
Liebe Freunde Osteuropas! Der Februar ist vorbei und es ist Zeit, euch mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen, was so Neues im Bereich Osteuropa auf dem Buchmarkt los gewesen ist.

Los geht es wie immer mit der Ukraine. Da haben wir etwa „Maidan: The 2014 Revolution in Ukraine and the Baltic“ herausgegeben von Donatas Kupciunas und Trevelyan S. Wing. In dem Buch werden die Ereignisse der Maidan-Revolution 2014 in der Ukraine und ihre Auswirkungen auf die baltische Region analysiert. Es beleuchtet, wie der westliche Kurs der Ukraine und die russische Annexion der Krim sowie der Krieg in der Ostukraine die Sicherheitspolitik, Verteidigungsplanung und geopolitische Ausrichtung in Osteuropa veränderten. Das Werk vereint Beiträge von Historikern, Politikwissenschaftlern und Sicherheitsexperten, um die regionalen und internationalen Folgen der Revolution zu diskutieren, darunter Fragen zu NATO, Euro-Atlantischer Sicherheit und historischen Verbindungen zwischen Ukraine und Baltikum. Es zeigt, wie Maidan nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte geostrategische Lage in Europa nachhaltig beeinflusst.

Serhii Plokhy ist ein besonders produktiver ukrainischer Historiker. Das seinem neusten Buch „David and Goliath: Commentaries on the Russo-Ukrainian War“ werden erstmals Essays, Kommentare und Interviews zur russischen Vollinvasion in der Ukraine während der ersten beiden Jahre versammelt. Plokhy nutzt das Bild von David und Goliath, um die ungleiche Kriegsführung zwischen dem deutlich größeren Russland und der kleineren, zahlenmäßig unterlegenen Ukraine zu verdeutlichen. Er analysiert, wie und warum die Ukraine trotz enormer militärischer Übermacht, Drohungen mit nuklearen Waffen und geopolitischem Druck erfolgreich Widerstand leistet, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Buch ordnet die Ereignisse historisch ein und zeigt, wie die Geschichte hilft, Ukraines Entschlossenheit und Erfolge zu verstehen.

Das Buch „Widerstand: Freiheitskampf der Ukraine“ von Till Mayer dokumentiert den Krieg in der Ukraine über mehrere Jahre. Mayer, der seit 2017 den Konflikt fotografisch und journalistisch begleitet, war seit 2022 regelmäßig vor Ort und zeigt Soldaten, Frontlinien, brennende Artillerie und die Gefahren für Zivilisten in Städten wie Cherson. Das Buch kombiniert eindringliche Fotos mit Reportagen und vermittelt den Alltag im Krieg, den Mut der Bevölkerung und ihren unbeirrbaren Widerstand gegen Unterdrückung.

Bereits im Januar erschienen ist das Buch „Wer verteidigt Europa?: Die neuen Kriegsgefahren und was wir tun müssen, um uns zu schützen“ von Jana Puglierin. Darin analysiert die Autorin die aktuellen Bedrohungen für Europa – konventionelle, hybride und atomare Risiken – insbesondere vor dem Hintergrund der russischen Aggression und möglicher Rückzugszenarien der USA aus der europäischen Sicherheitspolitik. Puglierin zeigt auf, wie Europa seine Verteidigungsfähigkeit dringend stärken muss, um Angriffe wirksam abwehren zu können, und argumentiert, dass präventive Maßnahmen entscheidend sind, um Konflikte zu verhindern.

Das Buch „Moskaus Machtverlust. Das Ende russischer Vorherrschaft im postsowjetischen Raum und die Folgen für Europa“ von Stefan Meister untersucht das nachhaltige Schwinden russischer Dominanz in den ehemaligen Sowjetstaaten jenseits der Ukraine. Meister zeigt, wie autoritäre Mächte wie China, die Türkei oder der Iran versuchen, die entstehende Lücke zu füllen, während junge, proeuropäische Gesellschaften in Ländern wie Georgien, Armenien und Moldau zunehmend Reformen und Annäherung an Europa fordern.

Der Politiker Roderich Kiesewetter hat sein Buch „Was wollen wir? Was können wir?: Deutschlands Rolle in der globalen Machtverschiebung“ herausgebracht. In dem Buch geht es um Deutschlands aktuelle sicherheitspolitische Lage und die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuausrichtung nach der „Zeitenwende“. Kiesewetter analysiert bestehende Versäumnisse, kritisiert bequeme Narrative und zeigt auf, welche Reformen die Bundeswehr und die politische Strategie des Landes stärken könnten, um als handlungsfähiger Akteur auf globaler Ebene zu agieren.

Und hier was für die Literaturnerds. Das Buch „Regenbogen über der Donau: Studien zu deutsch-ukrainischen Literaturbeziehungen“ von Petro Rychlo, herausgegeben von Andreas Umland, untersucht die jahrhundertelangen kulturellen und literarischen Verbindungen zwischen der Ukraine und den deutschsprachigen Ländern. Es behandelt westukrainische Schriftsteller wie Iwan Franko oder Lesja Ukrainka, die auf Deutsch schrieben oder ins Deutsche übersetzt wurden, ebenso wie deutschsprachige Autoren aus den Kronländern der Donaumonarchie, die ukrainische Themen in ihre Werke aufnahmen, darunter Joseph Roth, Paul Celan und Manès Sperber. Der Band erhellt literaturwissenschaftlich bislang wenig erforschte Aspekte dieses transkulturellen literarischen Netzwerks und bietet Analysen für Slawisten, Komparatisten und Osteuropahistoriker.

Das Buch „Prosecuting the Powerful: War Crimes and the Battle for Justice“ von Steve Crawshaw beleuchtet die Möglichkeiten und Herausforderungen, mächtige Staats- und Regierungschefs für Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Crawshaw verbindet Augenzeugenberichte, historische Rückblicke und aktuelle Fälle, darunter Ukraine, Israel/Palästina und der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Er erzählt von bisherigen Prozessen gegen Kriegsverbrecher wie Slobodan Milošević und von Menschen, die sich für den Schutz von Zivilisten und die Durchsetzung des Völkerrechts einsetzen. Besonders beleuchtet werden die laufenden Verfahren gegen Staatschefs wie Vladimir Putin und Benjamin Netanyahu. Das Buch ist eine Mischung aus journalistischer Analyse und packender Darstellung historischer Ereignisse und zeigt, wie internationale Gerechtigkeit heute möglich und dringend notwendig ist.

„Lessons from the Front“ von Robert Sherman schildert die Erlebnisse eines jungen 25-jährigen Journalisten, der zunächst lokale politische Themen bearbeitete und dann mitten in geopolitische Krisen in der Ukraine und Israel gerät. Sherman berichtet von Flucht vor Luftangriffen, Verhören durch Milizen und den Gefahren des Kriegsjournalismus, darunter auch Einsätze in Hamas-Tunneln in Gaza nach dem Angriff am 7. Oktober. Das Buch vermittelt die intensiven, unmittelbaren Erfahrungen eines Kriegsreporters und zeigt, wie komplex die Realität von Konflikten tatsächlich ist.

„AIDS in Soviet Russia: A Story of Deception, Despair and Hope“ von Rustam Alexander erzählt erstmals die Geschichte der AIDS-Krise in der späten Sowjetunion. In den 1980er Jahren leugnete die Regierung das Ausmaß der Epidemie, behauptete, sie betreffe nur Ausländer oder „unmoralische“ Gruppen, und versäumte dadurch dringend notwendige Maßnahmen. Durch Desinformation, Zensur und Verfolgung marginalisierter Gruppen ließ der Staat die Krankheit ungehindert in der Bevölkerung wüten – selbst Kinder waren betroffen. Trotz dieser Vernachlässigung engagierten sich mutige Journalisten, Ärzte und erste LGBT-Gruppen und starteten aktiven Kampf gegen AIDS. Alexander nutzt persönliche Berichte, Medienquellen und Archivmaterialien, um die politischen und sozialen Reaktionen in der Endphase der Sowjetunion während der Perestroika nachzuzeichnen und zeigt die erschreckenden Folgen von staatlicher Untätigkeit auf.

„Nach Osten ans Ende der Welt. & America Metaphern.“ von Kurt Drawert versammelt zwei Erzählungen/Essays des Autors, die untergründig die beiden früheren Weltblöcke – Russland und die USA – thematisieren und zugleich eine europäische Perspektive einbringen. In „Nach Osten ans Ende der Welt“ begleitet der Leser eine Transsibirische Eisenbahn-Reise über fast 10.000 Kilometer durch Russland, bei der die Enge der Kabine und die langen Tage im Zug zu Reflexionen über Zeit, Kultur und menschliche Erfahrung führen. Die zweite Erzählung, „America Metaphern“, entstand während eines Stipendiums in Los Angeles 2021 und kontrastiert die nordamerikanische Weite, ihre Straßen, Motels und Highways, mit der russischen Schienenreise. Beide Texte kombinieren erzählerische Anekdoten mit essayistischen Analysen, vergleichen unterschiedliche Kulturen und Entfernungen und reflektieren darüber, wie Menschen durch Zeit und Raum navigieren.

„Marie’s Magic Eggs“ von Sandra Neil Wallace mit Illustrationen von Evan Turk erzählt die inspirierende Geschichte von Marie Procai, einer ukrainischen Immigrantin in Amerika, die die traditionelle Kunst der Pysanky am Leben erhielt. Vermisst in Minneapolis ihr Heimatland, lernte Marie das Verzieren von Ostereiern von ihrer Großmutter und nutzte diese Kunst, um Verbindung und Hoffnung zu bewahren – besonders während der Sowjetische Besetzung der Ukraine, als das Sprechen der ukrainischen Sprache und das Praktizieren von Traditionen verboten war. Später half sie, ukrainische Kultur durch ihren Ukrainian Gift Shop weiterzutragen und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen. Das reich illustrierte Buch richtet sich an Kinder ab 7 Jahren und zeigt, wie Marie mit Kreativität und Engagement ein Stück ukrainisches Kulturerbe bewahrte.

„Die Multipolarisierung der Welt“ von Volker Perthes, ehemaliger UN-Diplomat und langjähriger Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, analysiert die gegenwärtige multipolare Weltordnung. Perthes zeigt, dass die überwiegend friedliche und von den USA dominierte Weltordnung der 1990er Jahre vorbei ist: Internationale Organisationen und die Supermacht USA können heutige Konflikte – etwa in der Ukraine – nicht eindämmen, der Westen ist gespalten, und neue Akteure wie China, Russland, Indien und die EU prägen die Weltpolitik. Regionale Mittelmächte nutzen die Situation, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Der Essay bietet eine klare Einordnung geopolitischer Entwicklungen, zeigt Machtverschiebungen auf und diskutiert, wie die EU ihre Handlungsfähigkeit stärken kann, um nicht zwischen die großen Pole gedrängt zu werden.

Vor zwei Jahren ist „Über die Heuchelei“ von Paul Lendvai erstmals erschienen, jetzt als Taschenbuch. Es versammelt kurze, kluge Essays zu aktuellen globalen Themen wie Russlands Krieg, Migration, Klimawandel, Inflation und die Politik populistischer Autokraten. Lendvai beobachtet seit Jahrzehnten das internationale Geschehen und zeigt, wie oft Politiker und Institutionen falsche Einschätzungen treffen – etwa zur Entwicklung in Russland, China oder innerhalb der EU in Ländern wie Ungarn und Polen. Trotz der ernsten Themen bleibt sein Ton lesbar, kritisch und oft ironisch; das zentrale Motiv der Essays ist die Heuchelei in Politik und Gesellschaft.

„Imperfect Equilibrium: Civil–Military Relations in Russian Defense Policymaking“ von Kirill Shamiev analysiert, warum Russland militärisch oft unzureichend auf moderne Kriegsführung vorbereitet ist. Anhand der russischen Invasion in die Ukraine zeigt Shamiev, dass strukturelle Probleme – vor allem Machtkämpfe zwischen ziviler und militärischer Führung – Reformen behindern. Militärs dominieren die Verteidigungspolitik, blockieren notwendige Änderungen und nutzen schwache Kontrollmechanismen zu ihrem Vorteil. Zentralisierte Kontrolle durch den Kreml und die persönliche Bindung an Wladimir Putin schützt die Armee vor gesellschaftlichem Einfluss, verhindert aber institutionelles Lernen und begrenzt Reformen. Shamiev untersucht drei Reformfälle zwischen 2000 und 2021 und zeigt anhand von Interviews, Medienberichten und Umfragen, wie die unkontrollierte Autonomie militärische Entwicklung auch in autoritären Staaten hemmt.

Nur zwei Monate vergangen und Ryan C. Maness und Brandon Valerianos Buch „Modern Hybrid Warfare: Russia versus the West“ ist in der günstigeren Taschenbuchausgabe zu haben, sind aber noch immer stolze 35 Euro. Das Buch bietet eine aktuelle Analyse der hybriden Kriegsführung Russlands gegen den Westen und untersucht, wie Russland moderne Methoden – darunter Cyberangriffe, Informationsoperationen, Energiepolitik und konventionelle Militäraktionen – einsetzt, insbesondere im Kontext des Russischen Krieges in der Ukraine. Es beleuchtet die Strategien Russlands seit der Post-Sowjet-Ära und erklärt, wie hybride Taktiken westliche Staaten herausfordern und die Sicherheit in Osteuropa beeinflussen.

Das Münchener Abkommen 1938 wird heute als falsche Appeasementpolitik gesehen, die mit in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs führte. In seinem Buch „München 38: Die Welt am Scheideweg“ erzählen Christian Goeschel und Daniel Hedinger die Geschichte der Münchner Konferenz 1938, bei der Frankreich und Großbritannien Hitlers Drohungen nachgaben und die Tschechoslowakei im Stich ließen. Die Autoren beschreiben die dramatischen drei Tage im September 1938, die zwischen Krieg und Frieden standen, und setzen sie in den globalen Kontext der Vorkriegszeit. Dabei wird deutlich, wie Appeasement gegenüber aggressiven Mächten nicht nur Europa, sondern die gesamte Weltpolitik beeinflusste und den Aufstieg des Faschismus begünstigte. Das Buch betrachtet München 38 über die rein europäische Perspektive hinaus und zeigt, welche Lehren die Ereignisse für die Abwehr demokratischer Werte und die internationale Politik heute bieten.

„The Rise and Fall of Putinism and the Stakes of a Global War“ von Andrei Piontkovsky versammelt Editorial-Artikel des russischen Politikwissenschaftlers von 1999 bis 2025. Das Buch analysiert die Entstehung von „Putinismus“ und dessen Einfluss auf Russland und die Weltpolitik. Piontkovsky zeichnet nach, wie Russland von einer aufstrebenden „Neuen Russland“-Idee zu einem aggressiven, autoritären Staat wurde, und beleuchtet zentrale Ereignisse wie den Tschetschenien-Krieg, die Annexion der Krim und den Krieg in der Ukraine. Er untersucht die Strategien des Kremls, Manipulation der öffentlichen Meinung und die komplexe Beziehung des Westens zu Russland. Das Buch liefert eine kritische historische Analyse und zugleich warnende Perspektiven auf die Gefahren globaler Konflikte und die fragile Lage internationaler Politik.

„Konrad Wolf: Kriegstagebuch und Briefe 1942-1945“, herausgegeben von Paul Werner Wagner, versammelt die Tagebücher und Briefe von Konrad Wolf aus den Jahren 1942–1945. Wolf, der 1933 mit seiner Familie vor den Nazis fliehen musste, diente als Jugendlicher in der Roten Armee und kämpfte von der Ukraine bis nach Berlin. Die Einträge schildern direkt und bewegend das Leben an der Ostfront, die Grausamkeiten des Krieges und die Entbehrungen der Soldaten. Das Buch ist bereits 2015 erschienen. Die aktuelle Ausgabe umfasst 448 Seiten und bietet so einen umfassenden Einblick in Wolfs Erlebnisse während des Krieges.

„Geschichte der Ungarn im Burgenland“, herausgegeben von Márta Csire und Andrea Seidler, untersucht die Geschichte der ungarischen Volksgruppe im Burgenland über etwa tausend Jahre. Der Band beleuchtet, wie sich die Region vom vormals mehrheitlich ungarisch besiedelten Westungarn zu einer politischen Realität wandelte, in der Ungarn heute eine Minderheit darstellen. Analysiert werden Identitätsbildung, Regionalentwicklung, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Literatur, Kultur und soziale Strukturen im Wandel der Zeit. Ziel ist es, die Dynamik von Regionalität und die historische Rolle der Ungarn im Burgenland inter- und transdisziplinär nachzuvollziehen.

„Sacred Springs in the Camps: Gulag Memory, Legend, and Place“ von Jeanmarie Rouhier-Willoughby untersucht ehemalige Gulag-Lager in Westsibirien und die Rolle von heiligen Quellen an diesen Orten. Die Autorin, Folkloristin, zeigt, wie Legenden, religiöse Praxis und kollektives Gedächtnis miteinander verwoben sind und wie sich die Erinnerung an das stalinistische Terrorregime in der Gegenwart konstruiert. Das Buch beleuchtet, wie Glauben, Russische Orthodoxie, Politik und lokale Identität zusammenwirken und wie „sacred springs“ das Gedächtnis der Sowjetzeit neu rahmen.

„Socialist Transnationality in Translation: Dutch-Language Literature in East Central Europe and the Balkans, 1945–1990“, herausgegeben von Wilken Engelbrecht, untersucht erstmals, wie niederländische Literatur zwischen 1945 und 1990 in Ostmittel- und Südosteuropa übersetzt und rezipiert wurde. Trotz sozialistischer Zensur, wirtschaftlicher Schwierigkeiten und ideologischer Restriktionen gelang es Übersetzern und Verlagen, ein breites Bild der niederländischen und flämischen Literatur zu vermitteln. Das Buch beleuchtet die Verbindungen zwischen Übersetzungen, akademischer Lehre der niederländischen Sprache, Ideologie und literarischem Interesse, analysiert die beteiligten Akteure und zeigt, wie politische Zwänge die Auswahl und Vermittlung von Literatur beeinflussten.

„Ukraine’s Euromaidan: From Revolutionary Euphoria to the Madness of War“ von William Jay Risch bietet eine detaillierte Analyse der Euromaidan-Revolution 2013–2014 in der Ukraine, auch bekannt als „Revolution der Würde“. Das Buch beleuchtet sowohl die Protestbewegungen als auch die Gegenproteste, stützt sich auf Interviews, persönliche Beobachtungen, Archivmaterial, Videos und soziale Medien und zeigt, wie die Revolution die Ukraine und die internationale Wahrnehmung prägte. Risch untersucht unter anderem die Marginalisierung linker Stimmen, das Scheitern politischer Kompromisse, eskalierende Gewalt, sowie die Rolle Russlands bei der Radikalisierung von Gegenprotesten im Süden und Osten der Ukraine.

„Random Dictatorships“ von Alexander Libman analysiert die Unvorhersehbarkeit autoritärer Politik in der eurasischen Post-Sowjet-Region. Libman zeigt, dass das scheinbar Unerwartete – etwa die Annexion der Krym 2014, der „Blutige Januar“ in Kasachstan 2022 und die Invasion der Ukraine 2022 – auf drei zentrale Faktoren zurückzuführen ist: Fehler autoritärer Führer, undurchsichtiger Elitekonkurrenz und allgegenwärtiger geheimer Machtausübung. Das Buch argumentiert, dass Autokratien zwischen hochgradig rationalen, anpassungsfähigen und ineffizienten, instabilen Modi wechseln und deshalb schwer vorherzusagen sind.

„LiveJournal and Russian Disinformation: The Rise of Epistemic Sabotage“ von J.J. Sylvia IV untersucht, wie die Blogging-Plattform LiveJournal im Rahmen der russischen Informationskriegsführung genutzt wurde. Sylvia zeigt, wie gezielte Desinformation („epistemic sabotage“) Teil der Strategie des Kremls wurde, um Wahrheitssysteme zu manipulieren und Demokratien zu destabilisieren. Das Buch analysiert, wie soziale Medien von autoritären Regimen weltweit als Instrument zur Spaltung der Gesellschaft eingesetzt werden, und zeigt die Risiken der digitalen Informationsverbreitung im 21. Jahrhundert. Es ist bereits im Dezember 2025 erschienen.

„Performing Presidents: The Star Power of Reagan, Trump, and Zelensky“ von Maria Berlova untersucht, wie Promi-Präsidenten politische Macht als Theater und Performance inszenieren. Im Fokus stehen Ronald Reagan, Donald Trump und Volodymyr Zelensky, die ihre Erfahrung aus Showbusiness oder Schauspiel nutzten, um ihre Präsidentschaft als politisches Spektakel zu gestalten. Das Buch zeigt, wie solche Führer durch Storytelling, Körpersprache und mediale Inszenierung politische Kommunikation verändern, Normen verschieben und Nähe zum Publikum erzeugen – von Reagans TV-Ära bis zu Trumps und Zelenskys moderner, digital verteilter Ästhetik.
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