Liebe Freunde Osteuropas! Ich habe mal wieder ein sehr gutes Buch gelesen. Diesmal geht es um „Z: Kurze Geschichte Russlands, von seinem Ende her gesehen“ von Olaf Kühl. Meine Rezension:

Olaf Kühl ist promovierter Slawist. Er ist auch Übersetzer, hat u.a. Bücher von Arkadi Babtschenko, Witold Gombrowicz, Dorota Masłowska und z.B. das aktuelle Buch „Wie man einen Drachen tötet“ von Michail Chodorkowski übersetzt. Zudem war er von 1988 bis 1996 Übersetzer des Berliner Bürgermeisters und von 1996 bis 2021 dessen Russlandreferent. Wir haben hier also geballte Osteuropa-Expertise plus viele persönliche Erfahrungen in Berlin und darüber hinaus.

In seinem gut 220 Seiten langen Buch gibt Kühl einerseits einen Überblick über die vergangenen 30 Jahre in Russland (und auch etwas davor) sowie erzählt von persönlichen Erlebnissen. Dabei ist sein Buch geradezu kaleidoskopartig geschrieben. Viele kleine Versatzstücke, Ereignisse, Analysen, Beschreibungen. Sei es die Amtszeit Jelzins, der Aufstieg Putins, der Tschetschenienkrieg usw. Man erhält einen guten Überblick darüber, was in den vergangenen 30 Jahren in Russland so passiert ist. Und Kühl geht dabei manchmal sehr ins Detail, sodass auch belesene Osteuropa-Interessierte noch einiges Neues lernen können.

Das ist aber noch nicht alles. Denn – wie bereits oben erwähnt – war Kühl ja bis vor zwei Jahren noch Russlandreferent. Und in den Jahrzehnten in Berlin hat er selbst einiges erlebt. Etwa konnte er mit eigenen Augen die Euphorie über die Krim-Annexion in Berlin bei Russen miterleben. Er erinnerte sich daran, wie in den 90ern die ehemaligen Sowjetsoldaten, die Deutschland vom Faschismus befreit hatten, Bittbriefe gen Berlin schickten, da ihnen in ihrer eigenen Heimat niemand half. Er schreibt von seinen Erfahrungen in der Ukraine, in der er keine Sprachenprobleme feststellte, wie es die russische Propaganda ja so oft behauptet.

Das Buch ist so voll gespickt mit kleinen, guten Geschichten. So kann nur ein wahrer Kenner Osteuropas schreiben. Pflichtlektüre für jeden, der noch wenig über den Osten weiß und besser verstehen will, was da gerade in der Ukraine los ist und wie es dazu kommen konnte. Und für belesene Osteuropa-Affine ist es auch zu empfehlen. Vor allem schon wegen der vielen persönlichen Erlebnisse Kühls als Russlandreferent.

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