
Liebe Freunde Osteuropas! Heute kommen dann noch die neuen #Osteuropa-Romane aus März 2025. Ist diesmal viel von deutschsprachigen Autoren dabei, und einiges aus Tschechien.

Zu den bekanntesten ukrainischen Schriftstellern der Gegenwart zählt Serhij Zhadan. In seinem neuen Buch „Keiner wird um etwas bitten: Neue Geschichten“ erzählt er vom Alltag eines Landes im Krieg. Menschen treffen sich an Orten, die noch halbwegs intakt sind: auf dem Fußballplatz, in der Kirche, in einem lichtdurchfluteten Hochhausbüro. Im Krieg sind nun alle mit völlig anderen Dingen befasst: nach der Bombardierung eines Wohngebiets eine alte Frau evakuieren; einen Job für jemanden finden, der als Invalide von der Front zurückgekommen ist; an der Trauerfeier für einen getöteten Kollegen teilnehmen, der eine Einheit an der Front kommandiert hat. Ein Buch, bei dem sich jede Geschichte tief einprägt.

Der Anthea-Verlag hat im März gleich zwei Romane aus dem Tschechischen ins Deutsche übertragen. Da wäre einmal „Da war doch nichts“ von Jakub Stanjura. Daniela verspürt Ängste, immer im August. Wie ein ungebetener Gast, dessen Besuch nicht angenehm ist, sondern schmerzhaft. Als Daniela beim Studium Štěpán kennenlernt, denkt sie, den unerträglichen Sommern endlich entkommen zu können. Doch die Realität ist trügerisch. Welcher Wahrheit soll sie glauben?

Als Zweites wäre da „Zigeuner lügen“: Die wahre Geschichte eines Rom“ von Patrik Banga. Dieser Roman ist autobiografisch. Banga erzählt seine Lebensgeschichte und beschreibt auf schonungslose Weise seine Realität als Rom in Tschechien, die geprägt ist von Rassismus, Kriminalität und Polizeigewalt. Immer wieder sucht Banga nach einem echten Ausweg. Viele Male stolpert er, viele Male verliert er. Und immer versucht er dabei dem abwertenden Label „Zigeuner” zu entkommen. Für seine bewegende Erzählung wurde Banga 2022 mit dem tschechischen Buchpreis Magnesia Litera ausgezeichnet.

Und noch ein tschechischer Roman. „Unmerklicher Verlust der Einsamkeit: Ein Neuanfang des Lebens“ von Eli Beneš ist in Tschechien 2023 als das Debüt des Jahres ausgezeichnet worden. Er spielt in Prag nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Petr hat Auschwitz überlebt und ist wieder in der tschechischen Hauptstadt. Doch als Jude hat er in der Gesellschaft scheinbar keinen Platz. Er verliebt sich in die Jüdin Ilse, die von den Behörden als Deutsche eingestuft wird und deshalb ausgewiesen wird. Für Petr beginnt daraufhin eine Odyssee durch das Nachkriegseuropa nach Palästina, wo Ilse auf ihn wartet.

Die Vielschreiberin Martina Sahler hat den dritten und letzten Teil ihrer historischen Auswanderer-Saga an der Wolga veröffentlicht. Das Buch „Weiter Himmel, wilder Fluss“ spielt in Russland, Anfang des 19. Jahrhunderts. Nachdem die Protagonisten des Roman zwei Generationen ihr Dorf aufgebaut haben, droht nun Unglück wegen Napoleons Feldzug. Zudem hat Christina sich als Modezarin in St. Petersburg etabliert, muss sich jedoch gegen eine unerwartete Mitstreiterin beweisen. Eleonora wünscht sich nichts sehnlicher als in ihre Heimat zurückzukehren, doch eine schwere Krankheit durchkreuzt ihre Pläne. Amelia Mai muss ihre verbotene Liebe für einen verheirateten Mann verheimlichen und Franek Müller zieht in den Krieg gegen Napoleon. Klara kämpft dafür, dass das Vermächtnis ihrer Familie überlebt.

Nach gut anderthalb Jahren ist nun der nächste Roman des sowjetischen Schriftstellers Georgi Demidow (1908-1987) posthum auf Deutsch erschienen. Im November 2023 erschien „Fone Kwas oder Der Idiot“ und jetzt im März „Zwei Staatsanwälte“. Die Handlung spielt im Jahr 1937. Der jungen Staatsanwalt Kornew erhält einen anonymen Brief, in dem ein mit Blut beschriebenes Stück Pappe steckt. Darin bittet ein Gefangener um die Untersuchung seines Falls. Als der Staatsanwalt dem Gefängnis, von dem der Brief kam, einen Besuch abstatten wird, erfährt er erhebliche Widerstände. Hunderte Briefe von Gefangenen werden verbrannt und erreichen nie ihren Adressaten. Später glaubt Kornew, dass es sich bei den Aktivitäten des NKWD um eine Verschwörung gegen die Sowjetmacht handelt, und beschließt, handstreichartig nach Moskau zu fahren und den obersten Generalstaatsanwalt der UdSSR aufzusuchen. Damit setzt er ein mächtiges Räderwerk in Gang …

Im Roman „Und dann springen wir“ der Bremer Autorin Gianna Lange geht es nach Osteuropa. Elise und Rosa, Mutter und Tochter, haben sich auf der Alten Brücke in Mostar einst versprochen, einmal den Mut zu finden, von dort herunter ins Wasser zu springen. Dann stirbt Rosas Mutter und der Vater, der eine neue Familie hat, sucht den Kontakt zu seiner Tochter. Diese will dem Ganzen entfliehen und das Versprechen, dass sie ihrer Mutter einst gab, erfüllen. Ihr Abenteuer nimmt eine unvorhergesehene Wendung, als sie auf Emma trifft, die aus ganz anderen, aber ebenso existenziellen Gründen nach Mostar unterwegs ist.

Die österreichische Autorin Paola Lopez hat einen drei Frauengenerationen-Roman geschrieben. In „Die Summe unserer Teile“ geht es um die polnische Großmutter, eine der ersten Chemikerinnen im Libanon, die Mutter, eine angesehene Medizinerin und die Tochter Lucy, die Informatik studiert. Lucy hat den Kontakt zur Mutter abgesprochen, zu hohe Ansprüche hat sie gestellt und es fehlte Lucy an Nähe. Als Lucy den polnischen Geburtsnamen der Großmutter erfährt, setzt Lucy sich kurzentschlossen in den nächsten Zug nach Sopot, den einzigen Ort, den sie mit ihr verbindet. Sie muss die losen Fäden ihrer Familie zusammenführen, um ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.

Der Kroate Marko Gregur hat einen biografischen Roman über den tschechischen Verleger Vošicki geschrieben. Darin spielen wichtige historische Ereignisse, die die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, vom Attentat von Sarajevo bis zur Annexion Polens durch Hitler und darüber hinaus eine Rolle. Gregurs Roman erzählt von den gebrochenen Versprechen der Revolutionen, dem Opportunismus der Protagonisten und der Heuchelei der Menschen, deren Geheimnisse jeder kennt, aber niemand mehr erwähnt. Aus diesem Grund ist Vošicki nicht nur die Geschichte eines Lebens und des tragischen Kampfes eines guten Menschen, sondern auch die Geschichte all derjenigen, die heute alles kompromittieren, was sie gelernt haben, um für ihre eigene Existenz zu kämpfen.

Erstmals ist ein Roman der serbischen Autorin Milica Vučković ins Deutsche übersetzt worden. In „Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen“ geht es um Eva. Sie zieht als junge Mutter ihren Sohn allein groß, lernt dann den Journalisten und Schriftsteller Viktor kennen und ist direkt fasziniert von ihm. Doch er ist ein Manipulator und Soziopath und schafft es, sie nach Deutschland zu locken. Und da wird alles nur noch schlimmer.

Und ein Roman aus Albanien haben wir auch dabei. Die Autorin Flogerta Krypi erzählt in „Achtundzwanzig mathematisch perfekte Herzschläge“ geht es um unerwiderte Liebe: Als sie für immer die Schwerkraft verloren glaubt, stiehlt sie der wahren Liebe achtundzwanzig mathematisch perfekte Herzschläge, und erschafft eine Welt, in der Logik und Empfindsamkeit verschmelzen. Eine literarisch-mathematische Erzählung, die das Herz berührt und den Geist herausfordert.

Der deutsche Schriftsteller Günter Krieger hat sich für sein neuesten Buch der Historie Polens gewidmet. In „Die Palme des Sieges: Der Traum vom Königreich Polen“ geht es um den jungen Herzogssohn Mieszko II. Er soll in die Fußstapfen seines Vaters Bolesław treten. Mieszko II. soll Richeza, die Nichte des deutschen Kaisers Otto heiraten, liebt aber Jadwiga, die Zofe seiner Mutter. 1025 heiratet Mieszko doch Richeza und wird der erste König Polens. In einer Zeit voller Intrigen, Kriege und Aufstände kämpfen Mieszko und Richeza für ihren Traum von einem geeinten und christlichen Polen, was sich zunehmend als Sisyphusaufgabe erweist.

Gut hundert Jahre ist es her, dass der russischen Schriftsteller Michail Kosyrew (1892-1942) seinen satirischen Kurzroman „Leningrad“ geschrieben hat. Darin gerät der namenlose Ich-Erzähler vom Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine Zeitreise in das ihm fremde Leningrad der 1950er-Jahre. Allerdings hat er den Weltkrieg ebenso »verschlafen« wie die Russische Revolution. Dadurch fällt sein Vergleich der »alten« Zeit mit der fiktiven Gegenwart der 50er-Jahre besonders deutlich aus. Er bewegt sich wie ein Fremder im eigenen Land, in dem der Bestohlene aufgrund ihres »Reichtums« verurteilt werden und Diebe aufgrund ihres proletarischen Hintergrundes straffrei bleiben. Vor dem Auge des Lesers entsteht das Zerrbild einer zukünftigen Gesellschaft, die damals im Entstehen war und bis heute in eine beängstigende Gegenwart Russlands hineinwirkt.

Und noch ein Buch eines bereits verstorbenen Schriftstellers ist wieder erschienen. Das 1954 erstmals auf Deutsch und jetzt neu übersetzte Buch „Die Puppe“ des polnischen Autors Bolesław Prus mit starken 1232 Seiten. Es geht um Stanislaw Wokulski, der es aus einer verarmten Adelsfamilie stammend geschafft hat, während des Russisch-Osmanischen Kriegs 1877/78 zu einem der wohlhabendsten Männer Warschaus aufzusteigen. Mit dem Reichtum glaubt er die standesgemäß über ihr stehende Izabela Lecka heiraten zu können, was auch klappt. Doch Izabela gibt sich weiterhin Flirts hin und wirft er sich vor den Zug. Sein Selbstmordversuch misslingt, doch kurz darauf verlässt er Warschau. Das Werk wird in einem Atemzug mit Tolstois „Anna Karenina“ und Flauberts „Madame Bovary“ genannt.

Der aus der Mongolei stammende deutschsprachige Schriftsteller Galsan Tschinag hat sein Buch „Kennst du den Berg: Mongolische Wanderjahre“ herausgebracht. Nach den prägenden Leipziger Lehrjahren kehrt Galsan Tschinag bang und freudvoll auf den kräftigenden Boden der Mongolei zurück. Die Jahre in der Ferne jedoch haben ihn verändert. In einem von der kalten, kargen Altaibergsteppe geformten Körper steckt ein im unnachgiebigen Europa geweckter Geist. Das neue Leben führt ihn durch die Lehrstätten seines Landes, beengt von der strammen Ordnung aus Parteigruppen und Komitees, bisweilen erschüttert von politischen Erdbeben. Er bereist die Weiten der Steppe, wo die sengend heißen Spitzen der Sonnenstrahlen die Luft durchbohren und man den Himmel zum Wind reizt. Begleitet wird er von einem unstillbaren Wissensdurst und seiner Liebe zum Nomadentum.

Der kroatische Journalist und Schriftsteller Edo Popović hat sein neues Buch „Der Pudel des Staatsführers“ veröffentlicht. Und ich habe das Gefühl, um alles zu verstehen, muss man sich in der Geschichte Kroatiens schon etwas auskennen. Deshalb gebe ich hier einfach den Klappentext wieder: Zagreb: Im Park einer psychiatrischen Klinik wird ein junger Mann tot aufgefunden – es ist kein Geringerer als der Vorsitzende einer rechtsextremen Jugendbewegung. Der Psychiatriepatient, den der Ermordete regelmäßig besucht hatte, bildet sich ein, der Pudel von Ante Pavelić zu sein, dem Gründer der kroatischen Ustascha-Bewegung. Zusammen mit seinem Kollegen Marko Ančić schlittert Inspektor Branko Rakitić durch die Ermittlungen in einen verstörenden Mikrokosmos, der bis in die höchsten politischen Kreise reicht. Er deckt Beziehungen zwischen Politik und Medien auf, blickt in menschliche Abgründe und muss literarischen Hinweisen nachgehen, um den Fall zu lösen.

Der finnisch-kosovarische Autor Pajtim Statovci hat ein Buch eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Balkankriegs geschrieben. Die Handlung in „Bolla“ spielt 1995 in Pristina. Es geht um den 22-jährigen verheirateten Albaner Arsim, der versucht in dem schwelenden Krieg nicht aufzufallen. Dann verliebt er sich in den Serben Miloš, die ihre Liebe verbergen müssen. Als der Krieg beginnt, muss Arsim muss er seine Familie in Sicherheit bringen und Miloš zurücklassen.

Tiefe Kenntnisse der tschechischen Geschichte braucht man für den Roman „Tote Schwäne tanzen nicht“ von Miřenka Čechová sicher nicht. Die Autorin ist selbst Regisseurin und Tänzerin und lässt ihre eigenen Erfahrungen in den Roman einfließen. Es geht um ein noch nicht mal 14-jähriges Mädchen, die unbedingt Ballerina werden will. Doch dieser Traum verwandelt sich in einen Alptraum. Im Prager Nachtleben der 1990er Jahre sucht sie Ablenkung und flüchtet sich in die verführerische Welt von Partys, Drogen und ersten sexuellen Erfahrungen.

Und nochmal Tschechien. Der Autor Jiří Hájícek erzählt in seinem Buch „370m über NN“ die Geschichte von Hanna, die 2008 nach 15 Jahren in ihre Heimtdorf zurückkehrt. Das ist wegen eines Stausees unter Wasser. Es geht zum einen um die blinden Flecken der Familiengeschichte, als auch um ein Panorama der dörflichen Lebenswelt in der spätsozialistischen Tschechoslowakei.

Und die Slowakei ist auch vertreten. In „Der Baum am Ende der Straße“ von Štefan Kuzma geht es um Elo, der an Zweifel zerbricht, an unbeherrschter Rachsucht und Machtgier, vor allem aber an seiner Unfähigkeit, den eigenen moralischen Vorstellungen treu zu bleiben. Es geht Kuzma aber nicht darum, eine stringente Geschichte zu erzählen, sondern dem Leser den Spiegel vorzuhalten. Den Spiegel der gesellschaftlichen, politischen und vor allem auch der alltäglichen Begebenheiten, und stellt dabei nicht nur die Frage nach Sinn unserer Entscheidungen und der daraus erfolgten Handlungen, sondern auch die Frage nach den Werten, die unser Leben bestimmen. „Mein Anliegen allerdings war es, eine fiktive Geschichte zu schreiben, die auf einer parallelen Dimension der realen Welt fußt“, so der Autor.

Der deutsche Autor Pete Heuer hat sein Debütroman vorgelegt. Darin geht es um den deutschen Schriftsteller Albert Hotopp, der 1886 bei Berlin auf die Welt kam und irgendwann im August 1942 in der UdSSR gestorben ist. Zu Lebzeiten kämpfte er mit seinem Handeln und Schreiben für eine gerechtete Welt. Seine Bücher wurden von den Nazis verbrannt, er ging ins Exil nach Moskau. Doch der stalinistische Terror machte ihm auch dort das Leben schwer.

Und ein Graphic Novel hat es auch in mein Monats-Update geschafft, in dem es um eine deutsch-polnische Nachkriegsgeschichte geht. Es geht um die Polin Anna und den Deutschen Johann. Sie beide leben in Maczków, eine polnische „Besatzungszone“. Viele Polen fanden dort eine Zuhause auf Zeit, während die Deutschen evakuiert wurden. In diesen Wirren geht es um die Liebe zwischen Anna und Johann.

Ein kleiner Band mit Erzählungen und Essays ist unter dem Titel „Windrose: Literatur und ihre Himmelsrichtungen“ erschienen. Unter den zwölf Autorinnen und Autoren sind auch die Polin Joanna Bator und der russisch-schweizerische Autor Michail Schischkin.

In „Das Polenhaus“ von Gergor Höppner geht es um die Polin Teresa, die als Landarbeiterin in Frankreich nach der Saison wird in ihr Heimatland will, doch der erste Weltkrieg bricht dann aus. Ein Kampf ums Überleben beginnt – gegen ihren gewalttätigen Mann und für ihre Kinder. 100 Jahre später kauft der Journalist Stéphane das mittlerweile zerfallene Bauernhaus. Und taucht dabei in die Geschichte des Hauses und seiner (polnischen) Bewohner ein.

Diesen Monat sind echt viele deutschsprachige Autoren dabei. Der Schweizer Matthias Vetsch beschreibt in „Operation Tiefer Dorn: Band 1: Aufmarsch“ eine Zukunftsvision. Russland hat die Ukraine besiegt und will seinen Machtbereich ausdehnen. Österreich ist aus der EU ausgetreten und einer ominösen Budapester Koalition beigetreten. Und plötzlich stehen russische Panzerverbände an der österreichisch-schweizerischen Grenze. Was kann die Schweiz da machen? Die Verbände der Schweizer Armee erhalten nun einen besonderen Auftrag, um den Gegner von einem Angriff auf die Schweiz abzuhalten. Primäres Ziel ist, Zeit zu gewinnen.
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