schülerin Lia, die in ein Umfeld aus Überwachung, Misstrauen und politischer Spannung hineingezogen wird. Vor dem Hintergrund der letzten Jahre des kommunistischen Regimes entfaltet sich eine Geschichte über Angst, Wahrheit und die Mechanismen staatlicher Kontrolle.

„Where We Belong: Bis wir uns fanden“ von Wiktoria A. Wieczorek erzählt die Geschichte von Zofia, die nach ihrem Umzug aus Polen nach Berlin Schwierigkeiten hat, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Jahre später trifft sie auf einer Party ihren früheren Mitschüler Nils wieder, der eine zentrale Rolle in ihrer Schulzeit als Außenseiterin spielte. Der Roman verbindet Gegenwart und Rückblicke auf die Schulzeit und thematisiert Migrationserfahrungen, soziale Zugehörigkeit und die Frage, ob alte Verletzungen eine neue Beziehung verhindern können.

„Days in the Caucasus“ von Banine ist eine autobiografische Erinnerung an ihre Kindheit und Jugend in Aserbaidschan im frühen 20. Jahrhundert. Das Buch beschreibt das Leben in einer wohlhabenden Familie in einer kulturell vielfältigen Umgebung, die von Tradition und Modernisierung geprägt ist. Im Verlauf der Erzählung werden die Umbrüche durch die Russische Revolution und die Machtübernahme der Bolschewiki geschildert, die das bisherige Leben grundlegend verändern. Im Zentrum stehen persönliche Erfahrungen von Liebe, familiären Konflikten und Verlust sowie die erzwungene Flucht aus der Heimatregion, die den Übergang von einer alten zu einer neuen Lebenswelt markiert.

„Parasiti“ von Alisha Gamisch erzählt die Geschichte dreier Generationen russlanddeutscher Frauen. Ausgelöst durch einen Brief, der die Großmutter verstummen lässt, beginnt die junge Rina, Fragen zur Familiengeschichte zu stellen und stößt ein lange verdrängtes Gespräch zwischen den Generationen an. Der Roman folgt den Lebenswegen von Großmutter, Mutter und Tochter – von den Baracken im Nowosibirsk der 1960er Jahre über Auffanglager für Aussiedler in den 1970ern bis in ein gegenwärtiges Fürstenfeldbruck. Dabei stehen Themen wie Ausgrenzung, Anpassung, familiäre Prägungen sowie Fragen von Körper, Sexualität und Selbstbestimmung im Mittelpunkt.

„Margo ist fort“ von Bela Chekurishvili versammelt Gedichte, die sich mit Exil, Erinnerung und Verlust auseinandersetzen. Ausgangspunkt ist das bewusste Fortgehen aus der Heimat, von dem aus die Texte immer wieder die Distanz zwischen Herkunft und gegenwärtigem Leben vermessen. In poetischen Bildern und gedanklichen Reisen – etwa mit Anklängen an mythische Motive wie Odins Raben – verbinden sich persönliche Erfahrungen mit historischen und kulturellen Erinnerungen, darunter an das alte Tiflis. Die Gedichte kreisen um verlorene Beziehungen, den Tod von Freunden und das plötzliche Verschwinden nahestehender Menschen und stellen existenzielle Fragen nach Vergänglichkeit, Freiheit und dem, was im Leben Bestand haben kann.

„Die neue Barbarei“ von Viktor Jerofejew entwirft ein satirisch-surrealistisches Panorama einer von politischer und gesellschaftlicher Gewalt geprägten Gegenwart. Im Mittelpunkt steht ein Ich-Erzähler, der sich in einer allegorischen Reise durch ein „Himmlisches Moskau“ bewegt, in dem historische und literarische Figuren sowie politische Symbolgestalten aufeinandertreffen. Die Darstellung verbindet autobiografische, essayistische und fiktionale Elemente und reflektiert Machtstrukturen und politische Mythenbildung, unter anderem mit Anspielungen auf Wladimir Putin als Symbolfigur des gegenwärtigen Russland.

„The Disappearing Act“ der russischen Schriftstellerin Maria Stepanova ist ein Roman über Identität, Exil und das Bedürfnis, sich der eigenen Sichtbarkeit zu entziehen. Im Zentrum steht die fragile Frage, wie ein Leben zwischen Herkunft, Erinnerung und Gegenwart erzählt werden kann, wenn Zugehörigkeit unsicher wird und Verschwinden selbst als Möglichkeit erscheint.

„Briefe aus meinem Garten“ von Ben Rakidžija spielt zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie im Jahr 1889. Im Mittelpunkt steht der Gelegenheitsdichter Ante Antić, der in Istrien einen Garten erwirbt und dort ein zurückgezogenes Leben zwischen Natur und Selbstreflexion führt. Der Roman besteht aus einer Reihe von Episoden, in denen Antić seinen Alltag zwischen Ruhe und unerwarteten Störungen schildert und dabei verschiedene Orte der Adriaregion – von Istrien bis Triest – in den Blick nimmt.

„Villa Fazanka“ von Bojan Krivokapić erzählt von Ana, die nach vielen Jahren im Ausland nach Serbien zurückkehrt und in Novi Sad eine Wohnung mit Blick auf die Donau bezieht. Auf der Suche nach einem neuen Anfang reist sie in die Villa Fazanka, wo sie auf unterschiedliche Lebensgeschichten trifft, die sich miteinander verweben. Der Roman verbindet Rückkehr, Erinnerung und Gegenwart und thematisiert Freundschaft, Verlust und die Frage nach Zugehörigkeit.

„Senada oder Der Tag trägt die Last“ von Karsten Dümmel ist ein Erzählband, der im Bosnien der frühen 1990er-Jahre im Kontext des Zerfalls von Jugoslawien angesiedelt ist. In mehreren miteinander verbundenen Erzählungen kommen Figuren aus unterschiedlichen ethnischen Hintergründen – Bosniaken, Serben und Kroaten – zu Wort und berichten von Krieg, Flucht, Verlust sowie familiären und persönlichen Erfahrungen. Der Band thematisiert Erinnerung, Identität und die Folgen des Krieges im südosteuropäischen Raum.

„The Rise and Fall of Parkinson’s Disease“ von Svetislav Basara, ist ein literarisches Werk, das in fragmentarischer Form aus Berichten, Dokumenten und fiktiven Akten erzählt wird. Im Zentrum steht die Figur Demyan Lavrentyevich Parkinson in einem sowjetisch geprägten Umfeld, dessen Lebensgeschichte in unterschiedlichen Stimmen und Textformen rekonstruiert wird. Das Buch verbindet persönliche Erzählungen, amtliche Aufzeichnungen und theoretische Texte zu einem vielschichtigen Bild. Thematisch beschäftigt es sich mit Fragen von Wahrheit und Täuschung, Normalität und Wahnsinn sowie mit der Darstellung von Individuum und Gesellschaft in autoritären Systemen.

„Weder Junge noch Mädchen: Über die Suche nach sich selbst“ von Marita Kelbl ist aus dem Tschechischen übersetzt. Das Buch erzählt von Lukas, der merkt, dass er sich nicht in die üblichen Geschlechterrollen einordnen kann. Während sich das soziale Umfeld verändert und Erwartungen deutlicher werden, beginnt Lukas, sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen und stößt dabei auf unterschiedliche kulturelle und gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht. Das Buch verbindet diese persönliche Suche mit Einblicken in diverse Lebensrealitäten jenseits der binären Ordnung und thematisiert Zugehörigkeit, Selbstfindung und Vielfalt aus der Perspektive eines jungen Menschen.

Ebenfalls aus dem Tschechischen übersetzt ist „Wie entsteht Design: Erfindungen, die die Menschheit veränderten“ von Jiří Pelcl und Silvie Šeborová. Es ist ein Sachbuch, das die Entwicklung von Design und Alltagsobjekten erklärt. Es zeigt anhand von Beispielen – von einfachen Werkzeugen wie dem Sparschäler bis hin zu Möbeln, Kleidung, Architektur und digitalen Produkten –, wie Gestaltung unser tägliches Leben prägt. Das Buch richtet sich auch an jüngere Leser und verbindet historische Einblicke mit grundlegenden Fragen zu Materialien, Techniken und bekannten Designobjekten. Ziel ist es, die Entstehung und Wirkung von Design verständlich und anschaulich zu vermitteln.

„Du weißt nen Scheiß über Sterne“ von Petr Hanel (ebenfalls aus dem Tschechischen übersetzt) ist ein Coming-of-Age-Roman über den 17-jährigen Marky, der in einem von sozialen und ökonomischen Spannungen geprägten Umfeld aufwächst. Der Roman thematisiert familiäre Belastungen, Freundschaften, erste Liebe sowie den Einfluss digitaler Männlichkeitsbilder und Social Media auf Selbstwahrnehmung und Verhalten. Im Zentrum steht Markys Versuch, sich zwischen äußerem Druck und eigener Verletzlichkeit zu orientieren und einen eigenen Weg zu finden.

„Die Kinder der Riyun“ von Ondřej Cikán ist ein lyrischer Band, der wie ein fragmentarisches modernes Epos angelegt ist und unterschiedliche Zeiten, Mythen und Ebenen – von Antike über die japanische Edo-Zeit bis in die Gegenwart – miteinander verbindet. Im Zentrum stehen poetische Verknüpfungen von Geschichte, Gegenwart und Zukunft sowie eine stark bildhafte, mythologisch aufgeladene Sprache, die auch Bezüge zur Ukraine und zur „freien Welt“ herstellt.

„Denkst du noch an Trenčín?“ von Lukáš Cabala ist ein Roman über die slowakische Stadt Trenčín, in dem verschiedene Figuren – darunter ein Antiquar und eine israelische Journalistin – durch die Stadt streifen und ihre Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukünfte erkunden. Der Roman verbindet persönliche Perspektiven mit einer poetischen Stadterkundung und thematisiert Erinnerung, Identität und die Überlagerung von Vergangenheit und Gegenwart in einem urbanen Raum in Mitteleuropa.

Der Roman „Villa Wundergold“ von Christoph Zielinski ist bereits im Februar erschienen. Er erzählt die Geschichte dreier Brüder, die im Galizien der 1930er-Jahre zunächst in einer scheinbar geschützten Umgebung zusammenkommen. Mit dem Einmarsch deutscher und sowjetischer Truppen im Jahr 1939 wird ihr Leben auseinandergerissen. Auf der Flucht durch verschiedene Teile Europas – unter anderem durch Polen, Italien, die Sowjetunion, England, Deutschland und Österreich – erleben sie Gewalt, Verfolgung und Entwurzelung. Der Roman verknüpft individuelle Lebenswege mit historischen Ereignissen und thematisiert Überleben, Verlust und die Auswirkungen politischer Umbrüche auf persönliche Schicksale.

„Pestzug“ des estnischen Autors Rein Raud verbindet historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen. Im Zentrum stehen fünf junge Sanitätsoffiziere, darunter ein Este namens Jakob, die 1911 an die russisch-chinesische Grenze entsandt werden, um eine Pestepidemie einzudämmen. Die Erfahrungen dort prägen ihr Leben dauerhaft. Zwei Jahrzehnte später kreuzen sich die Wege zweier Beteiligter erneut unter völlig veränderten Bedingungen, was alte Konflikte, Schuldfragen und politische Gegensätze wieder aufwirft. Der Roman verknüpft damit individuelle Biografien mit der Geschichte Estlands und thematisiert Macht, Ideologie und persönliche Verantwortung.

„Immergrün“ von Ruth Olshan erzählt von Ruth, die mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter nach Litauen reist, um sie dort in der verlorenen Familienheimat beizusetzen. Die Reise wird zum Ausgangspunkt einer Rückschau auf ihre Kindheit nach der Emigration in den 1970er-Jahren, die sie zunächst nach Israel und später nach West-Berlin führte. Der Roman verbindet persönliche Erinnerung mit den Erfahrungen von Exil, Sprachverlust und Neubeginn und thematisiert zugleich familiäre Brüche sowie die Bedeutung von Musik und Alltagspraxis als Halt in Zeiten des Umbruchs.

„Krpans Stute“ von Ivan Cankar versammelt satirische Essays und Erzählungen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Im ersten Teil kritisiert Cankar anhand von Beispielen aus Theater-, Denkmal- und Festkultur nationalistische Selbstinszenierungen und den Umgang mit Kunst im öffentlichen Leben Sloweniens. Der zweite Teil erweitert diese Perspektive zu allgemeineren gesellschaftlichen und menschlichen Fragen und reflektiert die Rolle von Kunst und Literatur im Spannungsfeld zwischen politischer und poetischer Aussage.

„Menschen hören überhaupt nur sehr wenig“ von Marie Iljašenko ist ein urbaner Gedichtband über das Zusammenleben von Mensch und Natur. Die Texte beobachten Stadtlandschaften als Resonanzräume, in denen Tiere, Pflanzen und menschliche Wahrnehmungen ineinandergreifen. Im Zentrum stehen Themen wie Fremdheit, Begehren und Wahrnehmung, die in Bildern von Straßen, Brachen, Lichtschächten und natürlichen Zwischenräumen verdichtet werden. Der Band erscheint im Kontext des tschechischen Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2026.

In diesem Kontext erscheint auch „Die Seele des Nebels: Gedichte aus Tschechien“ (herausgegeben von Hans Thill). Der Band versammelt zeitgenössische Lyrik aus Tschechien in deutscher Übersetzung. Die Anthologie zeigt sehr unterschiedliche poetische Stimmen – von experimenteller bis stark bildhafter Lyrik – und rückt Themen wie Wahrnehmung, Sprache, Körperlichkeit und Natur in den Mittelpunkt.

„Die Schicht“ von Anna Beata Háblová erzählt von Petra, die in einem Supermarkt arbeitet und sich zwischen monotoner Erwerbsarbeit und ihrer Leidenschaft für die Malerei bewegt. Während ihr Alltag von Routinen an der Kasse geprägt ist, entwickelt sich ihre künstlerische Tätigkeit zu einem zunehmend obsessiven Gegenpol. Der Roman thematisiert soziale Ungleichheit, prekäre Arbeitsbedingungen und die Suche nach Selbstverwirklichung in einer Konsumgesellschaft und verbindet diese Fragen mit einer stark inneren, bildhaften Erzählperspektive.

„Nationaltheater“ von Tanja Šljivar erzählt von der jungen Dramaturgin Dina, die eine Leitungsposition im Schauspiel am serbischen Nationaltheater in Belgrad übernimmt. Zwischen persönlichem Ehrgeiz und institutionellen Strukturen gerät sie in einen komplexen Theateralltag voller Konflikte, Absurditäten und Machtspiele. Der Roman verbindet diese Gegenwart mit der jüngeren Geschichte des Hauses und der Region, die von dem Zerfall Jugoslawiens und den Kriegen der 1990er-Jahre geprägt ist, und reflektiert dabei die Bedingungen kultureller Arbeit in einem traditionsreichen Institutionengefüge.

Vor zehn Jahren ist der Roman „The Wolf of Sarajevo“ von Matthew Palmer erstmals erschienen. Jetzt ist die Taschenbuchausgabe raus. Das Buch ist ein politischer Thriller, der sich mit den Nachwirkungen der Jugoslawienkriege beschäftigt. Im Mittelpunkt steht der Diplomat Eric Petrosian, der zwanzig Jahre nach dem Massaker von Srebrenica nach Sarajevo zurückkehrt. Dort gerät er in eine sich zuspitzende politische Krise, in der separatistische Bestrebungen und organisierte Kriminalität eine neue Eskalation drohen lassen. Während er ein Netz aus Intrigen, Erpressung und Machtkämpfen aufdeckt, wird er mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und muss entscheiden, wie er mit den gewonnenen Informationen umgeht.

Fünf Jahre nach seiner Ersterscheinung ist „Days in the Caucasus“ von Banine jetzt auch als Taschenbuch zu haben. Das Buch ist eine autobiografische Erzählung über das Aufwachsen in Aserbaidschan zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen Erinnerungen an eine privilegierte Kindheit, familiäre Konflikte und den tiefgreifenden Umbruch durch die Russische Revolution. Die Autorin beschreibt den Verlust von Sicherheit und Heimat sowie ihre persönliche Entwicklung zwischen Tradition, gesellschaftlichem Wandel und erzwungener Flucht.

„Die Praktikantin“ von Horst Eckert ist ein Politthriller über die junge Journalistin Carla Bergmann, die in der Redaktion einer Zeitung auf Unstimmigkeiten in einem Polizeifall stößt. Ihre Recherchen führen zu einem möglichen Einbruch bei regimekritischen Exilrussen und zu Verdachtsmomenten gegen den russischen Geheimdienst. Gemeinsam mit dem Journalisten Jan Koller folgt sie den Spuren bis nach Kiew, wo auch wirtschaftliche und politische Interessen eines deutschen Rüstungskonzerns eine Rolle spielen. Der Roman thematisiert Machtstrukturen, Geheimdienstaktivitäten und die Gefahren investigativer Recherche im politischen Umfeld.

„Das Alter der Elbe“ von Uwe Kolbe ist ein Gedichtband, der sich entlang der Elbe und ihres Einzugsgebiets bewegt. Die Texte verbinden persönliche Erinnerungen mit historischen Schichten und folgen den Spuren eines europäischen Flussraums zwischen Landschaft, Geschichte und Mythos. Dabei reichen die Motive von der deutsch-deutschen Geschichte über die NS-Zeit bis in gegenwärtige Landschafts- und Reisebeobachtungen. Ein osteuropäischer Bezug ergibt sich insbesondere über die Quelle der Elbe im tschechischen Riesengebirge, wodurch der Band auch Grenz- und Übergangsräume zwischen Mittel- und Osteuropa poetisch mitdenkt.

„Der Überläufer“ von Siegfried Lenz spielt im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront und folgt dem Soldaten Walter Proska, dessen Einheit in den nordosteuropäischen Kriegsschauplatz eingebunden ist und dort zunehmend in Isolation, Gewalt und moralische Konflikte gerät. Der Roman wurde bereits 1951 verfasst, aber erst 2016 posthum veröffentlicht und damit Jahrzehnte nach seiner Entstehung erstmals zugänglich gemacht. Die vorliegende Ausgabe erscheint als Pocket-Ausgabe im Hoffmann und Campe Verlag.

Der Roman „Smirnows Erbe“ von Horst Mueller ist im Selbstverlag erschienen und bereits der zweite Band.  Er erzählt von den Folgen eines ungeklärten Vermögens im postsowjetischen Russland. Nach dem Tod eines ehemaligen stellvertretenden Finanzministers aus der Zeit Boris Jelzins, der staatliche Gelder veruntreut und in Offshore-Strukturen verborgen haben soll, beginnt ein Wettlauf um das verschwundene Vermögen. Verschiedene Akteure – darunter Familienangehörige, ein Geheimdienstgeneral, ein Mitarbeiter einer Steuerkanzlei und internationale Investoren – verfolgen eigene Interessen. Die Handlung verknüpft diese konkurrierenden Perspektiven mit Einblicken in politische und gesellschaftliche Strukturen des heutigen Russland.

Ebenfalls im Selbstverlag erschienen ist „ZONA: Russlands Werwölfe und ihr geheimer Militärpakt“ von Maxim Kern. Es ist ein fiktionalisierter Sachbuch-Thriller, der reale historische Berichte, Mythen und dokumentierte Fälle mit spekulativen und erzählerischen Elementen verknüpft. Im Zentrum steht die sogenannte „Zona“, ein abgelegenes Gebiet östlich des Urals, das in der Erzählung als Raum zwischen Fakt und Legende inszeniert wird. Der Text greift historische Überlieferungen und Gerichts- bzw. Chronikeinträge auf, interpretiert sie jedoch im Rahmen einer fiktiven Verschwörungsgeschichte über angebliche Werwolf-Mythen und einen geheimen Pakt mit dem Militär.

„Perestroika: Auge um Auge, Zahn um Zahn“ von João Cerqueira (Übersetzung von Christian Leeck) spielt im fiktiven Staat Eslavien nach dem Zusammenbruch einer Diktatur im Zuge der politischen Umbrüche der Perestroika-Ära. Im Mittelpunkt steht Lia, die Tochter eines verschwundenen Malers, dessen Werke und Geschichte ausgelöscht wurden. Vor dem Hintergrund eines instabilen Übergangssystems, in dem Täter und Opfer um Deutungshoheit kämpfen, entwickelt sich ein politischer Thriller über Macht, Erinnerung und die Suche nach Wahrheit.

Avatar von thomasleurs

Published by

Categories:

Hinterlasse einen Kommentar