
Liebe Freunde Osteuropas! Hier fasse ich für euch die Neuerscheinungen aus und über Osteuropa aus dem Januar 2026 zusammen. Einiges spannende ist zur Ukraine erschienen, auch zu Russland und noch ein paar anderen osteuropäischen Ländern.

Mitte Oktober 2024, weniger Tage bevor der ukrainische Menschrechtsaktivist Maksym Butkevych aus russischer Kriegsgefangenschaft freigelassen wurde, ist in deutscher Sprache das Buch „Am richtigen Platz: Ein ukrainischer Friedensaktivist im Krieg“ mit seinen Texten erschienen. Nun ist es in einer weiterten Auflage mit 188 Seiten (vorher waren es 114) zu haben. Es sind Texte aus den vergangenen mehr als 15 Jahren. Sie geben Überblick über das Innenleben des zu 13 Jahren Gefängnis verurteilen Butkevych und einen Einblick in die Ungerechtigkeiten in Kriegszeiten und dem Dilemma, sich als Friedensaktivist freiwillig zur Armee zu melden.

Literatur zu den Nazi-Verbrechen in der Ukraine gegenüber der jüdischen Bevölkerung ist bereits sehr zahlreich. Der Militärhistoriker Ian Baxter hat nun ein schmalen Band mit dem Titel „Hitler’s Holocaust in the Ukraine 1941-1944“ herausgebracht. Das viel bebilderte Buch ist jetzt sicher nichts für jemanden, der tiefgründig in die Thematik einsteigen will, aber für einen schnellen Überblick könnte es vielleicht ganz nützlich sein. Wenn man den Klappentext schon liest, merkt man, wie schlimm die Nazis dort gewütet haben. Nur wenige Tage nach der deutschen Invasion wurden direkt 6000 Juden in Lwiw ermordet, gefolgt von weiteren Massakern in Kamainets-Podilsky, Pawlochi, Berdytschiw, Odesa, Artemivsk (das heutige Bachmut) und Sarny.

Für Ukraine-Experten und die, die es werden wollen, gibt’s im Januar was vom ibidem-Verlag. In „How Ukraine’s Elites Work“ untersucht die Politikwissenschaftlerin Oleksandra Iwaniuk, wie die politische Elite der Ukraine in Zeiten tiefgreifender Veränderungen denkt, handelt und sich anpasst – vom autoritären Kurs der Janukowitsch-Ära bis hin zur nationalen Neudefinition unter Selenskyj während des umfassenden Krieges. Durch die Kombination von ausführlichen Interviews, Diskursanalysen und biografischen Untersuchungen will die Studie unausgesprochene Normen, kulturelle Ressourcen und Überlebensstrategien aufdecken, die das Verhalten ukrainischer Politiker und Entscheidungsträger geprägt haben.

In „The Siege of Mariupol: The Azovstal Steel Plant and Ukraine’s Battle for Survival“ analysiert der Militärhistoriker und -analyst Christopher A. Lawrence die russische Belagerung Mariupols im Frühjahr 2022. Das Buch entstand parallel zu den Ereignissen und schildert sowohl die militärischen Abläufe als auch die humanitäre Katastrophe und die symbolische Bedeutung des Stahlwerks Asowstal. Als zeitnahe, militäranalytische Momentaufnahme kann es eine informative, wenn auch naturgemäß vorläufige Darstellung eines zentralen Kapitels des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sein.

Der ehemalige US-Marine Trevor Reed wurde 2019 in Russland festgenommen und kam im April 2022 durch einen Gefangenenaustausch wieder frei. Danach reiste er in die Ukraine, um gegen den russischen Aggressor zu kämpfen. In seinem Buch Retribution (zu Deutsch: Vergeltung) schildert er seinen Weg von der Festnahme und jahrelangen Haft in Russland über seine Freilassung bis zu seinem freiwilligen Einsatz im Krieg in der Ukraine. Das Buch verbindet die Schilderung russischer Haftbedingungen mit einem persönlichen Bericht über Reeds Motivation, nach seiner Freilassung an der Seite der Ukraine zu kämpfen. Zudem beschreibt er seinen Fronteinsatz, seine schwere Verwundung durch eine Mine sowie die körperlichen und psychischen Folgen des Krieges.

Auch um die Ukraine – aber nicht nur – geht es in Katrin Eigendorfs neuem Buch „Erzählen was ist: Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege“. Darin geht es sowohl um die Taliban, ukrainische Soldaten an der Front, als auch über mutige Frauen in Afghanistan. „Mit großer Empathie und Realitätsgenauigkeit macht sie selbst komplexe Sachverhalte verständlich. Dadurch eröffnet sie uns vielseitige Perspektiven, die uns nicht ohnmächtig zurücklassen, sondern Orientierung in einer zunehmend komplexen Weltsituation schaffen“, heißt es im Klappentext.

So, jetzt zu Russland. Der für mich spannendste Titel über das Land im Januar ist „The Closing of the Russian Mind: How Putin’s Ideology Took the Nation Hostage“. Darin analysiert der russische Politologe und Journalist Andrei Kolesnikov die ideologische Radikalisierung Russlands unter Wladimir Putin. Ausgangspunkt ist die These, dass der Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 weniger aus Opportunismus als aus einer zunehmend messianischen, neoimperialen Weltanschauung heraus geführt wird. Kolesnikov beschreibt Putins Russland als ein System des „hybriden Totalitarismus“, geprägt von Geschichtsverfälschung, orthodox aufgeladener Staatsideologie und Feindbildern gegenüber dem Westen. Das Buch versteht sich als Deutung der geistigen und politischen Grundlagen des spätputinistischen Systems.

Und wenn wir gerade bei Putin sind: In „The Return of Russia: From Yeltsin to Putin, the Story of a Vengeful Kremlin“ zeichnet der Journalist James Rodgers die Entwicklung der russischen Politik seit dem Ende der Sowjetunion nach. Im Zentrum steht Wladimir Putins Werdegang und seine zunehmende Konfrontation mit dem Westen, die Russland bis zum Angriffskrieg gegen die Ukraine führte. Rodgers beschreibt historische Hintergründe und Strategien Russlands, weist aber auch darauf hin, dass westliche Entscheidungen die Spannungen verschärften — ohne dabei die alleinige Kriegsschuld Putins infrage zu stellen.

In Mischka: Drei Porträts erzählt Barbara Honigmann von den Freunden ihrer Eltern, jungen jüdischen kommunistischen Intellektuellen, die den Lagern der Nazis und des Gulag entkamen. Im Mittelpunkt steht Mischka, der in seiner Moskauer Wohnung in den Siebzigerjahren Dichter und Dissidenten zusammenbrachte, die dem sowjetischen Regime die Stirn boten. Vor dem Hintergrund der mörderischen Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts schildert Honigmann persönliche Begegnungen, menschliche Wärme und den Witz dieser außergewöhnlichen Menschen.

In „A Refusenik’s Odyssey“ schildert Lina Haber ihre Kindheit in der Sowjetunion, die Diskriminierung jüdischer Studenten und den Kampf ihrer Familie, ausreisen zu dürfen. Das Buch begleitet sie durch das Leben als Refusenik, die Emigration in die USA, Studium und Karriere, persönliche Tragödien und schließlich ihre Hinwendung zum Judentum. Geschildert wird ein bewegender Lebensweg vor dem historischen Hintergrund der Sowjetunion und des Kalten Krieges.

In „Vom Schlachtfeld bis zum Serverraum: KI im Krieg – Wie wir uns für die neue Art der Kriegsführung aufstellen müssen“ analysiert der IT-Experte Eldar Sultanow, wie Künstliche Intelligenz die Kriegsführung grundlegend verändert. Er beschreibt den Einsatz autonomer Waffensysteme und digitaler Cyber-Agenten und zeigt, warum Staaten wie die USA, China und Russland hier eine führende Rolle spielen. Sultanow wirft dabei auch einen Blick hinter die Kulissen der Bundeswehr und diskutiert, wie sich Europa sicherheitspolitisch aufstellen muss, ohne demokratische und ethische Werte zu opfern. Das Buch versteht sich als Plädoyer für eine neue, verantwortungsbewusste Verteidigungskultur im Zeitalter von KI und Hybridkrieg.

In „Vorhof zur Hölle: Bericht über meine Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion“ erzählt Franz Laska (1920–2005) von seiner fünfjährigen Gefangenschaft in sowjetischen Lagern zwischen 1944 und 1949. Der Bericht, den sein Sohn Michael Laska nun veröffentlicht, dokumentiert die alltäglichen Härten, Entbehrungen und psychischen Belastungen eines deutschen Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und bietet ein persönliches Zeugnis über Krieg, Gewalt und Überleben.

In „Ich hab noch mein Berlin im Koffer: Berliner Tagebuch“ schildert der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz seine Rückkehr nach Europa nach 24 Jahren Exil in Argentinien und das Jahr, das er 1963 in West-Berlin verbringt. In seinem Tagebuch notiert er scharfsinnige Beobachtungen über die Stadt, in der Idylle und Scheußlichkeit eng beieinanderliegen, und liefert so ein persönliches, historisch wie literarisch faszinierendes Porträt des Berlins der 1960er Jahre.

In „Madam War Criminal: Biljana Plavšić, Serbia’s Iron Lady“ untersucht die Rechtswissenschaftlerin Olivera Simić den Werdegang der ehemaligen bosnisch-serbischen Politikerin Biljana Plavšić, der einzigen Frau, die wegen Massenverbrechen vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilt wurde. Auf Grundlage zahlreicher Interviews fragt das Buch, wie eine international angesehene Biologieprofessorin an der Universität Sarajevo zu einer zentralen Figur des serbischen Ethno-Nationalismus und der Gewalt im Bosnienkrieg werden konnte.

In „NATO After Russia’s Invasion of Ukraine: Threat Perceptions and Their Consequences“ analysiert der Politikwissenschaftler Jason W. Davidson, wie unterschiedlich zentrale NATO-Staaten den russischen Krieg gegen die Ukraine und andere sicherheitspolitische Bedrohungen bewerten. Auf Basis zahlreicher Interviews mit Entscheidungsträgern in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen und Italien zeigt Davidson, wie divergierende Bedrohungswahrnehmungen konkrete Folgen für Verteidigungsausgaben, Prioritäten und die Handlungsfähigkeit des Bündnisses haben. Das Buch macht deutlich, dass die scheinbare Geschlossenheit der NATO seit 2022 von tiefen strategischen Unterschieden unter der Oberfläche begleitet wird.

In „The Kuban People’s Republic: Genocide in Russia’s Forgotten Civil War, 1917–1920“ rekonstruiert der Historiker Liam Corcoran die Geschichte der kurzlebigen Kubaner Volksrepublik, eines demokratischen, stark ukrainisch geprägten Staatsprojekts im Chaos der Russischen Revolution. Das Buch zeigt, wie dieses Experiment nicht von den Bolschewiki, sondern von den weißen Truppen unter General Denikin zerschlagen wurde – mit fatalen Folgen: Massendesertionen, bolschewistische Eroberung und schließlich Entkosakisierung, Deportationen und Hungersnöte bis hin zum Holodomor. Corcoran macht deutlich, wie Gewalt, kulturelle Auslöschung und verdrängte Erinnerung bis heute im russisch-ukrainischen Konflikt nachwirken.

In „Suche deine Tür: Ein ukrainisches Tagebuch 2014–2025“ erzählt die ukrainisch-schweizerische Autorin Eugenia Senik von den Erfahrungen von Menschen, deren Leben durch den Krieg in der Ukraine erschüttert wurde. In ihrem Tagebuch lässt sie die Schmerzen, Ängste und Hoffnungen von Freundinnen, Bekannten und sich selbst lebendig werden und bietet so ein berührendes, menschliches Dokument jenseits klassischer Kriegstagebücher.

In „The Last Gasp of William Schwarzfeller: Soviet Espionage and the Cruelties of Stalin’s Gulags“ rekonstruiert der Historiker und Autor Peter Buck Feller die Lebensgeschichte seines Vaters, der 1938 in Moskau verschwand. Feller folgt den Spuren seines Vaters durch Moskau, Sibirien und Deutschland, enthüllt seine Tätigkeit als Agent der Roten Armee, seine Verhaftung und den Tod in einem Stalinschen Gulag. Das Buch verknüpft persönliche Familiensuche mit der schrecklichen Realität sowjetischer Repression und Gulag-Systeme.

In „Volga Blues: A Journey into the Heart of Russia“ berichtet der italienische Journalist Marzio G. Mian von seiner gefährlichen Reise entlang der Wolga, bei der er das heutige Russland abseits offizieller Propaganda erkundet. Mit Gesprächen von Einheimischen, Intellektuellen, Priestern und Unternehmern zeigt Mian, wie der Krieg gegen die Ukraine, Sanktionen und Isolation das Land prägen, wie Nostalgie für Stalin und orthodoxe Ideale aufblüht und wie tief Misstrauen gegenüber dem Westen sitzt. Das Buch liefert ein einprägsames Porträt von Russlands Gesellschaft, Kultur und neo-imperialen Ambitionen unter Putin und offenbart, wie wenig der Westen das Land wirklich versteht.

In „Zlochov, My Home: Poems“ präsentiert der Übersetzer Richard Fein eine Auswahl der Gedichte des jüdisch-ukrainischen Dichters Moyshe-Leyb Halpern (1886–1932), die den gesamten Umfang seines Schaffens abdecken. Die Gedichte, ursprünglich auf Yiddisch, werden in Feins Übersetzungen neben dem Originaltext gezeigt, ergänzt durch ein einleitendes Essay von Larry Rosenwald, das Halpern historisch und literarisch einordnet. Halpern, geboren in Zlochov (heutige Westukraine), verbrachte seine Jugend in Wien und New York und gilt als eine der originellsten Stimmen der jiddischen Poesie.

In „A Philosophy of War: Why We Fight“ untersucht der Politphilosoph Frédéric Gros ausgehend von Denkern wie Plato, Machiavelli, Hobbes und Marx die tiefgehenden Fragen rund um Krieg: Was ist ein gerechter Krieg? Welche moralischen Grenzen gelten für Kämpfende? Macht der Staat den Krieg oder der Krieg den Staat? Gros beleuchtet die Geschichte, Ethik und Logik von Krieg und zieht dabei auch Bezüge zu modernen Konflikten in Osteuropa, insbesondere zur russischen Invasion in der Ukraine, um zu zeigen, warum Kriege immer wieder entstehen und welche moralischen Herausforderungen sie für Staaten und Gesellschaften mit sich bringen.

In „Russia and Iran: Partners in Defiance from Syria to Ukraine“ analysiert die Politikwissenschaftlerin Nicole Grajewski die immer engere Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran, die sich seit dem Syrienkrieg 2011 entwickelt hat. Anhand von Primärquellen und Interviews zeigt sie, wie Moskau und Teheran gemeinsame militärische und politische Interessen verfolgen, einschließlich der Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine, und beleuchtet die strategischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Dimensionen dieser Partnerschaft im Kontext der Herausforderungen für den Westen und Osteuropa.

In „Iron People: Life and War Along Ukraine’s Railway Tracks“ erzählt der niederländische Fotograf Jelle Krings die Geschichte des Ukraine-Kriegs aus der Perspektive der 230.000 ukrainischen Eisenbahner, die seit der russischen Invasion 2022 eine zentrale Rolle für die Verteidigung und den Alltag des Landes spielen. Krings dokumentiert die Gefahren, Verluste und den Mut dieser Männer und Frauen sowie ihrer Familien und zeichnet ein eindrucksvolles Porträt von Resilienz, Pflichtbewusstsein und Menschlichkeit inmitten des Krieges.

In „Die Geburt des Vampirs: Zur Geistesgeschichte einer Schreckensvision“ untersucht Simeon Elias Hüttel die Entstehung des modernen Vampirbildes. Ausgehend von alteuropäischen Mythen und Geschichten aus dem Balkan verfolgt Hüttel, wie sich die Vorstellung untoter Blut saugender Wesen vom Mittelalter bis zur Gegenwart entwickelt hat und wie sie in Literatur und Film wie Nosferatu oder Twilight weiterlebt.

In „The Urban Life of Workers in Post-Soviet Russia: Engaging in Everyday Struggle“ untersucht die Sozialwissenschaftlerin Alexandrina Vanke das Leben der Arbeiter in postindustriellen Städten Russlands. Das Buch basiert auf ethnografischer Forschung und zeigt, wie die Bevölkerung trotz Deindustrialisierung, neoliberaler Politik und neo-autoritären Strukturen ihren Alltag und ihre Kämpfe organisiert. Vanke stellt dabei stereotype Darstellungen infrage und verbindet Sozialforschung mit literarischen Formen der Arbeiterliteratur. Das Werk erschien ursprünglich als Hardcover im Januar 2024.

In „The Oak and The Larch: A Forest History of Russia and its Empires“ zeichnet die Umwelt- und Kulturhistorikerin Sophie Pinkham eine umfassende Geschichte der russischen Wälder und ihrer Rolle in der Entwicklung der russischen Reiche. Von den baltischen Wäldern bis zu den sibirischen Lärchen zeigt Pinkham, wie Wälder Indigene Gesellschaften, slawische Siedlungen und die Imperien Russlands prägten, als Ressource dienten und kulturelle Symbole wurden – von den Zaren über die Sowjetzeit bis hin zur Putin-Ära. Das Buch verbindet Umweltgeschichte, Literatur und Kultur und bietet ein seltenes, faszinierendes Porträt Russlands aus der Perspektive seiner Wälder.

In „Let’s Agree on Poland“ präsentieren die Politikwissenschaftler Maciej Kisilowski und Anna Wojciuk einen umfassenden Ansatz, wie Polen seine verfassungsrechtlichen und politischen Krisen überwinden könnte. Basierend auf einer überparteilichen Initiative während der polnischen Verfassungskrise verbindet das Buch politische Analyse, Finanzmodelle und praxisnahe Reformvorschläge mit erzählerischen Elementen, um zu zeigen, wie Demokratie und Institutionen im Alltag funktionieren könnten. Die internationale Ausgabe liefert zudem eine Perspektive auf die globale Krise der Demokratie, ausgehend von den Erfahrungen in Osteuropa.

In „The Next World War“ untersucht der Journalist Peter Apps die globalen Spannungen seit dem Ende des Kalten Krieges und die Gefahr großangelegter Kriege. Mit Fokus auf Russland, China und die Ukraine beleuchtet Apps, wie geopolitische Rivalitäten, hybride Kriegsführung, Atomdrohungen und technologische Entwicklungen die Welt destabilisieren und welche Auswirkungen dies auf Politik, Militär und Zivilbevölkerung hat. Das Buch verbindet analytische Tiefe mit unmittelbaren Berichten von Akteuren und Betroffenen und zeigt, warum das Verständnis dieser Konflikte gerade für Europa entscheidend ist.

In „Marshal Pilsudski and His Wars for Polish Freedom“ beleuchtet der Historiker Evan McGilvray das Leben und Wirken Józef Piłsudskis, der Polen im frühen 20. Jahrhundert zur Unabhängigkeit führte. McGilvray beschreibt die wenig bekannten Kriege Polens gegen Ukraine, Litauen und die Bolschewiki, einschließlich des entscheidenden Gegenangriffs bei Warschau 1920, dem sogenannten „Wunder an der Weichsel“, und liefert damit ein fesselndes Porträt eines Schlüsselakteurs der osteuropäischen Geschichte.

In „Violence and Occupation: The Red Army in the Balkans and Central Europe, 1944–1945“ untersucht der Historiker Vojin Majstorović das Verhalten der Roten Armee während der Besetzung von Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn und Österreich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Anhand von Archivmaterial, Tagebüchern, Memoiren und Interviews zeigt Majstorović, wie offizielle Politik, Kriegsverlauf und Soldatenidentität die Gewalt gegenüber Zivilisten beeinflussten und liefert damit ein differenziertes Porträt der Roten Armee in Osteuropa und dem Balkan.

In „Politische Eliten: Wie und warum Menschen Macht erlangen wollen und wie sie die erlangte Macht nutzen“ analysiert der Politikwissenschaftler Fritz Aerni, wie politische Eliten in Demokratien und Autokratien entstehen, Macht ausüben und wie Wähler und Führende sich gegenseitig beeinflussen. Das Buch beleuchtet eine Vielzahl historischer und zeitgenössischer Persönlichkeiten, darunter Wladimir Putin, und bietet so ein psychologisch fundiertes Porträt von Macht und Politik, das auch die Mechanismen politischer Führung in Osteuropa verständlich macht.

In „The History of Russian Literature on Film“ untersuchen Marina Korneeva und David Gillespie, wie russische Literatur zwischen 1895 und 2015 für das Kino adaptiert wurde und welche sozialen, künstlerischen und politischen Prioritäten diese Verfilmungen widerspiegeln. Das Buch bietet die erste umfassende Analyse von Literaturverfilmungen in Russland, zeigt deren Einfluss auf Filmgeschichte und Kultur und erschien ursprünglich bereits im Januar 2024 als Hardcover.

In „A Witness of the Silent Church: The Memoirs of Ukrainian Cardinal Josyf Slipyj“ präsentiert der Herausgeber Iwan Dacko die Autobiografie von Kardinal Josyf Slipyj (1892–1984), Oberhaupt der Ukrainisch-Griechisch-Katholischen Kirche während der Sowjetzeit. Die Memoiren schildern Slipyjs Kindheit, geistliches Wirken, Leidensweg in Gefangenschaft, Gulag und Exil sowie seine Tätigkeit in Rom nach 1963, und geben so ein eindrucksvolles Bild von Religionsleben, Verfolgung und Widerstand der Kirche in der Westukraine im 20. Jahrhundert.

In „Languages in Conflict and War: Ukraine, the Caucasus, and the Baltics“ untersucht die Sprachforscherin Karina Vamling zusammen mit weiteren Herausgeber:innen, wie Sprache in den post-sowjetischen Staaten Ukraine, Kaukasus, Georgien und Baltikum eng mit Konflikten, Identität und politischer Kontrolle verbunden ist. Das Buch zeigt, wie Sprachpolitik, Zwangsmigration und Sprachverlust Minderheiten betreffen und welche Rolle Sprache in Kriegen, ethnischen Spannungen und der Bildung nationaler Identitäten spielt, mit einem klaren Fokus auf die Folgen der russischen Dominanz in Osteuropa.

In „Stiliagi and Soviet Masculinities, 1945–2010: Fashion As Dissent“ analysiert die Historikerin Alla Myzelev die sowjetische Jugendsubkultur der Stiliagi, die in den späten 1940er- bis frühen 1960er-Jahren mit westlich inspirierter Mode, Jazz und nonkonformistischem Verhalten gegen die sowjetische Ideologie protestierte. Myzelev zeigt, wie diese Gruppe alternative Männlichkeitsbilder und kulturellen Widerstand hervorbrachte, die sowjetische Gesellschaft, Film und Theater beeinflussten und deren Wirkung in der post-sowjetischen Kultur bis weit nach ihrer Auflösung spürbar blieb.

In „‚Wenn Du beim Juden kaufst…‘ – Jüdisch-litauische Begegnungen in Dorf und Schtetl: Interaktions-Analysen“ untersucht der Kulturwissenschaftler Manfred Klein die Interaktionen zwischen der jüdischen Minderheit und der litauischen Mehrheitsbevölkerung vom 19. Jahrhundert bis in die 1920er Jahre. Anhand zeitgenössischer Quellen, Erinnerungsberichte und Folklore zeigt Klein, wie Vorurteile, Sprache und wirtschaftliche Interessen das alltägliche Miteinander prägten und welche Strategien Juden und Litauer entwickelten, um im Dorf- und Schtetlleben zu kommunizieren und zu kooperieren.
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