
Liebe Freunde Osteuropas! Im 18. Jahrhundert hat Maria Theresia 27 Familien aus dem Südschwarzwald ins Banat (Rumänien) deportieren lassen. Diese kaum bekannte Geschichte hat die Schriftstellerin Sigrid Katharina Eismann nun in einem Roman verewigt. Meine Rezension:
Es ist eine wahre Geschichte, die nur die wenigsten kennen dürften. Im Jahr 1755 lebten 27 Hotzenfamilien im Südschwarzwald. Freibauern, die sich gegen die Unterdrückung durch die Kirche und die Krone auflehnten. Das hat der damaligen Herrscherin Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn, gar nicht gefallen. Sie ließ die Familien gewaltsam ins Banat nach Temeswar bringen. Eine Reise von mehr als 1000 Kilometern.
Die Autorin selbst ist Nachfahrin dieser Menschen, wurde 1964 in Temeswar geboren und emigrierte 1981 mit ihrer Familie nach Westdeutschland. So ist dieser Roman auch ein sehr persönliches Buch. Neben der historischen Komponente, in der sie die Geschichte der Mutter Malvinaa und ihrer Kinder erzählt (der Vater wird vor der Vertreibung festgenommen und erschossen), spielt der Roman auch in den 1970er Jahren und sie beschreibt ihre eigene Reise zurück in die alte Heimat vom Jahr 2023.
Die Autorin wollte den Roman so authentisch wie möglich schreiben. Viel wörtliche Rede ist in dem von den Hotzenfamilien typischen Dialekt geschrieben, der für mich sehr nach Schwäbisch klingt. Dafür hat sie sich Hilfe vom Regionalhistoriker und Autor Hubert Matt-Willmatt geholt, der aus Waldshut stammt, genau die Region der Hotzenfamilien. Das macht das Buch natürlich besonders wertvoll, wenn es einen Beitrag dazu liefern kann, eine fast vergessene Geschichte lebendig zu halten für die Nachwelt.
Ich muss zugeben, ich habe etwas gebraucht, um in den Roman reinzukommen. Liegt wohl daran, dass ich mit der Region Schwarzwald, sowie Rumänien und den Hotzenfamilien bislang keine Berührungspunkte hatte. Nach einer Weile entwickelt sich aber eine interessante Geschichte, der ich mit Neugier gefolgt bin. Der Dialekt war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber er ist eigentlich immer verständlich und entwickelte mit der Zeit seinen Charme für mich.
Zum Schreibstil: Ich finde, man merkt dem Buch an, dass die Autorin auch Lyrikerin ist. Immer wieder sind Passagen in sehr verkürzten, abgehakten Sätzen geschrieben, bringen mehr die Stimmung wieder, als dass sie eine Handlung beschreiben. Das muss man mögen. Mein Fall ist es nicht unbedingt, aber für Freunde der Lyrik könnte der Roman also seinen besonderen Reiz haben.
Alles in allem ist Mein innerer Schwarzwald ein Roman, der Geschichte, Familie und persönliche Rückblicke miteinander verbindet. Wer Interesse an weniger bekannten historischen Ereignissen, an regionalen Geschichten und lebendigen Familienporträts hat, wird hier fündig. Auch wenn der Stil nicht für jeden leicht zugänglich ist, lohnt sich die Lektüre für Leser, die Stimmung, Authentizität und eine persönliche Perspektive schätzen. Für mich persönlich war es ein interessantes Experiment, das mir neue Einblicke in die Geschichte der Hotzenfamilien und ihre Nachfahren gegeben hat – und wer sich auf den Dialekt und den lyrischen Schreibstil einlässt, wird mit einer einzigartigen, lebendigen Erzählung belohnt.
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